Journalistenschule als Sprungbrett?!

Ein Ehemaliger erzählt von Hindernissen, Glück und Erfahrungen

Timm Klotzek, 37, ist heute Chefredakteure der beiden  jungen Magazine NEON und Nido. Aber auch er hat einmal klein angefangen: In der Schule machte er Schülerzeitung und danach wollte er auf die Deutsche Journalistenschule (DJS) in München – koste es, was es wolle. Als Tim Klotzek mit seiner Ausbildung fertig war, bekam er sofort eine Anstellung bei dem jetzt-Magazin der Süddeutschen. Nachdem jetzt als Printausgabe eingestellt wurde, fing er beim Stern 2003 ganz bei null an und gründete den NEON. Mit Erfolg! Im Jahr 2006 wurde Timm Klotzek sogar zum „Journalisten des Jahres“ gewählt. Eine journalistische Vorzeigekarriere?

„Ob mein bisheriger Lebensweg eine journalistische Vorzeigekarriere ist, das müssen andere beurteilen. Eigentlich hatte ich sehr viel Glück. Ich bin quasi von der Abschlussfeier der DJS noch so direkt in die Redaktion der Süddeutschen rüber gewackelt. Das war ein nahtloser Übergang.  Ich habe nicht – wie sogar viele sehr gute Journalisten – lange suchen müssen. Daher blieb mir diese nervenzehrende Frage „was wird aus mir“ erspart. Aber so einfach war es nicht immer. Als ich mich das erste Mal bei der DJS bewarb, erhielt ich eine Absage. Doch die DJS war mein großer Traum.

Durchhaltevermögen zahlt sich aus

Ich hatte schon in der Schülerzeitung meiner Schule in Frankfurt Journalismus gemacht. Wir haben unsere Zeitung aber nicht nur an unserer Schule, sondern an mehreren Gymnasien verkauft. Das heißt, wir konnten nicht nur Lehrer-Insider-Witze abdrucken, sondern mussten uns wirklich damit beschäftigen, was Jugendliche schulübergreifend interessiert. Damals wusste ich natürlich noch nicht, was ich später werden will. Mir machte die Arbeit Spaß. Das war eine sehr angenehme Lebenserfahrung, dass ich meinen Beruf gefunden habe, ehe ich mich überhaupt um Berufswünsche sorgte. Diese bange Frage, was will ich mal werden, hat sich mir gar nicht gestellt.

Deswegen wollte ich später unbedingt Diplomjournalismus an der DJS studieren. Als es beim ersten Mal nicht klappte, hat uns die DJS vermittelt, dass wir den Kopf nicht hängen lassen sollen. Ich habe es im nächsten Jahr nochmal probiert – und da wurde ich genommen! Die DJS sieht so einen zweiten Bewerbungsversuch eher als Ernsthaftigkeit und freut sich, dass jemand nicht locker lässt.

An meine Zeit bei der DJS denke ich noch heute gerne zurück. Die Schüler werden immer in Klassen mit circa fünfzehn Schülern zusammengefasst. Manchmal gibt es sehr ehrgeizige, egoistische Klassenverbände, die sich nur als Konkurrenz sehen. Wir haben uns zum Glück schnell als Team begriffen. Ich habe auch heute noch zu vielen alten Klassenkameraden ein enges Verhältnis und freue mich immer, wenn ich sie wieder sehe! Überhaupt habe ich an der DJS wahnsinnig viele Leute kennen gelernt. Das waren nicht nur Kontakte, die ich später brauchen konnte und auch nicht nur Leute, von denen ich froh war, sie zu kennen. Im Gegenteil: Ich habe mir bei ganz vielen Dozenten auch gedacht, so möchte ich nicht werden oder der redet nur Unsinn. Aber durch negative Vorbilder lernt man ebenfalls! Und natürlich haben auch viele Leute ihren riesigen Erfahrungsschatz gerne mit mir geteilt. Dieses Wissen, dass ich mir bei der DJS angeeignet habe, brauche ich noch heute als mein tägliches Handwerk.

Spielerisches Lernen

Auf der DJS habe ich viele Sachen gelernt, die ich sonst vielleicht nicht so intensiv mitbekommen hätte. Ich halte wenig von theoretischen Journalistenstudiengängen, bei denen die Studenten Arbeitsalltag simulieren. Auf der Journalistenschule durfte ich mit Leuten Projekte machen, die selbst aus dem praktischen Journalismus kommen – und die Abläufe nicht nur theoretisch kennen. Dieses „machen können“, vom ersten Tag an kritisiert werden und im ganz engen Austausch mit den Dozenten stehen – das war für mich wichtig! Ich konnte mich an der Journalistenschule viel spielerischer ausprobieren, als vielleicht in einem Volontariat. Denn wenn man bei einem Volontariat nicht mit Glück einen sehr guten Mentor hat, muss man schnell im laufenden Betrieb mitarbeiten.  Während Journalistenschüler mal ein eigens konzeptioniertes Magazin auf die Beine stellen können, bekommen Volontäre oft nur einen Termin und eine Zeilenangabe vorgesetzt. Jungen Menschen, die ganz genau wissen, was sie wollen, nämlich als Journalist arbeiten, würde ich daher auf jeden Fall zu einer Journalistenschule raten.

Ein anderer wichtiger Aspekt, den Journalistenschüler schnell lernen, ist sich selbst besser einzuschätzen. Rauszufinden, was liegt mir, was will ich machen, das ist wichtig für die spätere berufliche Laufbahn. Journalismus ist immer Arbeitsteilung. Manchen macht es Spaß, neue Rubriken zu erfinden oder sich zu überlegen, wie die perfekte Wochenzeitung im Jahr 2015 ausschauen muss. Andere brauchen nur ein gutes Arbeitsumfeld um sich schreiberisch entfalten zu können. Die sagen beim Thema Finanzkrise: Ich fahr sofort nach Griechenland, schreibe eine super Reportage und du kannst hier dein Zukunftsgedöns selber machen! Das darf man nicht gegeneinander ausspielen, denn beides ist wichtig. Auf einer Journalistenschule kann jeder durch ausprobieren erkennen, was ihm liegt.

Was mir besonders an der DJS als Journalistenschule gefallen hat, war, dass sie die Stärken ihrer Schüler fördert. Das heißt nicht, dass die Dozenten nicht auch versuchen, Schwächen zu mindern. Aber es herrscht nicht dieser Kasernendrill, von wegen man holt sich talentierte Leute, macht sie fertig und raubt ihnen das Selbstbewusstsein, um sie dann Stück für Stück so zusammen zu bauen, wie man sie gerne hätte. Auf solche elitären Maßnahmen kann ich gut verzichten und bin froh, dass ich auf der DJS andere Methoden kennen gelernt habe!

Meine DJS Zeit liegt ja jetzt schon einige Jahre zurück. Aber der Journalismus fasziniert mich noch heute, da ich mich mit ganz vielen verschiedenen Themen beschäftigen kann. Oder besser gesagt, mit genau den Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, die mich neugierig machen, für die ich mich interessiere und zu denen ich Ideen habe. Genau das ist der Inhalt meiner täglichen Arbeit und es ist ein großer Glücksgriff, dass ich das beruflich machen darf!

Wenn ich mich heute nochmal entscheiden müsste: Ich würde wieder auf die DJS gehen und wohl nochmal alles ganz genauso machen.“

NEON

Ein einmaliges Konzept: die NEON lesen junge Männer und Frauen im Alter von 18 bis 35 und bezeichnet sich daher auch als „Unisex-Magazin“. Inhaltlich berichtet NEON über Gesellschaft, Politik, Partnerschaft, Mode, Karriere und alles, was junge Menschen bewegt und in ihrem Leben betrifft. Das ist beides, Unterhaltung und Information auf hohem Niveau. Laut eigener Aussage verbindet NEON „seine Leser durch das Lebensgefühl dieser Generation“. NEON erscheint monatlich und ist das junge Magazin des „Stern“. Die junge Redaktion leiten die beiden Chefredakteure Timm Klotzek (37) und Michael Ebert (35).

NIDO

„NIDO – Wir sind eine Familie“. Die NIDO ist ein Lifestylemagazin für junge Eltern. Und einzigartig, denn hier geht es nicht um das Kind, sondern um die Eltern selbst, die „ein Stück ihres früheren Lebens zurück haben und gleichzeitig gute Eltern sein wollen“. In dieser Phase der Neuorientierung soll NIDO helfen. Die Themen reichen von Pop über Politik bis hin zu Mode, Reisen, Inneneinrichtung, Psychologie und Sex. „Alles aus dem Blickwinkel moderner, urbaner Eltern“, so die Selbstdarstellung. Auch NIDO gehört zum „Stern“, erscheint monatlich und auch hier heißen die Chefredakteure Timm Klotzek und Michael Ebert.

Erschienen im: JPB-Magazin, das Mitgliedermagazin der Jungen Presse Bayern e.V. (Ausgabe 21)

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