Passioniert am Bodensee

In der Rubrik „Jugendarbeit vor Ort“ reist die juna an interessante Orte, um die Arbeit von und mit Jugendlichen mitzuerleben. Nachwuchsreporterin Jennifer Hertlein (18) berichtet zum Auftakt über das „Bodenseecamp“ der Jungen Presse Bayern mit jungen Medienmacher/-innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Wasser glitzert, die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel. Das saftige grüne Gras lädt zum Faulenzen auf der Wiese ein und das frische Nass ist eine willkommene Abkühlung in der Mittagshitze. Mit ein bisschen Abstand zum Ufer erkennt man eine ganze Reihe an großen Zelten. Jugendliche tummeln sich dort. Einige spielen Beachvolleyball auf einer Sandfläche oder laufen in Bikini und Badehose zum Wasser, andere sitzen im Gras, diskutieren und kritzeln eifrig Mindmaps auf buntes Papier. Und immer ist der Fotoapparat dabei, die Videokamera oder zumindest der Notizblock. Es ist Sommer am Bodensee und Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich zum Bodenseecamp der Jugendpresse. Sie machen vier Tage Medien und genießen die Sonne.

Jedes Jahr organisiert ein Team von circa 20 jungen Leuten, die zu den Jugendpresseverbänden von Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören, das Bodenseecamp. Vier Tage lang kommen 130 Teilnehmer zusammen um Spaß zu haben und sich in Sachen Medien weiterzubilden. Die Teilnehmer, das sind Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren aus den drei verschiedenen Ländern rund um den Bodensee, aus der Schweiz sind sie aber hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Teil. Sie übernachten in großen THW Zelten, die mit durchgelegenen Stockbetten und Strom ausgestattet sind. Ein bisschen Luxus beim campen, der dringend gebraucht wird. Junge Medienmacher müssen die Akkus ihrer Laptops, Kameras und Diktiergeräte ja auch wieder aufladen.

Zeltlager mit Lerneffekt

„Das Hauptziel des Bodenseecamps ist die Begegnung zwischen den drei deutschsprachigen Ländern“, erzählt Hannah Rex aus Deutschland, die Hauptorganisatorin des Bodenseecamps 2010, „Immerhin sprechen wir alle die gleiche Sprache und verstehen uns trotzdem manchmal nicht.“ Während der vier Tage fallen die kleinen aber feinen Unterschiede, die schon beim Dialekt anfangen, auf – aber auch die Gemeinsamkeiten. „Wir haben die Thematik Medien und schauen auch, wie die Mediensysteme in den einzelnen Ländern aufgebaut sind. Das Bodenseecamp ist keine reine Spaßveranstaltung sondern bringt auf jeden Fall einen Lerneffekt mit sich!“

Viel lernen, das können die Jugendlichen auf dem Bodenseecamp in den zahlreichen Workshops. Zur Auswahl stehen dieses Jahr natürlich Standardprogramme wie Zeitung, Layout und Radio. Außerdem gibt es noch Film, Hörspiel und Reportage als Textform. Digitale Fotografie ist natürlich auch dabei und wer sich trotz digitalem Zeitalter mal auf Altes zurückbesinnen will, kann sich auch mal in analoger Fotografie ausprobieren. Aber selbst das ist noch längst nicht alles! Hinzu kommen noch außergewöhnliche Workshops, die auch ein kleines bisschen vom Thema Medien abweichen. Die Teilnehmer können an den Veranstaltungen über Poetry Slam, Social Media und Web 2.0, Marketing oder Projektmanagement teilnehmen. Oder zur Auflockerung sogar zaubern lernen. Außerdem gibt es noch die Ideenwerkstatt. „Das ist vor allem für Leute, die schon öfter an unserem Camp teilgenommen haben und sich mal über andere Dinge informieren wollen, als das Klassische. Und in der Ideenwerkstatt können sie ihr gesamtes Wissen einbringen.“, berichtet Hannah. Das heißt, auf dem Bodenseecamp gibt es alles, was mit Medien und Journalismus zu tun hat – und sogar noch ein bisschen mehr.

Vorfreude, Spaß und Abenteuer

Die Stimmung im Camp ist grandios. Und das fängt sogar schon vor der eigentlichen Veranstaltung an. In sozialen Netzwerken und auf der Website zum Bodenseecamp freuen sich schon viele vorab und können kaum den Anmeldestart abwarten. „Wir haben wahnsinnig viele Stammteilnehmer, die jedes Jahr wieder gerne dabei sind“, so Kathrin Vogt. Sie hat 2009 das Projekt Bodenseecamp koordiniert. Auch dieses Jahr ist sie im Organisations-Team dabei und greift Hannah wo sie nur kann unter die Arme. „Und diesen Stammteilnehmern ist die Vorfreude riesig und entsprechend kommen sie auch hier an. Die Neuen brauchen hingegen immer einen halben Tag um sich einzugewöhnen. Aber dann sind sie sofort von der Begeisterung angesteckt!“

Die Jugendlichen filmen, fotografieren und schreiben wie wild. Sie plappern eifrig in Diskussionsrunden mit und knüpfen neue Kontakte und Freundschaften. Regnen darf es natürlich nicht, sonst sitzen die 150 Leute schnell auf dem kleinen Raum zu eng aufeinander. Aber auch wenn es zu heiß wird, macht die schönste Diskussion keinen Spaß mehr. Da hilft nur noch Abkühlung im Bodensee. Und abends sitzen natürlich alle in guter alter Zeltlagermanier ums Lagerfeuer.

Klingt nach jeder Menge Spaß und Abenteuer. Die Teilnehmer fahren leidenschaftlich gerne zum Bodenseecamp – und die Organisatoren bereiten mit viel Leidenschaft alles vor. Aber diese Leidenschaft kann auch mal schnell zum Leiden werden, nämlich wenn einem die Arbeit über den Kopf wächst oder nichts so funktioniert, wie es vorher geplant war.

Keine Panik – auch wenn mal was schief geht!

Hannah hat als Projektleiterin alle Hände voll zu tun. Eine Veranstaltung für 150 Leute will gut organisiert sein. „Meine Hauptaufgabe ist es, da erst mal den Überblick zu behalten“, meint sie lachend. Sie muss schauen, dass die Finanzen stimmen, Kontakte zu Sponsoren und Referenten halten und den anderen Teammitglieder auch mal antreiben, ihre Arbeit rechtzeitig zu erledigen. Das kann nervig sein, Stress pur! „Wenn man bis drei Uhr in der Nacht arbeitet und dann kommt der Nächste und will was – da weiß ich manchmal wirklich nicht mehr, wo mir der Kopf steht!“

Überhaupt kann bei so einer großen Veranstaltung viel schief laufen, zum Beispiel wenn beim Anmeldestart noch Referenten fehlen. „Oder ein Teammitglied, das unbedingt etwas machen muss, wird krank oder kann nicht zu einem unserer Treffen kommen“, sagt Hannah. Überhaupt ist das mit den Treffen schwierig. Das internationale Organisations-Team trifft sich drei Mal. Öfter geht nicht – wegen des weiten Wegs und nicht zuletzt den Kosten. Überhaupt ist der finanzielle Aspekt immer ein Stressfaktor. „Meistens sind wir kurz vor knapp nicht ausfinanziert und müssen dann nochmal Bettelbriefe schreiben.“, erzählt sie.

Doch auch vor Ort ist nicht immer alles Eitelsonnenschein – und das liegt nicht mal nur am Wetter. Oft funktioniert die Technik nicht. „Das sind große Zittermomente, denn ohne einsatzfähiges Equipment machen Radio und Fernsehworkshops keinen Sinn“, meint Kathrin, die das noch vom Vorjahr kennt. Außerdem gibt es auch immer Diskussionen mit der Küche, weil die verschiedenen Workshops die Essenszeiten, so Kathrin, nie hundertprozentig abgestimmt bekommen. Das verschiebt sich hier und da um eine halbe Stunde. Auch wenn das nervt, Kathrin bleibt optimistisch: „Bisher wurden immer alle Filme fertig und es ist auch noch kein Teilnehmer verhungert!“

Bodenseecamp: ohne Leidenschaft geht es nicht

Trotz des ganzen Stress und der manchmal nervenaufreibenden Arbeit kann Hannah nicht aufhören. Sie ist die Verantwortliche und möchte ihre Arbeit natürlich möglichst gut machen. „Ganz sicher mache ich das aus Leidenschaft! Ich will Leute glücklich machen und ihnen ein schönes Bodenseecamp ermöglichen.“  Kathrin gibt ihr da Recht: „Wenn ich die Freude bei den Teilnehmern am Ende der Veranstaltung sehe, wenn sie mit strahlenden Gesichtern nach Hause fahren, dann hat sich die ganze Mühe schon gelohnt.“ Natürlich nervt die Organisation auch mal. Aber Kathrin fügt schnell hinzu: „Aber meistens ist es gar nicht so schlimm, wenn nicht alles perfekt nach Plan läuft. Die Teilnehmer merken das oft gar nicht, weil sie ja nicht wissen, wie es ursprünglich geplant war.“ Also locker bleiben. Und mit Leidenschaft weiterarbeiten, denn ohne funktioniert die ehrenamtliche Arbeit sowieso nicht: „Wenn man nicht mit Herzblut dahinter steht, dann macht man das auch nicht!“

Erschienen in der: Juna – Zeitschrift des Bayerischen Jugendrings, Ausgabe 04/2010 (August und September), Titelthema: „Leidenschaften: Jugendzeit, Jugendarbeit & die großen Gefühle“

Fotos: Philipp Breu

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: