„Von was träume ich?“

Interview Redakteur Sueddeutsche Sebastian BeckEin Redakteur der Süddeutschen Zeitung plaudert aus dem Nähkästchen

 Im Oktober 1987 begann Sebastian Beck eine freie Mitarbeit bei der Süddeutschen Zeitung. Heute ist er Redakteur im Ressort Innenpolitik und hat ein Büro im 24. Stock mit Blick über München. Er weiß: Wenn Schülerzeitungsredakteure merken, dass es sie begeistert, ihre Nase in Angelegenheiten anderer Menschen zu stecken, dann sind sie auf dem richtigen Weg. Ein Interview über Berufschancen und Träume.Herr Beck, haben Sie auch mal klein in der Schülerzeitung angefangen?

Das habe ich tatsächlich! Ende der 70er Jahre habe ich meinen ersten Artikel als Schülerzeitungsredakteur verbrochen. Doch nach meinem Abitur mit einer recht schlechten Note in Deutsch, wusste ich nicht, was ich machen soll. Ich studierte Chemie, begann dann ein Journalistik Studium in Eichstätt. Dort war aber tote Hose und ich hatte nicht vor, nur für das Bistumsblatt zu schreiben. So bin ich an die Uni in München gewechselt. Journalismus passt zu mir, da ich von Haus aus ein sehr neugieriger Mensch bin, mich für alles Mögliche interessiere!

Die Schülerzeitungsredakteure haben viel Engagement und Begeisterung in ihre Zeitungen gesteckt. Was aber fasziniert Sie am Journalismus?

Was mich auch nach 20 Jahren noch wahnsinnig fasziniert, ist die Möglichkeit, in die verschiedensten Bereiche des Lebens zu schnuppern. Es ist unglaublich, was sich für Türen öffnen, wenn ich anrufe und sage, ich bin von der Süddeutschen und will über jemanden schreiben. Da lernt man die kuriosesten Menschen kennen! So eine Chance gibt es in keinem anderen Job.

Als Redakteur in der Schülerzeitung haben viele noch diesen „Weltverbesserungsdrang“. Denken Sie trotz langer Berufserfahrung die Welt mit ihren Texten verbessern zu können?

Ich hab im Laufe der Jahre festgestellt, dass Artikel tatsächlich eine Wirkung haben. Als Landtagskorrespondent hatte ich erlebt, dass die Politiker auf unsere Berichterstattung regelrecht fixiert sind. Wir thematisierten oft Dinge, über die nur auf dem Gang gesprochen wurde. Wenn die Politiker diese Themen am nächsten Tag in der Zeitung lesen, dann gewinnen politische Prozesse eine ganz andere Dynamik.

Sie selbst waren schon Ressortleiter im Bayernteil. Braucht ein guter Journalist mehr als nur Talent zum Schreiben?

Ressortleiter ist ein ganz anderer Job. Die Personalverantwortung hat zunächst wenig mit Journalismus zu tun. Das muss jeder erst lernen! Ich musste darauf verzichten, immer selbst im Blatt zu sein, sondern dafür sorgen, dass andere sich entwickeln können. Es geht um Konflikte im Team, um Arbeitsabläufe, um Planung und Strukturen. Das ist eine anspruchsvolle und reizvolle Aufgabe. Aber wer ein guter Autor ist, ist noch lange kein guter Ressortleiter!

Schülerzeitungsredaktionen können chaotisch sein. Aber geht es im Alltagsleben eines waschechten Journalisten wirklich anders zu?

Journalismus ist eine gute Mischung aus Spontanität und Planung. Wir brauchen sehr wohl geregelte Prozesse zur Themenfindung und Aufgabenverteilung. Aber wir müssen flexibel genug sein um schnell  auf tagesaktuelle Ereignisse reagieren zu können. Daher ist der Journalismus teils anarchisch und nicht planbar. Das liegt in seiner Natur.

Manche Schülerzeitungsredakteure träumen vielleicht davon, später einmal für die Süddeutsche zu schreiben. Wovon träumen Sie?

Wovon träume ich? Am Anfang hatte ich diesen Traum, was ich werden will. Jetzt sind die Träume einer realistischen Einschätzung gewichen, was  mit meinen Fähigkeiten noch möglich ist. Da kann ich mir vieles vorstellen! Sowohl Reporter, als auch Ressortleiter. Seit einigen Jahren arbeite ich nebenbei auch als Coach für Kommunikationstraining. Mich interessieren Aspekte der Zusammenarbeit: wie gehen Menschen miteinander um, wie funktionieren Teams, wie laufen Konflikte ab. Vor 20 Jahren hätte ich nie gedacht,  dass mir das wichtig sein könnte. Deshalb sehe ich rückblickend, dass die eigenen Träume sich stets weiterentwickeln!

Erschienen in: Der Dokumentation zum Bayerischen Schülerzeitungspreis 2008/2009. Der Wettbewerb wurde vom bayerischen Kultusministerium der Süddeutschen Zeitung und der HypoVereinsbank veranstaltet. Die Junge Presse Bayern erstellte die Dokumentation.

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