Eine zweite Heimat

Unter dem Motto „Jugend für Europa“ ermöglicht der Europäische Freiwilligendienst es jungen Europäern/innen zwischen 18 und 30 Jahren, eine Weile im Ausland zu leben. Während sie sechs bis zwölf Monate in einer gemeinnützigen Organisation arbeiten, erhalten sie ein Taschengeld, kostenlose Unterkunft und Verpflegung und bekommen einen Sprachkurs und die Reisekosten bezahlt. 

 

Die 21-jährige Florie Fouché aus Tulle in der Region Limousin hat gerade ihren Master in Kunstgeschichte und Archäologie gemacht und verbringt jetzt mit dem Europäischen Freiwilligendienst ein Jahr in der mittelfränkischen Stadt Fürth. Sie arbeitet im „Limoges- und Limousin-Haus“, einem Kulturzentrum zur Pflege und Erhaltung der Freundschaft zwischen Fürth und seiner Partnerstadt Limoges. Wie passend!

 

Du bist mit dem Europäischen Freiwilligendienst in Deutschland. Wie kamst Du dazu?

Ich wollte auf jeden Fall nach dem Studium ins Ausland. Durch Zufall entdeckte ich in unserer Tageszeitung eine Anzeige. Dort suchten sie gezielt Leute, die ein Jahr in Deutschland verbringen und im Limoges-Haus arbeiten wollten. Ich las mir die Konditionen durch und stellte fest: Das ist genau das Richtige für mich! Dann habe ich mich mit Lebenslauf und einem Motivationsbrief beworben und wurde in das Projekt aufgenommen.

 

Um am Projekt teilzunehmen, braucht man eine Entsendeorganisation. Was hat es damit auf sich?

Die Entsendeorganisation ist dazu da, dir ein Aufnahmeprojekt im Ausland zu verschaffen. Das kann ein Verein, eine Kirchengemeinde, eine öffentliche Stelle oder so etwas ähnliches sein. Außerdem kümmert sich die Entsendeorganisation um deine Versicherung und die ganze Vorbereitung. Meine Organisation ist das CRIJ, das Regionale Informationszentrum für die Jugend in Limousin. Die Anzeige in der Zeitung war schon vom CRIJ, daher musste ich meine Entsendeorganisation nicht separat finden.

 

Etwas ganz anderes machen

 

Warum wolltest Du Dein Auslandsjahr denn in Deutschland verbringen?

Außer Deutschland kam für mich kein anderes Land in Frage! Ich war während meiner Schulzeit dreimal in Stuttgart, da meine Heimatstadt Tulle eine Städtepartnerschaft mit Schorndorf in der Nähe von Stuttgart hat. Dort hat es mir immer sehr gut gefallen. Deshalb wollte ich auch unbedingt längere Zeit hier leben.

 

Wie gefällt es Dir hier?

Deutschland ist für mich jetzt schon wie eine zweite Heimat. Ich fühle mich einfach total wohl und bin froh hier zu sein! Auch in Fürth gefällt es mir sehr gut. Die Leute zeigen großes Interesse für mich und meine Region. Ich denke, das kommt durch die gute Partnerschaft der beiden Städte.

 

Was erhoffst du Dir von deinem freiwilligen Jahr?

In erster Linie will ich natürlich die Sprache besser erlernen – aber auch viel Spaß haben. Ich brauchte nach der Schule und dem Studium einfach eine Pause und wollte etwas total anderes machen. Allerdings: Ich hoffe auch, dass ich nach dem freiwilligen Jahr leichter einen Arbeitsplatz finde.

 

Viel Arbeit und neue Kontakte

 

Du arbeitest im Limoges- und Limousin-Haus, auch kurz „Lim“ genannt. Was für Aufgaben übernimmst Du dort?

Ganz viele verschiedene. Manchmal helfe ich im Sekretariat, ein anderes Mal im Café. Ich kümmere mich um die Besucher und verwalte auch hin und wieder die Bibliothek. Vor allem bin ich jedoch dafür zuständig, Werbung für Limousin zu machen. Das heißt dann, Vorträge zu halten oder Besucher durch Ausstellungen zu führen.

 

Wie gefällt dir Dein Job im Lim?

Sehr gut, da er sehr abwechslungsreich ist. Außerdem finde ich es schön, so viel mit Leuten zu arbeiten. Das hat es mir auch sehr erleichtert, hier in Deutschland Anschluss zu finden.

 

Du sprichst ja schon sehr gut Deutsch …

Ja, Deutsch war in der Schule meine erste Fremdsprache. Insgesamt habe ich es dann zehn Jahre lang gelernt. Außerdem habe ich während dem Studium das „Deutsch-Zertifikat“ des Goethe Instituts abgelegt. Momentan besuche ich außerdem dreimal wöchentlich den Sprachkurs des Europäischen Freiwilligendienstes, der ist für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen Pflicht. Da ich in Fürth momentan die einzige Europäische Freiwillige bin, habe ich sogar Einzelstunden direkt hier im Lim.

 

Ein zweites Limoges

 

Kennst Du denn noch andere „Europäische Freiwillige“?

Erst vor kurzem habe ich einige kennen gelernt. Hin und wieder finden Fortbildungsseminare statt, an denen alle Freiwilligen teilnehmen müssen. Dort können wir uns austauschen, unsere Erlebnisse verarbeiten und, falls vorhanden, Probleme diskutieren. Die anderen kommen aus allen möglichen Ländern Europas und wir verstehen uns sehr gut. Die Kommunikation läuft hauptsächlich auf Deutsch, aber das funktioniert schon.

 

Aber es ist bestimmt nicht immer leicht, ein Jahr von zu Hause weg zu sein. Vermisst Du Familie und Freunde aus der Heimat sehr?

Natürlich vermisse ich sie. Aber ich habe regelmäßig Kontakt nach Hause – entweder per Internet oder Telefon. Wenn ich mit meiner Familie oder meinen Freunden rede, dann jammer ich auch nicht, wie sehr ich sie vermisse, sondern berichte lieber über meine Erlebnisse. Ich will während dieses Jahres viel Neues erleben – da bleibt kaum Zeit zum Trübsal blasen!

 

Und was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ich werde mir natürlich einen Job suchen, am liebsten etwas in der Kulturbranche. Aber ansonsten lasse ich mich vom Leben überraschen. Ich mache mir nicht so viele Gedanken über die Zukunft. Ein Tag ist ein Tag.

 

Erschienen in: fluter.de
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