Keine Personaldiskussion

jürgen Trittin

Jürgen Trittin findet den Aufschrei der Medien über die Führungsquerelen in der Grünen Partei lächerlich. Auf dem Bundesparteitag der Grünen in Nürnberg erklärt er, warum er sich lieber auf den Wahlkampf 2008 konzentriert und dass interne Meinungsverschiedenheiten bei den Grünen nur basisdemokratisches Parteidenken sind. 

Herr Trittin: Was bedeutet Führung für Sie?

Führung heißt Richtung und Inhalte vorzuschlagen und dann zu überzeugen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Sie bei den Grünen die Parteikollegen von dem, was Sie wollen, überzeugen müssen. Druck ausüben hilft gar nicht.

 Sind sie eine autoritäre Führungsperson?

Das müssen Sie andere fragen (lacht). Ich habe immer versucht andere mit meinen Argumenten zu überzeugen. Bei der Laufzeit von Atomkraftwerken hat das zum Beispiel geklappt. Ich glaube, dass Autorität nur auf Inhalten beruhen kann.

 Bis 2005 stand Joschka Fischer mit seiner autoritären Führung an der Spitze der Grünen. Seitdem streiten sich Roth, Bütikhofer, Künast und Kuhn um Grundsatzfragen in der Partei. Sind die Unstimmigkeiten basisdemokratisches Pateidenken oder einfach nur peinlich?

Weder noch. Die Grünen sind eine Partei, die schon immer bei Schwierigkeiten allen gerecht werden wollte. Das war auch Joschkas Grundsatz. Aber es ging noch nie nach dem Motto: Was einer will, das macht die Partei. Joschka war eine originelle und herausragende Persönlichkeit. So extrem autoritär, wie er im Rückblick scheint, war er aber nicht: Er hat viel für die Grünen getan. In manchen  Fragen hat aber auch er es nicht geschafft, sich durchzusetzen.

 Beim letzten Parteitag in Göttingen hat sich bei der Afghanistanfrage der Konflikt zwischen Basis und Führungsspitze zugspitzt.

Hier ist deutlich geworden, dass bei Uneinigkeit in der Führung, die Basis ihr Recht einfordert, die Richtung anzugeben. Die Anträge in dieser Sache waren lange nicht so kontrovers, wie es viele Medien darstellten. Inhaltlich war der Siegerantrag nicht so weit vom Bundesvorstand entfernt. Auch er spricht sich nicht für einen Abzug aus Afghanistan aus. Dieser sogenannte „Konflikt“ in Göttingen war ein völlig normaler, demokratischer Prozess.

 Ist es denn möglich, die Grünen mit ihrer Meinungsvielfalt einheitlich zu führen?

Ja, offensichtlich. Die Grünen verfolgen trotz allem die klare Grundlinie einer ökologischen und sozialen Erneuerung dieser Republik. Dafür haben wir bei Themen wie erneuerbare Energien, Atomausstieg oder Verbraucherschutz Maßstäbe gesetzt. Die Grünen sind nicht nur diskussionsfreudig sondern auch durchsetzungsfähig.

 Brauchen die Grünen dann nicht dringend eine zentrale Person, die sie in der Öffentlichkeit vertritt?

Es hat immer mehrere Personen gegeben, die das getan haben. Am Ende hilft uns auch die ganze schematische Trennung zwischen oben und unten, Basis und Führung, kein Stück weiter. Auch wenn uns von außen immer erzählt wird, wir müssen eine Personaldiskussion führen. Genau das müssen wir momentan nicht: Wir müssen uns vorerst auf die Landtagswahlen 2008 konzentrieren und anschließend auf die nächsten Bundestagswahlen.

 Wo sehen Sie sich selbst in der Zukunft der Partei?

Natürlich ist mein Ziel erst einmal, mit der Partei gute Wahlergebnisse zu erreichen. Dazu leiste ich meinen Beitrag, denn natürlich möchte ich, dass diese Partei bei der nächsten Bundestagswahl wieder Regierungsverantwortung trägt. Um meine Rolle dabei mache ich mir noch keine Gedanken. Ich habe mir angewöhnt, erst den Bären zu erlegen und dann über die Verteilung seines Felles nachzudenken.

 

Co -Autor: Felix Scheidl

Erschienen in: Politikorange

 

 

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