„Ich habe vom BR geträumt“

la_roche11Ein dickes gelbes Buch. Vorne drauf ein Ausrufezeichen und Fragezeichen. Ein Buch das jedem angehenden Journalisten ans Herz gelegt wird: Walther von La Roches „Einführung in den praktischen Journalismus“ erschien dieses Jahr in der 18. Auflage und weist immer noch unzähligen Nachwuchsjournalisten den Weg zum richtigen Recherchieren, Schreiben und individuellen Ausbildungsweg. Im Interview berichtet La Roche über Veränderungen, warum er beim Journalismus geblieben ist und von was er heute so träumt.

 

Ihr Buch „Einführung in den praktischen Journalismus“ ist in der 18. Auflage erschienen. Was ist seit der Veröffentlichung von Auflage Nummer eins alles anders?

 

Es hat sich das verändert, was sich im Journalismus dauernd verändert: die Medienlandschaft und die Arbeitsumstände. Heute haben wir zum Beispiel im Gegensatz zu 1975, als das Buch zum ersten Mal erschien, den Onlinejournalismus. Allerdings liegt der Akzent bei meiner „Einführung in den praktischen Journalismus“ nicht auf diesen veränderbaren Aspekten, sondern auf den journalistischen Grundlagen. Natürlich gehe ich auch auf den Onlinejournalismus und andere Neuerungen ein. Aber die Basis, nämlich ein fairer und interessanter Journalismus, die hat sich überhaupt nicht gewandelt.

 

Ihr Buch hält sich nun schon ziemlich lange auf dem Markt und wird immer wieder gerne von Jungjournalisten gelesen. Wird das auch in Zukunft so bleiben? Also ist Journalist auf jeden Fall ein Beruf mit Zukunftschancen?

 

Natürlich werden wir in der Zukunft weiterhin Journalisten brauchen! Gerade wegen der Steigerung der Angebotsmenge: Es ist ungeheuer, was man jeden Tag durch die Online-Medien zur Kenntnis nehmen könnte! Dadurch wird der Journalist noch wichtiger als bisher. Früher verwaltete er ein Monopol: Der Lokalredakteur hat sich in seinem Verbreitungsgebiet umgeschaut, der politische Journalist lebte von Korrespondenten und Nachrichtenagenturen. Jetzt haben wir eine riesige zusätzliche Quelle – das Internet. Und gerade hier sind Journalisten zur Orientierung nötig. Sonst schwimmen wir nur noch im Subjektivismus einzelner Userquellen.

 

Mit Ihrem Buch haben Sie auch die Bücherreihe „Journalistische Praxis“ gegründet. War das Zufall oder bereits ein Hintergedanke beim Schreiben von „Einführung in den praktischen Journalismus“?

 

Ich habe das Buch zwar aus einem ganz bestimmten Grund geschrieben, aber zu dieser Zeit noch überhaupt nicht an Folgebücher gedacht. Der Grund war, dass ich an der Münchner Universität im Rahmen des Studiums der Kommunikationswissenschaften journalistische Grundkurse gehalten habe. Heute gibt es ja gar nicht so viele Wochenenden, wie man auf Seminaren verbringen könnte. Aber damals war diese Art von Journalismus-Kursen noch rar. Noch viel rarer – oder besser gesagt gar nicht vorhanden – waren journalistische Lehrbücher. Meine Kursbesucher fragten mich immer wieder nach Skripten oder Nachschlagewerken. Dadurch kam ich auf die Idee, das alles aufzuschreiben. So entstand dieses Buch, das zu meiner Freude aber auch Überraschung vom Start weg sehr erfolgreich war. Später wurde uns klar, dass es in anderen Bereichen des Journalismus – also z.B. Radio oder Fernsehen – mit Lehrbüchern ähnlich schlecht aussah. Und so ging das weiter.

 

la_roche4_c_hella_neubertSie haben bereits als Schüler eine Schülerzeitung an Ihrer Schule gegründet und sich dafür engagiert. Haben Sie so Ihre Leidenschaft zum Journalismus entdeckt?

 

Ja, „Unser Sprachrohr“. Ehrlichgesagt habe ich Schülerzeitung vor allem gemacht, weil es schon einige an anderen Gymnasien gab – und ich habe mir gedacht, dann muss ich auch sowas machen! Die wirkliche Begeisterung für den Journalismus habe ich erst später bei meiner Arbeit in den Medien entdeckt. Wobei die Schülerzeitung mit Sicherheit der richtige Einstieg war!

 

Sie haben als Schüler unseren Verein, die Junge Presse Bayern, gegründet. Wie ging das damals alles vonstatten?

 

Damals hieß das „Presse der Jugend – Vereinigung bayerischer Jugendzeitungen“, meinte aber das Gleiche. Ich habe das im Prinzip deshalb gemacht, weil ich meine organisatorische Leidenschaft einsetzen wollte, um meinen Kolleginnen und Kollegen, die ja bis zu diesem Zeitpunkt – also 1951 –keinen Boden unter den Füßen hatten, eine Basis zu schaffen. So haben wir uns mit Hilfe der Amerikaner in einer schönen Jugendleiterschule am Starnberger See getroffen und den Verein gegründet, der juristisch gar kein echter e.V. war – dafür aber sehr schnell sehr aktiv wurde. Im Grunde haben wir genau das Gleiche gemacht, was die JPB heute noch macht: Presseausweise, Pressedienste, Informationen weitergegeben und vor allem viele Schulungen gehalten. Und ich freue mich natürlich, dass sich dieser Grundgedanke nun bereits fast 60 Jahre so gut gehalten hat und immer noch floriert.

 

Sie haben an der LMU Rechtswissenschaften studiert. Was brachte Sie dazu, danach doch weiterhin in den Medien zu arbeiten und nicht z.B. Rechtsanwalt zu werden?

 

Ja, das war eine schwierige Entscheidung. Ich hatte mein zweites juristisches Examen gut bestanden und bereits Jobangebote vom bayerischen Justizministerium und der Staatskanzlei. Und vom Bayerischen Rundfunk, bei dem ich schon während meiner Studienzeit als Redakteur gearbeitet hatte. Ich habe mich dann bewusst für den Rundfunk entschieden. Sicher im Hintergrund auch für den Journalismus, aber in erster Linie für dieses wunderbare Arbeiten beim Radio.

 

Warum gerade Rundfunk? Was hat Sie daran so fasziniert?

 

Das Gespräch mit dem Hörer. Da gab es vor allem ein Schlüsselerlebnis: An einem extrem heißen Sommertag öffnete ich in meiner Rock’n’Roll Sendung – eine Jugendsendung die es so das erste Mal im Radio gab – das Fenster im Studio und erzählte das auch noch OnAir. Eine für Radiomoderatoren damals unübliche, fast schon verbotene Handlung. Damals redete man lieber aufgeschrieben, nicht frei und nicht über persönlichen Dinge Wenig später bekam ich einen sehr bewegenden Brief einer Hörerin, die sich unglaublich über die Sache mit dem Fenster freute. Sie meinte es sei toll gewesen, an diesem Abend die Geräusche aus München zu hören und sie dankte mir ganz herzlich, dass ich alles so sagte und machte, wie es in Wirklichkeit war. Das habe ich dann zu meinem Prinzip erhoben, also dass auch der Radiomacher – und nicht nur der Hörer – ein Mensch ist. Deshalb arbeitete ich mein Leben lang so gerne beim Radio.

 

Junge Medienmacher sind oftmals verwirrt, welchen Ausbildungsweg sie einschlagen sollen. Auch in Ihrem Buch werden zahlreiche genannt: Volontariat, Studium, Ausbildung an einer Journalistenschule. Was denken Sie, auf welche Weise man die größte Chance auf Erfolg in den Medien hat?

 

Zunächst muss ich sagen, es gibt so viele erfolgreiche Berufskarrieren, wenn man da nachfragt, kriegt man meistens einen bunten Strauß an Ausbildungsmöglichkeiten. Aber das Wichtigste sind die Lehrer oder vorgesetzten Redakteure. Diesen Leuten muss Ausbildung wichtig sein und sie müssen sich um ihre Auszubildenden kümmern. Mit dieser Voraussetzung ist es fast egal wo man den Beruf lernt. Auf jeden Fall aber sollte jemand, der sich als fertiger Journalist fühlen will, beides gekriegt haben: Theorie – also die handwerklichen Grundlagen – und Praxis – sprich Artikel schreiben, Sendungen machen. Theorie und Praxis müssen sich ergänzen. Nur das eine ohne das andere geht nicht.

 

Eigentlich brauchen Journalisten immer etwas zu tun. Sie sind jetzt in Ruhestand. Fehlt Ihnen die Arbeit manchmal? Oder sind Sie auch so noch ausreichend beschäftigt?

 

Ich habe heute Nacht vom Bayerischen Rundfunk geträumt. Das kommt ab und zu vor. Ob mir die Arbeit wirklich fehlt? Es ist halt doch so, dass die Leistungsfähigkeit im Alter abnimmt. Andererseits denke ich auch, ich möchte noch etwas gänzlich Neues in meinem Leben machen. Ich habe zum Beispiel vor drei Jahren geheiratet – das beschäftigt einen positiv ganz schön. Und ich muss mich um meine Bücherreihe kümmern. Also insofern bin ich schon ausgelastet. Aber ehrlich gesagt, mal wieder was anderes machen, das wäre auch ganz lustig!

 

„Einführung in den praktischen Journalismus“ von Walther von La Roche

18. Auflage, erschienen im Econ Verlag.

la_roche2Für Nachwuchsjournalisten aktuell wie nie: La Roche beschreibt detailliert Tätigkeiten und Arbeitsfelder des Journalisten. Er berichtet ausführlich über eigene Erfahrungen und bringt nützliche Textbeispiele. Der Autor erklärt anschaulich wo die feinen Unterschiede der journalistischen Darstellungsformen liegen, auf was zu achten ist, Vorgehensweisen, Recherche. Das verschafft Anfängern einen Überblick und alteingesessene Journalisten erinnern sich an ihre handwerklichen Grundregeln. Hinzu kommen Verweise auf Onlineseiten, auf denen der Leser jeweils mehr über ein spezielles Thema erfährt. Und in der Rubrik Ausbildungswege erhält sicherlich jeder einige gute Ideen, wie man sich als Journalist verwirklicht. Ein immer noch sehr gelungenes und für jeden Medienmacher lesenswertes Buch.

Erschienen in: JPB-Magazin, das Mitgliedermagazin der Jungen Presse Bayern e.V. (Ausgabe 1/2009)

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