Die IFRA: „Firma und Medien in einem“

Eine schweizer Firma mit Hauptsitz im deutschen Darmstadt und acht weiteren Standorten, von Frankreich über die USA bis Indien, überall auf der Welt verteilt. 78 Mitarbeiter hierzulande, 106 in den anderen Ländern. Der Name „IFRA“ – beim deutschen Durchschnittsbürger nicht unbedingt bekannt; dafür aber weltweit bei allen Zeitungen, Druckverlagen und anderen Medienvertretern, die Rang und Namen haben. Und trotzdem: Diverse Ähnlichkeiten zur Jungen Presse Bayern bestehen!

 

„Ein Leser ist heute nicht mehr einfach nur ein Leser, sondern vielmehr ein Informationskonsument“, erklärt Reiner Mittelbach, gelernter Diplomwirtschaftsingenieur und „Chief Executive Officer“, und damit Leiter, der einzigen internationalen Organisation für Forschung und Service in der Medienbranche.  Und genau aus diesem Grund, macht die IFRA das, was, laut Mittelbach, das Zeitungsgeschäft ausmacht: sie bietet Verlagshäusern und deren Zeitungen die Möglichkeit sich stetig zu verbessern, weiterzuentwickeln und miteinander, so wie mit Druckereien und ähnlichen Zulieferfirmen, zu kommunizieren.

 

Farbfernsehen – Geburtsstunde der IFRA

 

Gegründet wurde die IFRA 1961 von Dr. Walter Matuschke, dem damaligen technischen Leiter des Axel Springer Verlags. Gemeinsam mit einer englischen, sowie einer belgischen Zeitung beschäftigte sich Matuschke mit folgendem Problem: Den Vierfarbdruck in den Printmedien zu verbreiten. „Das Farbfernsehen war gerade aufgekommen und die Zeitungsindustrie fürchtete, dass ihnen so wichtige Anzeigenkunden wegbrechen würden“, erklärt Mittelbach. Die IFRA wurde von internationalen Zeitungsmachern herzlich begrüßt, weshalb sie auch in anderen Ländern Geschäftsstellen gründete. „Bis heute, fast 50 Jahre später, hat sich zwar einiges verändert, jedoch nicht die Leitsätze der IFRA. Wir befassen uns weiterhin viel mit Technologien, aber auch mit immer mehr neuen Geschäftsideen und Beratungskonzepten“, so Mittelbach stolz.

 

Diese neuen Geschäftsideen kommen vor allem durch die „Research Association“, die Forschungsabteilung der IFRA. Dort untersuchen die Mitarbeiter Themen, die für die Zeitungen und deren Verlage von Interesse sind. Die Entwicklung der Zeitungsindustrie in zehn bis zwanzig Jahren ist nur ein Beispiel. Es werden Vorhersagen für die Zukunft getroffen, wie der Mediennutzer von morgen aussieht. „Da spielen als Faktoren der sich ständig wandelnde Markt genauso rein, als auch die verfügbaren Technologien, die Bevölkerungs- oder Migrationsentwicklung“, erläutert Mittelbach und nennt als aktuelles Beispiel die mobile Ausstattung von Journalisten durch technischen Fortschritt wie GPS und drahtlos vernetzte Laptops oder die schlichte Frage: „Wie erreiche ich meinen Kunden, also den Leser, am besten?“

 

Von internationalem Einblick und cross-medialen Fähigkeiten

 

„Heute ist es  für die Presse so wichtig wie nie, den Leser am besten 24 Stunden und das sieben Tage die Woche mit den neusten Informationen zu versorgen“, sagt Mittelbach und beschreibt weitere Programmpunkte der IFRA: „Unsere Forschungsergebnisse veröffentlichen wir unserem Magazin, das in sechs verschiedenen Sprachen erscheint, und in bis zu 180 weiteren Berichten – für die Mitgliedsfirmen der IFRA stellen wir all das kostenlos zur Verfügung. Aber es gibt noch mehr: Schulungsveranstaltungen und über fünfzig internationale Konferenzen. Dort haben die Journalisten und Medienmacher, die sonst höchstens auf Bundesebene, häufiger aber lokal arbeiten, die Chance, einen internationalen Einblick ins Zeitungsgeschäft zu bekommen. Daran haben viele großes Interesse.“ Auf den Schulungen und Seminaren gibt es Trainingsangebote, die Jugendpresslern teils im kleineren Rahmen bekannt vorkommen: Umgang mit Internet- und Podcasts, Fotoshop, Websitegestaltung und vieles mehr. „Cross-mediale Fähigkeiten sind heute in der Presse unabdinglich. Wir wollen auf den Seminaren multimediales Denken vermitteln. Einstellungen wie, ich habe Print gelernt und werde nie etwas anderes machen, tragen schon lange nicht mehr“, bestätigt Mittelbach ebenfalls.

 

Seite an Seite: Ingenieure und Journalisten

 

Die IFRA ist also eine Mitgliederorganisation mit 3100 Verlagen – die ähnlich zur JPB – ihren Mitgliedern bestimmte Beratungsdienste, wie Seminare bietet. „Unsere Mitarbeiter haben einen sehr intensiven Austausch mit den Zeitungen“, betont Mittelbach. Die Jobs bei der IFRA sind mindestens genauso verschieden, wie diese weltweit 184 Mitarbeiter aus 22 verschiedenen Nationen. „Wir beschäftigen Journalisten, Mediengestalter und Marketingexperten, Seite an Seite mit Diplomkaufleuten, Ingenieuren und Übersetzern“, so Mittelbach, „Das Wichtigste sind für alle die guten Sprachkenntnisse in mindestens drei, besser vier Sprachen, damit die Mitarbeiter problemlos miteinander kommunizieren und kooperieren können.“ Daher gehört zum Job bei der IFRA auch eine gewisse Reiselust. „Viele unserer Leute sind sehr oft unterwegs oder anders gesagt: unser Reisebudget ist recht üppig“, berichtet der IFRA-Chef und erzählt von sich selbst: „Mit 160 Reisetagen im Jahr steige ich genauso selbstverständlich in ein Flugzeug, wie andere den Bus nehmen.“ Nur durch diese Reisen und laut Mittelbach dadurch, dass sie eine sehr neutrale Organisation sind und ihnen daher viel erzählt wird, kann die IFRA die nötige Erfahrung sammeln, um Zeitungen in aller Welt gut zu beraten.

Hat all das noch mit Zeitungmachen, oder doch mehr mit gut durchgeplanter und auf Profit ausgelegter Firma zu tun? „Wir sind beides“, sagt Reiner Mittelbach bestimmt, „Wir haben auf der einen Seite ein Magazin und damit eine komplette Redaktion an Journalisten. Auf der anderen Seite reichen die Mitgliedsbeiträge lange nicht aus und irgendwie müssen wir uns finanzieren, eben durch Schulungen und andere Beratung. Deshalb sind wir auch ein Dienstleistungsunternehmen; aber auf jeden Fall sind wir eine Medienorganisation.“ Also nichts anderes als die JPB, nur eben internationaler.

 

Erschienen im: JPB-Magazin – das Mitgliedermagazin der Jungen Presse Bayern e.V.

 

 

 

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