Beruf: Tanzlehrerin – Alles, nicht nur Walzer

Tina Konrad hätte es sich nie träumen lassen, einmal Tanzlehrerin zu werden. Obwohl sie schon seit Kindesbeinen an tanzte, wollte sie laut eigener Aussage doch etwas „Vernünftiges“ machen. Im Juli beendet sie jetzt ihre Ausbildung zur Tanzlehrerin und hat die Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen, noch keine Sekunde bereut.

 

Schnell wirbeln die Tanzpaare im Alter zwischen fünfzehn und neunzehn Jahren zu fetziger Rock’n’Roll Musik über die Tanzfläche. Die schwierigen Schritte sitzen, der Takt stimmt, die Körperhaltung ist perfekt. Die weiten gepunkteten Röcke fliegen bei jeder Drehung. Das Publikum klatscht begeistert im Takt und ist fasziniert, als die Jungs die Mädchen mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit durch die Luft drehen. Doch das Tanzen lernen die Jugendlichen nicht von selbst. Hinter der Boogie-Woogie Formation der Tanzschule Streng in Fürth, sowie hinter den einzelnen Tanzkursen stehen Menschen wie Tina Konrad, die gerade dabei ist, ihre Ausbildung zur professionellen Tanzlehrerin abzuschließen.

 

Du machst eine Ausbildung zur Tanzlehrerin für Standard und Latein. Lernst Du noch mehr in Deiner Ausbildung?

Zu meinen Hauptfächern Standard und Latein kann ich noch Zusatzausbildungen frei wählen. Ich bin mittlerweile schon Fachlehrer für Kindertanzen, Instructor für Dance4Fans – also Tanzgruppen für Kinder und Jugendliche von zehn bis fünfzehn – und momentan mache ich noch Salsa. Außerdem habe ich schon Basisseminare im Steppen und eben in Boogie-Woogie besucht. Außerdem gehören  auch Kenntnisse in Technik, Unterrichtstheorie, Musiktheorie und Bewegungslehre dazu– also zum Beispiel: wie drehe ich mich richtig oder wie lerne ich meinen Tanzschülern die neuen Schritte am besten.

 

Was für einen Schulabschluss hast Du und wann hast Du mit der Ausbildung begonnen?

Nach meiner mittleren Reife habe ich kurzzeitig einige verschiedene Jobs ausprobiert. Richtig zum Tanzen kam ich dann 2005. Jetzt drei Jahre später, bin ich mit meiner Ausbildung fast am Ende. Nach der Abschlussprüfung im Juli habe ich es dann endlich geschafft.

 

War Tanzlehrerin schon immer Dein Traumjob?

Ehrlichgesagt, nein! Früher wusste ich nicht mal, dass das ein richtiger Beruf ist. Eigentlich wollte ich einen „richtigen“ Job machen, etwas Sicheres, was auch den Eltern gefällt. Außerdem hatte ich mit dieser Art von Tanzen bis vor einigen Jahren gar nichts zu tun. Ich tanzte seit ich sechs war zwar im Fasching, aber Standard lernte ich das erste Mal nur kurz mit vierzehn in einem Anfängerkurs.

 

Aber wie bist Du dann überhaupt auf die Idee gekommen, Tanzlehrerin zu werden?

Das war eigentlich alles nur Zufall. Ich kannte eine Mitarbeiterin der Tanzschule Streng und dort suchten sie schon bald jemanden für die Kindertanzgruppe. Da ich schon einmal in einem Urlaubsclub in der Kinderanimation arbeitete, war ich also anscheinend dafür prädestiniert. Dann habe ich als Erstes eine Ausbildung zur Kindertanzlehrerin gemacht und hier in der Tanzschule angefangen. Diese Entscheidung traf ich total spontan. Als ich merkte, wie viel Spaß mir das Unterrichten machte, kam mir zusammen mit meinen Kollegen die Idee, dass ich die komplette Tanzlehrerausbildung machen könnte.

 

Du sagst selbst, Du wolltest etwas „Vernünftiges“ machen. Wirst Du trotzdem in Zukunft hauptberuflich als Tanzlehrerin arbeiten?

Ja, ich werde das hauptberuflich machen, immerhin ist das auch ein vierzig-Stunden-Job. Im Moment bekomme ich noch ein Ausbildungsgehalt, aber sobald ich meinen Abschluss habe, verdiene ich genauso wie in jedem anderen Job. Allerdings geht es für mich nach der Abschlussprüfung erst mal in die Baby-Pause, da ich im fünften Monat schwanger bin. Der Job lässt sich zum Glück gut mit Familie vereinbaren, da ich Teilzeit und auch abends arbeiten kann.

 

Wie wird Dein späterer Berufsalltag denn im Endeffekt aussehen?

Genauso wie jetzt! Ich gebe Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und mache einiges im Büro, zum Beispiel die Kursverwaltung. Die Kurse muss ich natürlich auch vorbereiten, mir überlegen welche Figuren ich den Schülern lernen will, die Musik aussuchen. Hinzu kommt das choreographieren der Tänze für die Jugend-Boogie-Woogie-Formation, die ich einmal pro Woche trainiere. Auch als Kindertanzlehrerin gehört viel Vorbereitung dazu. Die Tanzstunden der Kleinen müssen sinnvoll gegliedert sein, damit das nicht im Chaos endet. Aber dafür machen sie richtig motiviert mit. Das sind alles viele kleine Dinge, die ein Tanzschüler nicht mitbekommt und auch nicht mitbekommen muss.

 

Welche Voraussetzungen sollte man  für diesen Job mitbringen oder anders gefragt: was macht Deiner Meinung nach einen richtig guten Tanzlehrer aus?

Also Rhythmus und Taktgefühl sind natürlich von Vorteil. Aber am wichtigsten sind viel Spaß am Umgang mit Menschen und Freude am Unterrichten – ohne das geht es nicht. Ein guter Tanzlehrer muss in der Lage sein, sich immer wieder neu auf einen Kurs einzustellen und nicht immer die gleichen Unterrichtsmethoden verwenden, das ist sonst ziemlich langweilig.

 

Was macht man, wenn Tanzschüler sich die Schrittfolgen nicht merken können? Gibt es da ein Patentrezept? Oder braucht man einfach viel Geduld?

Nein, ein Patentrezept gibt es sicher nicht, das wäre toll. Aber dann würde der Job auch keinen Spaß mehr machen und ich hätte keine Herausforderungen. So muss ich mir immer neue Wege überlegen, um den Schülern die Schritte näher zu bringen. Geduld brauche ich da schon – aber das geht wohl allen Lehrern so. Manche Leute behaupten auch, sie könnten von Natur aus nicht tanzen. Aber ich denke, wenn man wirklich will, kann jeder tanzen lernen. Aber diese Leute haben dann einfach keine Lust und suchen eine Ausrede.

 

Und was gefällt Dir an dem Beruf am aller besten?

Dass es abwechslungsreich ist und dass ich viel mit Menschen arbeiten kann. Keine Unterrichtsstunde ist wie die andere, selbst wenn ich einen Kurs schon jahrelang habe. Egal ob die Kinder mal total aufgekratzt sind, oder ob die Erwachsenen einen stressigen Tag im Job hatten – aber genau das ist das Spannende daran. Hinzu kommt natürlich der Spaß am Tanzen, das ist einfach schön.

 

Erschienen in: fluter.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: