Ein Knochenjob: Hotelpraktikum im Dirndl

Im rotkarierten Dirndl mit blauer Schürze huscht Jasmin von Tisch zu Tisch und lächelt, wenn sie die Gäste fragt, ob sie zum Frühstück lieber Tee oder Kaffee möchten. Ein paar Minuten später kehrt sie mit zwei Kannen zurück. Sie wirkt professionell und konzentriert, während sie die Getränke einschenkt. Wenn die letzten Gäste fertig gefrühstückt haben, muss sie mit den Kollegen/innen die Tische abdecken. Jasmin fühlt sich wohl im oberbayerischen Parkhotel Egerner Höfe, wo sie über Weihnachten zwei Wochen arbeiten wollte.
Zu Hause in Fürth drückt Jasmin die Schulbank. Im Mai stehen Abiturprüfungen an. Über ihren späteren Berufswunsch, Hotelmanagerin, hatte sie sich bereits im Herbst an der Fachschule für Hotelmanagement in Pegnitz informiert. Dort war ihr am schwarzen Brett eine Annonce des Parkhotels Egerner Höfe aufgefallen, das über Weihnachten und Silvester Aushilfen im Servicebereich suchte. Jasmin bewarb sich.

Kindheitstraum Hotel

Seit sie denken kann, träumt Jasmin davon, Hotelmanagerin zu werden. „Als ich sieben war, machten wir Urlaub auf Lanzarote. Dort war eine deutsche Hotelfachfrau, die sich viel mit uns Kindern beschäftigte. Von dem Moment an wollte ich das auch werden“, sagt die Schülerin strahlend. Später begann sie, sich genauer mit dem Berufsbild zu beschäftigen, arbeitete regelmäßig in den Gaststätten ihrer Eltern in Fürth und absolvierte Praktika in Hotels. Nun sollte es mal etwas Größeres sein – ein 5-Sterne-Hotel. „Drei Tage, nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, wurde ich angerufen und zur Probearbeit eingeladen“, erzählt Jasmin stolz. Sie deckte einen Tag lang Tische ein, bediente und bekam schließlich den Job.

Im Trachten-Look

Jasmins erster Arbeitstag war der Dienstag vor Weihnachten und viel stressiger als erwartet. „Ich hatte Teildienst, das kannte ich aus früheren Hotels noch nicht.“ Teildienst heißt, sie arbeitete zum Frühstück von 8 bis 13 Uhr und zum Abendessen von 18 bis circa 24 Uhr. Dazwischen hatte sie frei. „Nachmittags habe ich mich oft hingelegt, weil ich einfach kaputt war“, berichtet Jasmin, „aber nach ein paar Tagen ging es schon besser.“

An etwas anderes musste sich Jasmin auch erst gewöhnen: im Dirndl zu arbeiten. Normalerweise trug sie immer eine schwarze Bluse, eine schwarze Hose und eine Bistroschürze. „Das Dirndl war wirklich etwas Außergewöhnliches“, lacht sie.

Die Arbeit lief einwandfrei, der stellvertretende Hotelchef und der Restaurantleiter waren zufrieden mit Jasmin. Dem Mädchen machte es Spaß, die Gäste zu bedienen und sich von den Kollegen/innen Tipps geben zu lassen. Doch dann passierte eine Katastrophe.

Schief gelaufen

Alles hatte mit den neuen Schuhen angefangen: „Spezielle Hotelfachschuhe durfte ich nicht tragen, weil sie hinten und vorne offen waren.“ Doch in den neuen Schuhen schwollen ihre Füße an, sie bekam Blasen. „Irgendwann hatte ich richtige Schmerzen, aber das war mir egal! Ich arbeitete einfach weiter.“ Doch einmal stieß sie beim Eindecken mit dem rechten Fuß unglücklich gegen einen Stuhl und knickte um. Zuerst ignorierte sie die Schmerzen, doch als der Knöchel immer dicker wurde, fuhr sie ins Krankenhaus. Diagnose: Bänderdehnung. Der Arzt drückte ihr eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in die Hand. „Das war so enttäuschend! Ich wollte weder die Kollegen im Stich lassen noch das Praktikum frühzeitig abbrechen“, seufzt sie.

Den Rest der Ferien geht Jasmin an Krücken. Aufgeben will sie deshalb aber trotzdem nicht: Ende Januar bewirbt sie sich an der Hotelfachschule in Pegnitz und hofft, dass sie zu den 30 Schüler/innen gehört, die dort angenommen werden. „Um mit dem Studium zu beginnen, muss ich ein achtwöchiges Praktikum nachweisen. Wegen des Unfalls hab ich jetzt nur sieben. Aber daran wird es hoffentlich nicht scheitern“, meint Jasmin optimistisch. Gelernt hat sie trotzdem viel während der einen Woche: „Zum Beispiel, dass nicht immer alles nach Plan läuft.“

Erschienen auf: fluter.de

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