Tag 4: Bienvenue à Paris

Tagebuch: Von Berlin bis Paris

Berlin und Paris – zwei europäische Weltstädte wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und wir fünf Jugendliche aus Deutschland und Frankreich – Mirjam aus München, Clara und Enzo aus Straßburg, Caroline aus Artolsheim (bei Straßburg) und ich, Jenni, aus Fürth – sind mitten drin. Vor einigen Monaten hatten wir beim Schreibwettbewerb „Wortwechsel“ des Deutsch Französischen Jugendwerks (DFJW) teilgenommen und gewonnen. Der Preis: eine Woche Entdeckungstour erst durch Berlin und dann durch Paris, zusammen mit unserem Betreuer Johannes Ackermann und Florence Batonnier, vom DFJW. Unsere Aufgabe während der Reise: Tagebuch über unsere Erlebnisse führen.

Mittwoch 29. Oktober 2008

Und der Tag begann verdammt gut – nämlich mit ausschlafen. Doch das hatten wir uns auch redlich verdient, nachdem wir erst um Mitternacht im Hotel angekommen waren, davor nicht wussten an welcher Métro-Station wir aussteigen mussten, die kleine Straße unseres Hotels fast nicht gefunden und dank eines Reservierungsfehlers beinahe keine Zimmer bekommen hätten. So viel dazu. Doch im Endeffekt hatte ja noch alles geklappt. Caroline und ich hatten beide noch mitten in der Nacht die Hoteldusche (klein, komisch, aber funktionstüchtig) getestet und waren dann todmüde ins Bett gefallen. Da war es umso toller, so spät aufstehen zu können und auch noch von zehn bis halb elf ein so leckeres Frühstück mit Obst, Baguette, Müsli und Croissants vorzufinden.

Ausgeschlafen und gestärkt ging es dann zur morgendlichen Sportstunde mit Johannes: joggen von der Métro-Station bis zum Gebäude von der Pariser Tageszeitung Le Monde númerique (denn wir waren letztendlich etwas verspätet dran). Doch wenigstens bewahrte uns das Rennen vor dem ultimativen Kälteschock auf Grund recht niedriger Temperaturen.

Schon saßen wir mitten in der Redaktion von Le Monde númerique. Joachim Mizigar berichtete uns, was in der Monde so abging: Wie viele Magazine, wie viele verkaufte Exemplare im Vergleich zu anderen großen Tageszeitungen und welche Rolle das Internet spielte. Danach waren wir einige Informationen und vor allem eine Ausgabe der Monde reicher.

Wieder draußen wollten wir erst mal zum Eiffelturm – immerhin muss man ja zum bermühmtesten Wahrzeichen von Paris, wenn man schon mal da ist. Also wieder ab in die Métro. Doch schon die Métro-Fahrt war ein Highlight für sich. Diese verlief nämlich größtenteils oberirdisch. inzwischen schien auch die Sonne wieder (ja, das mit dem „das-schöne-Berlin-Wetter-nehmen-wir-mit“ hatte wohl funktioniert!). Und dann kam der entscheidende Moment: Die Métro fuhr hinaus aus einer der zahlreichen Häuserschluchten und via einer Brücke über die im Sonnenlicht glitzernde Seine. Und da, als ich den Kopf nach links drehte, erblickte ich ihn. Gigantisch, in seiner ganzen Pracht, rage er in den Himmel: der Eiffelturm! Und auf einmal wurde mir bewusst: wow, du bist in Paris! Immerhin hatten wir bisher noch nichts von Paris gesehen, außer Häuser, Métro-Stationen, das Hotel und einige Büroräume. Und jetzt plötzlich den Eiffelturm! Es dauerte einige Sekunden, bis ich wirklich fassen konnte, dass das hier tatsächlich Paris ist. Immerhin waren wir ja gerade noch in Berlin gewesen!

 

Wenig später spazierten wir eine herrliche Promenade an der Seine entlang und schon standen wir direkt vor dem Eiffelturm. Unser toller Spaziergang ging weiter über Trocadero, bis zum Invaliden-Dom. Von dort aus wollten wir uns etwas zu Essen suchen – was jedoch zwischen Grand und Petit Palais gar nicht so einfach war. Also auf zur nahegelegenen Champs Elysées. Dort hatten wir Glück und wurden fündig: Ein (sogar billiger!) Crêpestand! Fantastique! Einziger Nachteil: eigentlich sollten wir in drei Minuten am l’Assemblée Nationale sein, um Johannes zu treffen. Doch es war noch ganz schön weit bis dort hin. Also blieb mal wieder nur eine Möglichkeit: Joggen!

 

Nachdem wir nach zwei vergeblichen und verwirrenden Versuchen endlich den richtigen Eingang zum Assemblée Nationale gefunden hatten (ja, wir waren noch pünktlich!) kam ich mir wegen den Sicherheitskontrollen vor, wie am Flughafen: Taschen durchleuchten, Passkontrolle und am Ende bekamen wir ein grünes Flugticket – äääh eine Art Eintrittskarte – ausgehändigt. Doch was dann kam, war noch wesentlich beeindruckender: der etwas antike Sitzungssaal, geschmückt mit riesigen Säulen, goldenen Inschriften, großen Gemälden und vor allem Stühlen, die mit super weichem roten Plüsch überzogen waren. Die Abgeordneten diskutierten gerade eifrig und hielten ihre Vorträge (kaum einer hielt sich an seine vorgegebene Redezeit). Am lustigsten aber war das Glas Wasser, das jedem Abgeordneten, der eine Rede hielt zur Verfügung stand, denn es wurde zwar nie getrunken, aber trotzdem bei jedem neuen Sprecher neu ausgetauscht! Wasserverschwendung pur!

 

Aber nach dem Assemblée Nationale blieb uns nicht viel Zeit. Der TV-Sender Canal+ wartete auf uns. Wir waren als Publikum bei der Sendung „Le Grand Journal“ eingeladen. Also blieb zum Abendessen nur ein kurzer Stopp an einer Bäckerei, der ein kollektives Baguette futtern hervorrief. Auf dem Weg zu Canal+ kamen wir dann aber nochmals ins Staunen: Über den Pariser Häusern erblickten wir den Eiffelturm, an dem lauter kleine Lichter glitzerten. Das hatte etwas weihnachtlich zauberhaftes, ein wenig kitschig, aber trotzdem wunderschön!

Bei Canal+ angekommen, mussten wir uns erst mal vor der Eingangstür in einer langen Schlange anstellen und wären fast erfroren. Letztendlich saßen wir auf der (fahrbaren!) Zuschauertribüne. Die Show konnte beginnen und war wirklich super. Nur die „Girl’s just wanna have fun“-Nummer (das gesamte weibliche Publikum sollte aufstehen, mitsingen und mit dem Kopf hin und her wackeln) konnte man eher mit dem Wort peinlich, anstatt lustig beschreiben. Aber das muss während so einer Woche wohl auch mal sein!

 

 

 

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