Eine Woche auf der Insel

Gruppenfoto am MeerWas alles auf Abi-Fahrt in Dublin passierte… „When I die Dublin will be written in my heart!” Das sagte der irische Schriftsteller James Joyce zu Lebzeiten über seine Heimatstadt. Am 26. September 2009 saßen auch wir – vierzehn Schüler der K13 – und unsere beiden Betreuungslehrer Herr Spiegel und Herr Schmidt im Flugzeug nach Dublin auf dem Weg zu unserer Abitur-Fahrt. 

Lehrer mit James JoyceGanz ehrlich: James Joyce Leidenschaft für Dublin hin oder her, wir hatten keine Ahnung, was uns erwarten würde. Irland ist nicht gerade das angesagteste Reiseziel, noch hatten wir im deutschen Alltag allzu viel darüber gehört. Ein paar Klischees geisterten natürlich schon in unseren Köpfen herum: Lauter Iren und Irinnen mit roten Haaren oder eine romantische Landschaft wie im irischen Roman „P.S. Ich liebe Dich“ um nur einige Beispiele zu nennen. Aber viele von uns waren sich einig: wir fahren auf Abi-Fahrt nach Dublin, gerade weil es eine Stadt ist, in die man sonst nicht so oft reist!

Darf ich vorstellen? Dublin …

Dublin2Am Samstagabend kamen wir in Irlands Hauptstadt an und checkten sogleich in unser Hostel, das Jacob’s Inn, ein. Erstmals richtig in Kontakt mit Dublin kamen wir am Sonntag. Auf unserem Programm stand „Erkundung der näheren Umgebung“ und „Stadtrundgang“. Also fanden wir uns schon bald an der Uferpromenade der Liffey und spazierten gemütlich Richtung Innenstadt. Erstes großes Hindernis: der Linksverkehr! Lehrer in AktionKein Wunder, dass wir es alle stets vorzogen über die grünen Ampeln zu gehen, anstatt ausversehen von einem „falschrum fahrenden“ Auto erwischt zu werden. Wir bahnten uns also unseren Weg durch die irische Stadt, vorbei an der Christ Church Cathedral, rein in The Liberties, das ehemalige Arbeiterviertel Dublins. Die kleinen, fast schon drolligen, Backsteinhäuser heißen „Two-ups-two-downs“, wie uns die Lehrer erklärten, da sie oben und unten nur aus je zwei Zimmern bestehen. Etwas später sollten wir feststellen, dass aber selbst diese vergleichsweise winzigen Häuschen verdammt teuer waren: 600.000 Euro – wer soll sich das schon leisten können?

Teuer ist in Dublin überhaupt vieles. Im abendlichen Ausgehviertel Temple Bar kostet das Pint teilweise über sechs Euro, ein Sandwich im Supermarkt um die Ecke vier Euro. Uns ist klar: für das Auslandssemester in Dublin sollten wir vielleicht schon mal anfangen zu sparen!

Natur pur statt Großstadtflair

Von Dublin hatten wir also einen ersten Eindruck. Aber bis jetzt hatten wir noch nie Irland von seiner naturbelassenen Seite gesehen. Genau deshalb machten wir uns auf den Weg zur Hafenstadt Dùn Laoghaire und von dort aus zum Dalkey Hill, einen der unzähligen grünen Hügel des Landes. Nach ein paar Höhenmetern waren wir wie fasziniert: Von Dalkey Hill blickten wir über die idyllische irische Landschaft, eine große Bucht und die etwas raue irische See.

cliff-walkNoch idyllischer sollte es gleich am nächsten Tag werden: diesmal brachte uns ein Bus von Dublin aus nach Howth, einer Halbinsel vor der Stadt. Nach einem kurzen Fußmarsch erblickten wir das erste Schild: „Warning. Dangerous Cliffs.“ Von nun an war Schluss mit geteertem Weg und gemütlichem dahin laufen, denn jetzt begann der Cliff-Walk. Im Gänsemarsch trapsten wir um die Halbinsel, den einen Hügel hoch, den nächsten wieder runter und zwischen drin immer wieder kleine Pausen, um die herrliche Aussicht zu genießen. Die frische Meeresluft wehte uns um die Nase und sogar ein Seehund lugte für ein paar Sekunden neugierig aus dem Wasser. Doch der lange Marsch zehrte mehr an unseren Kräften, als wir es am Anfang für möglich gehalten hätten. So energiegeladen wie wir die ersten Kilometer auch gelaufen waren: der letzte Anstieg, der uns zurück bringen sollte, war wirklich anstrengend. Elf, zwölf – fast komplett! Mit rotglühenden Backen und leicht außer Puste stolperte letztendlich einer nach dem anderen wieder raus aus der Natur, auf die Straßen von Howth. Erst jetzt erfuhren wir, dass wir gute zehn Kilometer um die Halbinsel gelaufen waren. Schon ein bisschen stolz und wahrhaft beeindruckt von der irischen Landschaft, wich auch bald das Gejammer über Plattfüße und Müdigkeit einer gewissen Wander-Begeisterung.

Viel dazu gelernt!

Gruppenfoto in DublinZurück in Dublin ging es erst ins Writers Museum – wo wir unter anderem James Joyce und seine Werke näher kennen lernten – dann ins Kilmainhaim Gaol, ein ehemaliges Gefängnis und letztendlich ins Trinity College, die Universität von Dublin. Außerdem besuchten wir das General Post Office, den Schauplatz des Osteraufstand 1916. Einen Aufstand kleinerer Art erlebten wir in Dublin selbst: Überall hingen Plakate zur Abstimmung über den Lissabonner Vertrag, in den Fußgängerzonen drückten einem Aktivisten Flyer in die Hand und hier und da wurde sogar demonstriert!

Neben der Kultur blieb natürlich auch noch genug Zeit, shoppen zu gehen oder sich mit typisch irischen Schokomuffins zu verköstigen. Abends gingen wir hingegen zur Abwechslung schon mal asiatisch essen, um danach die Treppen zu den sehr irischen Pubs mit Livemusik zu erklimmen.

Natürlich ging die Woche – wie hätte es auch anders sein sollen – viel zu schnell vorüber. Am Freitag spazierten wir vorerst zum letzten Mal durch Dublins Straßen. Schon faszinierend, wie viel wir in nur sieben Tagen dazu gelernt hatten. Denn wenn uns jetzt jemand begegnen sollte, der sagt „Dublin? Davon weiß ich ja gar nichts!“ könnten wir alle einstimmig rufen: „Frag mich!“ Außerdem können wir James Joyce nun ein bisschen Recht geben: Zurück im Schulalltag werden wir noch ganz oft an Dublin denken. Und der ein oder andere hegt schon Pläne, nach dem Abitur mal wieder nach Irland zu fahren – auch wenn es eigentlich kein typisches Ferienziel ist.

Erschienen auf der Homepage des Helene-Lange-Gymnasiums Fürth: helene-lange-gymnasium-fuerth.de

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