Zwischen Schule und Uni

 p1280533Lehrer werden nur die, denen nichts besseres einfällt? Mit nichten: Christina Gscheidl, 20 studiert Lehramt an der Universität Erlangen-Nürnberg – aus Leidenschaft, wie sie sagt. Dabei quält sie sich durch Grammatikstunden mit wuselnden Fünftklässlern sowie Tanzstunden, Sportmedizin und Englische Didaktik in der Universität.

 

Selbstbewusst tritt Christina Gscheidl vor eine Gruppe wuselnder Fünftklässler. Heute steht Englisch auf dem Stundenplan: „Hello. My name is Mrs. Gscheidl“, stellt sich Christina der Unterstufenklasse des Helene-Lange-Gymnasiums in Fürth vor. Sie schreibt ihren Namen an die Tafel, die grüne Kreide quietscht ein wenig.

 

Christina macht gerade ein Schulpraktikum. Das ist Teil ihres Studiums. Vor Gruppen zu sprechen, damit hat Christina kein Problem. Schon seit Jahren leitet sie Turnstunden für Kinder. „Also stehe ich auch selbstsicher vor der Klasse“, meint sie lächelnd. „Ich wollte immer mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. So war für mich klar, dass Lehrer der perfekte Beruf ist. Auch kann ich den Jugendlichen etwas beibringen, das ihnen im Leben hlft“, sagt Christina.

 

Nach dem Stundenwechsel unterrichtet sie vor einer siebten Klasse Grammatik: Es geht um If-Clauses, Konditionalsätze. Schon bald schnellen einige Schülerhände in die Luft. Die Elfjährigen arbeiten gerne mit Christina: Sie hat sich für die Übung witzige Beispielsätze ausgedacht und arbeitet nicht nur mit dem Schulbuch.

 

Gesundheit, Sportmedizin, Trainingslehre: Das Sportstudium hat es in sich

 

An einen Studienplatz zu kommen, war für Christina nicht einfach: In Englisch musste sie ein Eignungstest meistern, der hauptsächlich aus einem Lückentext besteht. Im bayerischen Sportaufnahmetest standen Ballsport, Geräteturnen, Tanzen und Leichtathletik an. „Beim 3.000-Meter-Sprint sind einige Bewerber zusammengebrochen“, erzählt Christina. Sie hat bestanden. Viele andere nicht.

 

Eine weitere Hürde ist die Fächerwahl, denn nicht alle Unterrichtsfächer sind willkürlich miteinander kombinierbar. „Ich wäre gerne Lehrerin für Spanisch und Sport geworden. Es gab aber nur die Kombinationen Englisch-Sport und Latain-Sport“, erzählt Christina.

 

Jetzt darf sie an der Uni pauken: In Sport zum Beispiel die Praxiskurse Schwimmen, Leichtathletik und Tanzen. „Die Jungs müssen übrigens auch tanzen, die Mädels im Gegenzug ebenfalls Fußball spielen“, sagt sie. Im theoretischen Sportteil lernt sie Gesundheit, Sportdidaktik und Sportpädagogik. Im nächsten Semester kommen noch Sportmedizin und Trainingslehre dazu. In Englisch sieht es ähnlich aus: neben Sprachpraxis sitzt Christina in Vorlesungen, wie Literatur, Landeskunde, Englische Didaktik und Kulturwissenschaft.

 

p1280541

Der Schulstoff macht vielen Kommilitonen zu schaffen: „Mittlerweile sind wir noch vier Mädels und sechs Jungs, die  Englisch und Sport auf Lehramt studieren. Alle anderen haben das Studienfach gewechselt, weil sie die Grund- oder Orientierungsprüfung nicht bestanden haben“, sagt sie.

 

Etwas chaotisch sei in Christinas Studiengang noch die Umstellung von Diplom auf Bachelor und Master: Christina weiß noch nicht, ob ein Bachelorabschluss ausreicht, um Lehrerin zu werden, oder ob sie den Master benötigt: „Niemand weiß, wie Ausbildung und Abschluss aussehen sollen – nicht einmal die Professoren“, sagt Christina. Ein bisschen Sorgen macht sie sich auch um ihre berufliche Zukunft: „Für meinen Jahrgang gibt es noch geug freie Stellen. Aber es heißt, dass es in den kommenden Jahren schwieriger wird, eine Stelle zu finden: Besonders mit der Kombination Englisch-Sport“, sagt sie.

 

Unterrichten vor der Klasse: Praktika sind Pflicht

 

Nach dem ersten Semester musste sie ein Orientierungspraktikum absolvieren. Ein studienbegleitendes Praktikum folgt während eines Semesters, ein Block- und ein Betriebspraktikum jeweils in den Semesterferien. „Um die Bewerbungen für die Praktika muss man sich selbst kümmern“, erzählt Christina – die Uni hilft dabei nicht. In den ersten Praktikumswochen saß sie sie wie ein Schüler im Klassenzimmer und hörte zu, später durfte sie selbst erste Stunden unterrichten. Christina bereitet ihre Schulstunden selbst vor. Die Lehrer helfen ihr dabei.

 

Etwas Zeit hat Christina noch, um sich auf ihren Beruf vorzubereiten. Nach Studium und Praktika folgen zwei Jahre Referendariat. Dann darf sie ganze Klassen übernehmen, anstatt nur einzelne Stunden zu halten.

 

Christinas Grammatikstunde in der siebten Klasse neigt sich dem Ende zu: Die Schüler sitzen immer noch still auf ihren Plätzen, nur einige spielen mit einem Kugelschreiber oder Radiergummi.  Das dumpfe Läuten der Pausenglocke beendet die Stunde für die Schüler und Christina: Der  Unterricht ist für sie heute zu Ende. Die Schüler schreiben mit Kugelschreiber einen letzten Satz in ihre Hefte, bevor sie aufspringen und in die Pause laufen. „Die Neue war aber nett“, meint ein Mädchen lächelnd zu ihrer Freundin.

 

Erschienen auf: schekker.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: