Der etwas andere Vorweihnachtsstress

nurnberger-christkind1Rebecca Volland ist 17 Jahre alt, Kollegstufenschülerin und will nach dem Abitur im Ausland studieren. Doch für sie ist Schule jetzt erst mal Nebensache, denn momentan dreht sich ihr Leben nur noch um Weihnachten. Rebecca ist das Nürnberger Christkind, das in der mittelfränkischen Stadt eine lange Tradition hat. Alle zwei Jahre wird ein Mädchen aus Nürnberg zwischen 16 und 19 Jahren zum Christkind gekürt – und ist ganz schön im Stress!

 

Etwa 180 Termine in der Adventszeit: Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime besuchen, auf Weihnachtsmärkten auftreten und unzählige weihnachtliche Geschichten vorlesen. Für Rebecca ist es schon das zweite Jahr als Nürnberger Christkind. Trotz dem ganzen Stress, freut sie sich. Sie weiß, was auf sie zukommt. „So kann ich viel mehr genießen“, sagt sie und erzählt im Interview mit fluter.de, was es überhaupt bedeutet, ein Christkind zu sein.

 

Das Christkind ist für Kinder der Höhepunkt an Weihnachten. Wolltest Du schon als ganz Kleine Christkind sein?

Nein, aber ich habe lange, an das Christkind geglaubt. Vor ein paar Jahren sah ich dann die Eröffnung des Nürnberger Christkindlesmarkt. Damals war noch meine Vorgängerin Eva Sattler das Christkind. Ich habe bemerkt, dass das Mädchen noch recht jung ist und wollte rausfinden, was dahinter steckt. Also hab ich im Internet recherchiert. Die Aufgaben des Nürnberger Christkinds fand ich auf Anhieb spannend und dachte mir: ich bewerbe mich!

 

Du bist quasi in den Himmel aufgenommen. Aber wie muss sich ein Christkind bewerben?

Bewerben kann man sich beim Nürnberger Presseamt. Ich schickte meinen Lebenslauf ein und ein Schreiben, warum ich Christkind werden wollte: nämlich weil ich gerne viel mit Menschen zu tun habe. Mir macht es Spaß, mit Leuten ins Gespräch zu kommen und sich gemeinsam auf Weihnachten zu freuen. Aus den Bewerbungen hat das Presseamt zwölf Mädchen ausgewählt. Unsere Fotos wurden in den lokalen Zeitungen und im Internet veröffentlicht. Die Leser konnten abstimmen, wen sie am sympathischsten fanden. Die sechs erfolgreichsten Kandidatinnen mussten sich dann vor einem Gremium bewähren. Wir mussten Fragen über Nürnberg beantworten, den Prolog für die Eröffnung vorlesen, ein Gedicht aufsagen und über die eigene Person erzählen. Und letztendlich wurde ich tatsächlich zum Christkind gewählt!

 

Wie haben Deine Eltern und Freunde darauf reagiert, als Dir plötzlich Flügel gewachsen sind und Du offiziell an Weihnachten Geschenke verteilen solltest?

Am Anfang waren sie überrascht, aber auch schnell begeistert. Sie haben mich im letzten Jahr immer unterstützt und mir unter die Arme gegriffen. Für mich war wichtig, dass mir Eltern und Freunde zugehört haben. Denn als Christkind war ich auch in Krankenhäusern, Kinderpsychiatrien und Altenheimen. Solche Besuche gehen ans Herz und da tut es gut, wenn jemand ein offenes Ohr hat.

 

Du bist schon zum zweiten Mal das Nürnberger Christkind. Aber gibt es denn eine Schule für Christkinder? Oder wer hat Dir gesagt, wie Du den „Job“ machen musst?

Mir haben nur stets alle gesagt: bleib Du selbst und verstell Dich nicht. Sonst kommen Auftritte schnell gekünstelt rüber. Den Prolog für die Weihnachtsmarkteröffnung lernte ich mit einem Schauspieler, damit das nicht auswendig klingt. Aber auch meine Vorgängerin Eva Sattler hat mir einige gute Tipps gegeben. Der beste davon war definitiv der: „Genieß es, Christkind zu sein!“

 

Kleiner Rückblick: Was war Deine erste Amtshandlung als Christkind?

Der erste Auftritt ist die Eröffnung des Weihnachtsmarkts. Da war ich aufgeregt! Immerhin musste ich oben auf der Frauenkirche vor hunderten Menschen meinen Prolog aufsagen. Ich hatte so Angst, dass meine Stimme versagt, dass ich mich verspreche oder den Text vergesse. Aber neben dem Christkind treten bei der Eröffnung auch die Rauschgoldengel auf. Die waren schon Profis, da sie die Rolle schon seit vier Jahren spielten. Sie haben mich beruhigt und gemeint, ich soll ganz locker bleiben. Als ich losgelegte mit meiner Rede, ging auf einmal auch alles wie von selbst!

 

Hast Du nach zu vielen Weihnachtsplätzchen, Geschenken und himmlischen Reden manchmal auch genug vom „Christkind sein“?

Ja, schon. In den letzten Tagen ist es anstrengend. Da hatte ich letztes Jahr fast keine Energie mehr. Die ganze Zeit lächeln, immer gute Laune haben, dauernd im Mittelpunkt stehen – da liegen die Nerven schon mal blank. Aber das geht nicht nur dem Christkind so. Im Alltag hat jeder mal einen Punkt, wo er sagt, ich kann nicht mehr. Und wenn dann am 24. Dezember alles vorbei ist, werde ich sowieso wieder denken: Oh Gott, die drei Wochen sind so schnell vergangen!

 

Gibt es ein Erlebnis aus dem vergangenen Jahr, an das Du Dich auch heute noch gerne erinnerst?

Ja, mir ist so viel im Kopf geblieben! Zum Beispiel als ich in einem Krankenhaus war und mich mit ein paar Jungs darüber unterhalten habe, warum man Weihnachten überhaupt feiert. Und ein kleiner Junge meinte dann, dass Weihnachten das Fest der Liebe sei. Ich fand das so süß, dass er das mit seinen sieben oder acht Jahren so sagte. Normalerweise hatte ich von den Kindern auf den Weihnachtsmärkten nur Geschenkwünsche gehört, wie „ich will die neuste Playstation“. Ich war ja selbst als Kind nicht anders! Und da ist es schon rührend, wenn man merkt, nebenan sind die Kinder aus dem Krankenhaus und denken ganz anders über Weihnachten.

 

Aber mal ehrlich: Die Vorweihnachtszeit ist schon für normale Schüler mit den vielen Klausuren stressig genug. Muss das Christkind nicht lernen? Und bleibt bei dem ganzen Rummel überhaupt noch Zeit für Weihnachtsgeschenke kaufen und Freunde treffen?

Nein, für sowas bleibt leider kaum Zeit. Dafür habe ich im Dezember schulfrei. Wobei ich den Stoff nachholen muss. In der 11. Klasse letztes Jahr war das kein Thema. Jetzt in der Kollegstufe bin ich mal gespannt, wie das funktioniert. Aber meine Mitschüler meinten optimistisch: „Wir schaukeln das schon!“ Auch meine Schule unterstützt mich, indem im Dezember so wenige Klausuren wie möglich geschrieben werden. Deswegen verpasse ich auch nur drei Stück, die ich nachschreiben kann. Mit meinen Freunden halte ich hauptsächlich per Handy Kontakt. Oder wir treffen uns abends noch am Weihnachtsmarkt, auch wenn ich da schon meistens recht müde bin.

 

Und nach Weihnachten bist Du sofort arbeitslos?

Erst mal schon. Aber danach brauch ich auch ein wenig Ruhe, muss meine Schulsachen nachholen und werd viel mit meinen Freunden unternehmen. Und nächstes Weihnachten geht es ja weiter. Es wird zwar ein neues Christkind für Nürnberg gewählt, aber das ehemalige Christkind geht im Jahr nach seiner Amtszeit auf Reisen. Da werde ich dann Weihnachtsmärkte in Chicago, Denver und Glasgow besuchen, die sich ein Vorbild am Nürnberger Markt nehmen und daher das Nürnberger Christkind einladen. Dort darf ich dann meine Weihnachtsreden auf Englisch halten und interkulturell die Adventszeit feiern!

Erschienen auf: fluter.de

 

 

 

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