Wirtschaftswachstum statt Klimachaos

Der Klimaschutz ist in aller Munde und Experten fürchten, dass die Wirtschaft darunter leidet. Aber wir können den Klimawandel für die Wirtschaft nutzen und davon profitieren, wie Projekte im Ausland beweisen. Augen aufmachen und Ideen haben, statt resignieren und auf die Klimakatastrophe warten, lautet die Devise.

 

Zurück in die Steinzeit

 

Die Erderwärmung nimmt durch enorme CO2 und Methanemissionen stetig zu. Das führt zum Treibhauseffekt und der Mensch zerstört sich seinen Lebensraum. Drastische Klimakatastrophen sind   nur eine Frage der Zeit. Laut der eigens dem Klima gewidmeten Homepage http://www.klimawandel-heute.de, betrifft uns das schon jetzt: die Gletscher schmelzen ab, Dürren und Wirbelstürme verwüsten weite Landstriche.

 

Offenbar haben wir in der Entwicklung unserer Gesellschaft etwas falsch gemacht. Würden wir noch in Höhlen leben, müssten wir heute nicht versuchen unser Klima zu retten – weder durch strengere Umweltauflagen, noch durch gutgemeinte Werbepropaganda wie die von Büdnis90/die Grünen „Klima ohne wenn und aber“ mit einer Weltkugel in Herzform. Vergessen wir High-Tech, machen die industrielle Revolution, die Städtegründung und die Entdeckung der Landwirtschaft rückgängig und alle sind glücklich! Aber wie das dem modernen Bürger im Jahr 2008 erklären?

 

Pessimistische Prognosen? Nein danke!

 

„Der Klimaschutz belastet unser deutsches Wirtschaftswachstum“, titelt daher verständlicherweise das Handelsblatt online. „Aber wir müssen die Erderwärmung stoppen und die Existenz unseres Planeten sichern!“, entgegnen schon lange entsetzte Umweltaktivisten und seit einiger Zeit auch wahlkampforientierte Politiker, Katastrophenmeldungsjournalisten und der Typ von nebenan mit seiner Stromsparlampe. Nur Firmenbosse sehen das gar nicht ein und planen schon beim bloßen Erwähnen des Worts „Ökosteuer“  die Flucht ins billigere Ausland. Es geht keinen Schritt voran in der Klima versus Wirtschaftsdebatte. „Bislang sind die Anstrengungen für den Schutz des Klimas nur halbherzig“, beklagt Greenpeace. Die Diskussion um was denn nun wichtiger sei, den wirtschaftlichen Aufschwung garantieren oder unsere Umwelt schützen, spaltet nicht nur die Nation sondern die ganze Welt. „Beides geht nicht“, sagen Pessimisten mit der Unterstützung von Nicholas Stern, britischer Professor an der London School of Economics. Dieser veröffentlichte 2006 den „Stern-Report“, der für große Aufregung sorgte. Damit prophezeite er einen drastischen Einbruch der globalen Wirtschaftsleistungen, verursacht durch den Klimawandel und dessen Bekämpfung. Erst vor Kurzem revidierte er seine Aussage: Die erwarteten wirtschaftlichen Schäden sollen sogar noch übertroffen werden. Doch es gibt Menschen die sehen das anders. „Klimawandel und Wirtschaftswachstum? – Und ob das geht!“, meinen plötzlich absurderweise gerade Ölscheichs in Megacities wie Abu Dhabi, die seit jeher von einer gutboomenden Wirtschaft profitierten.

 

Nahost hat’s drauf!

 

Der Durchschnittsbürger könnte jetzt meinen: „Ölscheichs und Klimaschutz, das passt nicht zusammen!“ Und verpesten die nicht nur mit ihrem Öl, sondern auch mit ihren Bauprojekten unsere Luft? Immerhin sind die Emirate momentan eines der Länder mit dem größten Wirtschaftswachstum schlechthin. „Umbau im Eiltempo“, heißt es bei Focus online, „Ob Saudi-Arabien, Dubai oder Abu Dhabi: Arabien gleicht einer einzigen Großbaustelle.“ Und das ist wahr: In Dubai entsteht momentan das größte Gebäude der Welt, der größte Flughafen, das größte Hotel, das größte Einkaufszentrum und der größte Hafen. Weitere Großstädte sollen aus der Wüste schießen, mit Universitäten, Finanzzentren, Luxusressorts und vielen Arbeitsplätzen. Das alles ausgestattet mit den modernsten Techniken, betrieben von hochqualifizierten Menschen verschiedenster Nationen und finanziert von reichen Ölscheichs, laut Focus mit Projekten bis zu 700 Milliarden Dollar. Wenn das keine tausend und ein Märchen des Wirtschaftsaufschwungs sind!

 

Aber deswegen schließt im Nahen Osten den Klimaschutz niemand aus – im Gegenteil: Auf Öl will in den Vereinigten Emiraten langfristig keiner mehr setzen. Denn die Produzenten unseres teuren Treibstoffes wissen am besten, dass sie, wie Focus schreibt „in zehn bis fünfzehn Jahren buchstäblich auf dem Trockenen sitzen“, da die Ölvorkommen fast verbraucht sind. Die Emirate haben gar keine andere Wahl: Wollen sie in der Zukunft am weltweiten Markt noch mithalten können, müssen sie sich einen neuen Plan überlegen, ihre Wirtschaft anzukurbeln und genau das passiert im Moment. „Dubais goldene Zeit beginnt erst in ein paar Jahren. Was heute zu sehen ist, ist nur der Weg dorthin“, erklärt Khalid al Malik, Chef eines großen Staatsunternehmens in den Emiraten gegenüber Focus. Die Megacities bereiten sich gerade auf ein Leben ohne Öl und das Klima zu schädigen vor. Nur das wird in Zukunft in der Wirtschaft zählen.

 

Klimafreundlicher Masterplan

 

Abu Dhabi hat hohe Ziele und rief Anfang des Jahres das Projekt „Masdar-City“ in die Welt. „Grüne Öko-Stadt in der Wüste“, schreibt Spiegel online und informiert über die guten Vorsätze der zukünftigen umweltfreundlichsten Stadt der Welt: „kein Kohlendioxid, kein Abfall, keine Autos“. Diese soll bereits 2016 einzugsbereit sein und Abu Dhabi an die Spitze der Vermarktung von regenerativen Energien bringen. Masdar-City wird die erste CO2 freie Stadt unserer Erde, aber verfrachtet ihre Bewohner keinesfalls zurück in Steinzeithöhlen. Komforteinbußen soll es nicht geben, auch wenn die Anwohner ihre Autos zukünftig außerhalb der Stadt parken müssen. Für Ersatz sorgt eine gutgeplante Infrastruktur mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch Klimaanlagen werden mitten in der Wüste nicht abgeschafft. Die Organisatoren setzen auf die Kühle in tieferen Erdschichten, die an die Oberfläche befördert wird. Und auf Solarstrom! Sonne gibt es in  Zukunft noch genug, wodurch sie das bald aufgebrauchte Öl in den Emiraten ersetzen könnte. Mit solarthermischen Kraftwerken – und natürlich dem größten Solarkraftwerk der Welt – kann die klimafreundliche Sonnenenergie zusammen mit Windkraft tausende von Haushalten problemlos versorgen. Aber es gibt noch mehr innovative Ideen: Die Straßen werden eng angelegt, die Häuser niedriger, dichter nebeneinander gebaut, besser isoliert und öffentliche Wege beschattet. In Abu Dhabi wissen sie, wie sie Energie effektiv sparen können. Und sogar die Finanzierung des 22 Milliarden Dollar Projekts überlasst niemand dem Zufall: Neben dem Geld der Ölscheichs, zahlt auch der Umweltschutz. Durch den Handel mit Emissionszertifikaten nehmen die Emirate Geld ein, das sie in ihre Projekte stecken. Um auch in der Zukunft neue Einfälle für den Klimaschutz zu haben, soll es in der „Öko-Stadt“ extra eine technische Hochschule geben, die sich erneuerbaren Energien widmet.  Der Lehrplan steht bereits. Abu Dhabi verfolgt ein cleveres Ziel: „Wir wollen beweisen, dass der Einsatz sauberer Energien nicht zu einer Reduktion des Lebensstandards führt“, erklärt Sultan Al Jaber, der Projektleiter von Masdar-City, dem Spiegel im Interview. Klimaschutz und Wirtschaftswachstum sind also gut miteinander vereinbar!

 

Handeln statt diskutieren

 

Dass von dem plötzlichen Sinneswandel in Nahost bislang keiner wirklich etwas mitbekommt, ist nicht dumm: Während wir uns über Bußgelder und CO2-Einsparungen streiten, schaffen die Emirate die Treibhausgase in ihrem Pilotprojekt einfach ab – und sichern sich so auch schon in der Zukunft ihren Platz als Dreh- und Angelpunkt für weltweit benötigte Energie – ohne Öl. Es ist an der Zeit, dass wir verstehen worauf es ankommt: Projekte anpacken, statt ewig diskutieren. Der beste Plan zum Klimaschutz stoppt die Erderwärmung nicht, wenn er nicht umgesetzt wird. „Der Klimawandel ist das größte Problem im 21. Jahrhundert“, so http://www.klimwandel-heute.de. Aber wenn wir ihn als Herausforderung sehen, kann er zur größten Chance für das globale Wirtschaftswachstum werden.

 

Wettbewerbsbeitrag zum VWL-Schülerwettbewerb 2008 der Ludwig-Maximilian Universität (LMU) München – 1. Platz

 

 

 

 

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