Fermats letzter Satz

Ein Praktikum im Bereich Naturwissenschaften. – Lässig hängt sich Philipp Killermann, 19, seine schwarze Umhängetasche über und zieht die Tür des Fraunhofer Instituts in Fürth hinter sich zu. Er trägt Jeans und T-Shirt, auf seinen Lippen liegt ein breites Lächeln. Philipp macht nächstes Jahr Abitur, geht gerne tanzen und sagt von sich selbst: „Mathe und Physik faszinieren mich!“ Genau deshalb nutzte er seine Sommerferien, um die Luft der Berufswelt zu schnuppern: ein naturwissenschaftliches Praktikum beim Fraunhofer Institut, das alles beinhaltete, nur keine stupiden Rechenaufgaben.

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„Rätsel haben mir schon immer gefallen“, erzählt Philipp. Seine Begeisterung für Naturwissenschaften entdeckte er früh: „Ich konnte erst rechnen und dann lesen!“ Seit der fünften Klasse gewann er regelmäßig Mathematik-Preise. „Mathe ist aber kein Hobby. Ich sitze ja nicht zu Hause und rechne vor mich hin“, sagt er schmunzelnd. Dafür baut er schon mal seine Musikanlage auseinander, setzt andere Bauteile ein, rüstet sie auf. Natürlich wählte er Mathe-Physik-Leistungskurs.

Vor kurzem belegte er den zweiten Platz im bundesweiten Mathematikwettbewerb. Die Sieger wurden ins Fraunhofer Institut in Fürth eingeladen, die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa. „Dort geht es zum Beispiel darum, wie man eine Sache stabiler, sicherer oder leichter machen kann. Das hat mich sofort fasziniert.“ Kurzerhand bewarb sich Philipp um ein Praktikum. Zuerst war das Institut skeptisch, eigentlich hätten sie nur Studenten/innen, keine Schüler/innen im Haus. Doch Philipps Lebenslauf und seine Entschlossenheit überzeugten. Zwei Wochen durfte er im „Entwicklungszentrum für Röntgentechnik“ verbringen.

Röntgenstrahlen und Kaffeetassen

„Am ersten Tag war ich nicht aufgeregt, aber total gespannt!“, so Philipp. „Gespannt, wie die Leute drauf sind und wie ein achtstündiger Arbeitstag ablaufen wird.“ Sein Praktikumsbetreuer erläutert Philipp seine Aufgaben: dreidimensionale Graphiken mit Informationen darstellen, die beim Röntgen weiterverarbeitet werden müssen. Für den Laien erklärt Philipp das so: „Röntgen kann man mit Fotografieren vergleichen. Man muss aufpassen, ob die Kamera scharf gestellt ist, wie nah man an dem Objekt ist. Beim Röntgen kommt noch einiges hinzu, wie die Dichte, denn ein Arzt muss Knochen von Gewebe unterscheiden. Um all das handhaben zu können, müssen Programme diese Daten auswerten.“ Doch Philipp lernt auch: Er muss nicht acht Stunden durcharbeiten. „Jeden Tag war kurz vor elf eine extra Kaffeepause – inklusive Kickern. Echt lustig!“

Zuerst musste sich Philipp in der Programmiersprache üben: „Mit den Mathe-Physik- Bereichen kam ich schnell gut zurecht. So hatte ich mehr Zeit, mich mit Informatik zu beschäftigen, was ich in der Schule nie gelernt habe.“ Seine Zimmerkollegin half ihm über anfängliche Schwierigkeiten hinweg. „Da war ich sehr dankbar. Manchmal brauche ich dieses Laut-Denken, um auf die Lösung zu kommen.“

Tolle Probleme!

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Wärmebild

Zwischendurch blickte er gerne den anderen Mitarbeitern/innen über die Schulter, wie dem Hilfswissenschaftler, der sich mit Wärmebildern beschäftigt. „Das ist, als würde man arbeiten und gleichzeitig zuschauen.“ Vom Arbeitsalltag ist er begeistert: „Man beschäftigt sich mit tollen Problemen! Projekte müssen gestemmt werden, zum Beispiel entwickeln wir Software für ein Unternehmen. Dieses Knobeln, das spricht mich an.“

Trotzdem war das Praktikum eine Umstellung: „In der Schule ziehe ich nach jeder Stunde einen Schlussstrich. Hier vertiefte ich mich über mehrere Tage in die gleiche Aufgabe“, sagt Philipp. Das hätte zu Beginn ein bisschen an der Motivation gezehrt. „Weil ich so einen Tatendrang hatte“, fügt er lachend hinzu. Philipp ist froh, dass er sein schulisches Wissen durch Praktisches ergänzt hat. Es sei die andere Seite der Medaille: „Wissen ist wertvoll, aber nur wenn man auch etwas damit machen kann!“

Beruf mit Zukunft

Seine Leistungskurse haben Philipp für ein Praktikum in einem MINT-Beruf, also im Bereich Mathematik-Informatik-Naturwissenschaft-Technik, geholfen. „Die Voraussetzung dafür ist eine gewisse Denkweise, diese gedrillte Logik. Die brauche ich in Mathe und Physik auch.“ Er findet: „Man sollte nicht so leicht den Überblick verlieren, zielstrebig sein. Aber das Wichtigste ist natürlich das Interesse!“

Interessiert ist Philipp auch, weil MINT-Berufe Jobs der Zukunft sind. Viele große Firmen suchen händeringend nach MINT-Ingenieuren. „Zukunftsträchtig ist das definitiv! Mathe steckt überall drin und garantiert mit Physik und Informatik Fortschritt!“

Philipps persönlicher Höhepunkt des Praktikums war, dass er schon zwei Tage eher mit seinen Aufgaben fertig wurde. So konnte er sich noch intensiver damit beschäftigen. Als nächstes steht aber erst einmal seine Facharbeit an: über Fermats letzten Satz, ein mathematisches Rätsel aus dem 16. Jahrhundert. Philipp dreht sich noch einmal um, wirft einen letzten Blick auf das Institut. Nach dem Abitur kann er sich gut vorstellen, wieder dort zu arbeiten. Dann vielleicht sogar als Hilfswissenschaftler.

Erschienen auf: fluter.de

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