Aus den Augen – aber nicht aus dem Sinn!

Web 2.0 erhält Freundschaften trotz großer Distanzen aufrecht. Das Internet mit seinen Web 2.0-Funktionen ist für die Generation von heute Alltag. Statt am Dorfplatz treffen sich Jugendliche mit ihren Freunden online in sozialen Netzwerken. Heute können junge Menschen in Sekundenschnelle mit Freunden aus der ganzen Welt in Kontakt treten – ohne erst lange Briefe per „Schneckenpost“ verschicken müssen. Dass das Web 2.0 auch Gefahren mit sich bringt, ist den Jugendlichen durchaus klar. Sie wählen größtenteils bewusst aus, was sie im Internet machen. Und eigentlich ist das Web 2.0 nur Mittel zum Zweck: zum informieren, recherchieren und um jene sozialen Kontakte zu pflegen, die die Meisten im „Real Life“ sowieso haben.

Marina Wörrlein, 18, Schülerin aus Röthenbach

„Web 2.0 bedeutet für mich, dass ich viele Möglichkeiten habe, die ich im Internet nutzen kann – aber die müssen nicht immer positiv sein. Es ist zum Beispiel sehr schlecht, wenn Bilder von einem im Internet kursieren, die einen betrunken zeigen. Das kann im Extremfall zu einer Absage führen, wenn man sich um einen Job bewirbt. Deshalb hat das Web 2.0 durchaus seine gefährlichen Seiten! Wenn ich selbst im Internet surfe, recherchiere ich entweder für die Schule oder für Artikel für meine Schülerzeitung. Und ich brauche das Internet um E-Mails zu schreiben. Außerdem schaue ich – als Hobbyfotografin – in einer Fotocommunity gerne Fotos an und lade selbst welche hoch, vor allem Naturfotos. Mit einem Freund zusammen blogge ich auch hin und wieder. Ein oder zwei Mal die Woche bin ich im SchülerVZ aktiv. Das ist ein soziales Netzwerk speziell für Schüler. Ursprünglich habe ich mich nur angemeldet, weil ich Chefredakteurin unserer Schülerzeitung wurde. Die Kommunikation in unserer Redaktion läuft nämlich zum Teil über das Onlineportal. Ich finde es gut, dass man über Social Networks auf eine sehr viel einfachere Art mit seinen Freunden kommunizieren kann, als zum Beispiel per E-Mail. Denn um jemanden eine E-Mail zu schreiben, muss ich ja erst mal seine E-Mail Adresse haben. Auf SchülerVZ finde ich die Leute ganz leicht durch ihren Namen. Trotzdem bleibt bei Social Networks meiner Meinung nach immer ein Risiko. Gerüchte verbreiten sich im Internet schnell und auch Onlinemobbing ist eine Gefahr. Außerdem darf man selbst nicht zu viel von sich preis geben. Deshalb melde ich mich auch nicht bei einem sozialen Netzwerk nach dem anderen an. Viele meiner Freunde nutzen mittlerweile facebook – aber diesem Trend verweigere ich mich. Ich muss auch nicht ständig online sein. Immerhin gibt es noch ein Telefon. Briefe schreibe ich dennoch nur ganz selten. Wenn ich mir jetzt ein neues Handy kaufen würde, würde es wohl trotz allem ein Smartphone mit Internetzugang werden. Nicht, um ständig online zu sein. Aber der Trend, die Zukunft geht eben doch dahin. Und es ist auch praktisch, wenn ich unterwegs einfach mal nachschauen könnte, wann der nächste Zug fährt.“

Lisa Roderer, 20, Schülerin aus Bayreuth

„Das Internet mitgestalten, aktiv sein, das ist für mich Web 2.0. Ich nutze das Internet zum recherchieren, um Kontakte zu pflegen und natürlich zum E-Mails schreiben. Außerdem bin ich auch in sozialen Netzwerken unterwegs. Die Schülercommunity SchülerVZ nutze ich vor allem um mit Freunden und Bekannten zu kommunizieren. Immerhin kann man mit SchülerVZ auch mit Leuten in Kontakt bleiben, die man im richtigen Leben kaum trifft, zum Beispiel weil sie weit weg wohnen. Das Nachrichtenportal twitter dient mir vor allem dazu, um anderen Leuten hinterher zu lesen. Aber man darf es mit twitter auch nicht übertreiben. Mich interessiert es nicht, wenn jemand schreibt „ich gehe jetzt duschen“ oder „ich ziehe mich gerade an“. So etwas muss nicht jeder wissen! Das Problem an sozialen Netzwerken ist der Datenschutz. Da gibt es immer noch große Lücken! Generell bin ich schon sehr viel online. Ein Smartphone habe ich nicht, aber sinnvoll wäre es durchaus. Vor allem dann, wenn man gerade keinen Internetzugang hat oder unterwegs eine wichtige E-Mail schicken muss, wäre Internet am Handy wichtig. Auch gerne nutze ich – dank Web 2.0 – die Kommentarfunktion, zum Beispiel bei Zeitungsartikeln im Internet. So kann ich anderen Leuten Feedback geben, ihnen mitteilen, ob ich ihrer Meinung bin oder ihnen widersprechen. Ich Mittlerweile blogge ich selbst nicht mehr. Ich habe aufgehört, weil es mir zu stressig wurde. Es gab eine Zeit, da habe ich jeden Tag Texte auf meinem Prosa-Blog online gestellt. Auf Dauer konnte ich das aber nicht durchhalten. Ich bin mir sicher, dass in Zukunft unser Leben noch mehr vom Internet abhängen wird. Dass es aber soweit kommt, dass wir gar nicht mehr vor die Haustür gehen und zum Beispiel auch Einkäufe im Supermarkt nur noch online erledigen, das glaube ich nicht. Diese Idee gibt es schon sehr lange und bis jetzt hat sie sich gar nicht durchgesetzt. Es wäre ja auch total schrecklich, wenn man nur noch vorm Computer sitzt, am besten noch Chips in sich reinstopft, nicht mehr rausgeht und überhaupt keine Bewegung mehr hat. – Ohne Internet leben? Das könnte ich trotzdem nicht!“

Tobias Stich, 18, Schüler aus Fürth

„Internet, und damit auch Web 2.0, ist ein Medium, das ich täglich nutze. Ich kommuniziere, chatte, informiere mich oder tätige auch viele Einkäufe via Onlineshops. Außerdem vertreibe ich meine eigene Musik online. Ich mache in meiner Freizeit Musik als Singer und Songwriter. Vor Kurzem hab ich drei meiner Lieder im Tonstudio aufgenommen. Und jetzt verkaufe ich quasi meine erste Single „Wunderbar“ in vielen mp3-Shops im Internet. Ich bin sehr froh, dass es diese Möglichkeit gibt! So haben auch Leute, die es sich nicht leisten können, CDs pressen zu lassen, die Chance, gehört zu werden. Sonst bin ich natürlich in vielen sozialen Netzwerken angemeldet. Aber in letzter Zeit konzentriere ich mich vor allem auf facebook. Ich finde es hat die besten Funktionen und die meisten meiner Freunde sind dort auch Mitglied. Das ist wohl so ein gewisser Gruppenzwang: Man ist immer in dem sozialen Netzwerk am meisten aktiv, wo auch die Freunde angemeldet sind. Ach ja, und ich habe auf facebook jetzt schon meine eigene Fan-Seite! Ich finde es super, dass ich dank den sozialen Netwerken auch mit Freunden in Kontakt bleiben kann, die ich im „echten“ Leben schon längst aus den Augen verloren habe. Das einzige Problem ist, dass die Daten, die man von sich preis gibt, immer noch missbraucht werden. Trotzdem ist es für mich wichtig, ständig online zu sein. Das ist heute ein Muss! Wer mit der Zeit gehen will, muss auch immer online sein. Nur am Handy nutze ich bis jetzt noch kein Internet. Soweit bin ich wohl doch noch nicht, dass ich es auch außer Haus brauche. Total krank finde ich im Internet eine der neusten Web 2.0 Errungenschaften: Chatroulette. Da chattet man im Minutentakt mit fremden Menschen per Webcam. Ich habe das mal ausprobiert und war schockiert, wie viele – sorry – perverse Leute in der Webcam mehr von sich zeigen, als irgendjemand sehen will. Überhaupt chatte ich lieber mit Leuten, die ich persönlich kenne. Sonst ist das doch nur oberflächlich! Ich habe mir fest vorgenommen, bald über meine Musik zu bloggen. Bisher fehlen mir allerdings die Ideen, was ich genau Schreiben will. Und ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt jemand lesen würde! Bei twitter geht es mir ähnlich. Ich nutze es, aber bin mir noch nicht klar darüber, was ich wirklich damit anfangen soll. Für Prominente oder Politiker ist das super, um Werbung für sich zu machen und ihren Fans beziehungsweise Wählern nahe zu sein. Trotzdem frage ich mich, was der Privatmensch damit soll. Die meisten Sachen, die man selbst postet, sind einfach uninteressant. Briefe schreibe ich übrigens überhaupt nicht mehr. Und wenn es mal sein muss, dann tippe ich den „Brief“ am Computer und drucke ihn aus!“

Erschienen in: „Ringfrei“ der Zeitschrift des Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Ausgabe Nr. 49 – Mai 2010

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