Zwischen Datenmissbrauch und Karrierechance

Dinge, über die man als Internetnutzer einmal nachdenken sollte… Laptops und Smartphones ermöglichen es uns, quasi 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche online zu sein. Schnell auf facebook vorbei schauen, twittern oder bloggen. Immer mehr Menschen hinterlassen Spuren im Internet. Das ist gefährlich – und bietet gleichzeitig Chancen!

Ein einfaches Beispiel: Lisa ist achtzehn und das Internet gehört, wie für fast alle Jugendliche, zu ihrem Alltag. Kaum ist sie von der Schule daheim, setzt sie sich an ihr Laptop und schaut in ihren sozialen Netwerken vorbei. Auf facebook schreibt sie, dass Mathe doof ist und viele ihrer Freunde pflichten ihr sofort bei. Auf SchülerVZ verschickt sie Nachrichten an Freundinnen und ändert ein paar Profilinformationen. Lisa ist jetzt nicht mehr „single“ sondern „in einer Beziehung“ – und das soll auch jeder wissen. Später schaut sie in einem Onlineshop, wie amazon.de vorbei und bestellt einen Frauenroman rund ums Thema Liebe. Abends ist Lisa auf einer Party. Bevor sie geht, twittert sie noch schnell: „Jetzt geht’s zu Pauls Geburtstagsfeier! Das wird cool!“ Doch auch, als sie schon längst mit den anderen Partygästen Cocktails trinkt, ist Lisa alles andere als offline. Mit ihrem Smartphone macht sie Fotos und lädt diese schon in der nächsten Sekunde in einem sozialen Netzwerk hoch. So können auch ihre anderen Freunde sehen, was auf der Party abgeht.

Lisa lässt in diesem Fall kaum einen neuen Trend der digitalen Medien aus. Für sie ist das wichtig, zum Beispiel, um mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Social Networks ergänzen heute die sozialen Kontakte im „echten“ Leben. Früher lief man ein paar Häuserblocks weiter, um der besten Freundin etwas mitzuteilen. Heute wohnt die beste Freundin – selbst in der gleichen Stadt – oft ein paar Kilometer weg. Und für eine kurze Nachricht ist das Internet eben praktischer, als der lange Weg mit dem Bus. Lisa kann dank Web 2.0 mit Freunden in Kontakt bleiben, die sie nicht jeden Tag sieht, weil sie am anderen Ende der Bundesrepublik wohnen – oder, wie ihre Austauschschülerin, gar in einem anderen Land. Und Lisa liest auch tagesaktuelle Nachrichten, über das Internet. Auf twitter sieht sie zum Beispiel nicht nur aktuelle Meldungen von ihren Freunden, sondern auch von großen Zeitungen, Fernsehsendern, Organisationen oder Politikern.

Wird der Mensch zum Datensatz?

Aber, während Lisa chattet, twittert, einkauft und in ihrem sozialen Netwerk aktiv ist, werden wahnsinnig viele Informationen von ihr digital erfasst, zum Beispiel Lebensäußerungen, Kommunikation, Bilder, Bewegungsinformationen durch ihr Mobiltelefon und Einkaufsentscheidung. Einzeln sind diese Aspekte recht uninteressant. Aber mathematische und statistische Methoden können mittlerweile entlegenste Zusammenhänge einer Person im Internet aufspüren.  Im Extremfall können Unternehmen damit herausfinden: Hard-Rock-Fans über dreißig Jahren, die sich für Amerika-Reisen interessieren, bestellen überdurchschnittlich oft Fitness- und Ernährungsratgeber.

Gebraucht werden die wertvollen Daten von Internetnutzern hauptsächlich, damit Unternehmen ihre Werbung personalisieren können. Sie wollen uns gezielt zum Kauf anregen oder unser zukünftiges Verhalten, unsere Kaufentscheidungen prognostizieren. Je mehr Daten und Informationen, desto klarer ist der digitale Schattenriss des Einzelnen – und das bringt bei gezielter Werbung Gewinne. Aber auch Arbeitgeber könnten diese Daten von Nutzen sein. Potentielle Jobsuchende suchen auf Google bestimmte Begriffe, kaufen online Ratgeber oder besuchen Websites von der Konkurrenz. So lässt sich die Kündigungswahrscheinlichkeit des Einzelnen schnell berechnen. Das Gleiche gilt für Jobbewerber. Bevor es überhaupt zum persönlichen Gespräch kommt, recherchieren Personalchefs ihre Bewerber im Internet. Oft gibt das Internet erschreckend genaue Umrisse von Interessen des Einzelnen preis. Allerdings ist das ein statisches Persönlichkeitsbild, das die Einzigartigkeit am Menschen nicht sichtbar macht. Ein Onlineprofil kann zum Beispiel nicht zeigen, wie intelligent, wie einfühlsam, wie kreativ jemand ist oder wie gut er im Team arbeiten kann. Stattdessen setzt sich das Menschenbild nur noch aus Daten zusammen – und das Privatleben ist ein für alle Mal vorbei.

Datenschutz – sofort!

Doch genau das darf nicht passieren. Deswegen setzt sich auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) für den Internetnutzer ein. Vor Kurzem erst kritisierte sie das soziale Netzwerk facebook wegen seines angeblich laxen Umgangs mit dem Datenschutz. „Das Unternehmen missachte die Interessen der Internetnutzer“, schrieb die Ministerin laut der Zeitung DIE ZEIT in einem offenen Brief an facebook. Abhilfe schaffen könnte eine Regelung, dass Behörden und Unternehmen ihren „Nutzern“ mitteilen müssen, welche Daten sie gespeichert haben – und die betroffenen Personen müssen das Recht haben, diese Daten sofort löschen zu lassen. Auch wird der Ruf laut, dass illegale Weitergabe und Verarbeitung von Daten sowie Sicherheitsschwankungen strafbar sein sollten. Aber da tut sich schon das nächste Problem des Internets auf: nicht die deutsche Politik alleine kann etwas ausrichten. Es heißt ja nicht umsonst World Wide Web. Selbst Gesetzte auf europäischer Ebene würden zu kurz greifen. Nur weltweit gültige Internetregelungen könnten Abhilfe schaffen. Bis die allerdings irgendwann durchgesetzt sein könnten, gibt es schon wieder unendlich viele neue Web 2.0 Angebote!

Ein Trost bleibt trotzdem: Prinzipiell entscheidet jeder Einzelne selbst, wie viel er in den Weiten des Internets von sich preis gibt. Auch wenn es unter Jugendlichen einen gewissen Gruppendruck gibt: Niemand ist gezwungen, seinen Beziehungsstatus in sozialen Netzwerken zu offenbaren oder genauestens zu schreiben, was er den ganzen Tag macht.

Web 2.0 als Karrierechance

Lisa macht bald ihr Abitur und will sich danach um einen Job bewerben. Nach all den Gefahren, die das Web 2.0 birgt, überlegt sie, sämtliche Onlineprofile von sich zu löschen. Sie will keinen schlechten Eindruck beim Arbeitgeber machen. Ist das die Lösung?

Im Gegenteil! Überhaupt keine Fußspuren im Internet zu hinterlassen, ist gerade für Jobsuchende fast genauso gefährlich. Im Interview mit dem Studentenmagazin ZEIT Campus sagt Kommunikationsberater Klaus Eck dazu: „In den USA würde man Sie fragen, ob Sie im Knast waren oder unter welchem Pseudonym Sie sich im Netz bewegen.“ Fazit: Jeder muss sich mit dem Thema Online-Auftritt beschäftigen. Und Berufseinsteiger können das durchaus zu ihrem Vorteil nutzen. Zumindest, wenn sie Internetprofile so anlegen, dass sie ihre Fähigkeiten präsentieren – und nicht die Fotos von der letzten Saufeskapade auf einer Party. Um sich beruflich im Internet zu vernetzen, gibt es übrigens auch schon wieder soziale Netzwerke, wie XING, Experteer oder LinkedIN, um nur einige zu nennen. Dort meldet sich Lisa jetzt an.

Erschienen in: „Ringfrei“ der Zeitschrift des Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Ausgabe Nr. 49 – Mai 2010

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