Zwischen Heimweh und Partylaune

Wie es ist, zum Studieren weit weg zu ziehen und zu Hause alte Freundschaften zu pflegen

Endlich ist die Schule rum, das Studium steht vor der Tür. Raus von Zuhause, rein ins Studentenleben und am besten gleich in einer neue Stadt. Aber wie kann man seine alten Freunde ins neue Leben integrieren? Wie das Heimweh überwinden? Und neue Freundschaften knüpfen? Zwei Studentinnen erzählen, was sie darüber denken:

Daniela Heimpel (22) ist schon vor zwei Jahren in eine andere Stadt gezogen. Melanie Werner (19) steht genau das jetzt bevor. „Ich würde wohl nicht zum Studium weggehen, wenn es meinen Studiengang auch in Erlangen gäbe“, gibt die Abiturientin zu. Sie will Tiermedizin studieren und fängt im Oktober an der Uni in München damit an. Zu Hause zu bleiben und lieber ein anderes Studienfach zu wählen, stand für sie nicht zur Debatte.

„Ich hoffe, dass das Heimweh nicht zu groß wird“, meint sie, „das ist bestimmt seltsam, wenn ich abends in meine Wohnung in München komme und keiner da ist.“ Dann kann sie sich nicht mehr spontan mit ihren vielen alten Schulfreunden treffen.

Und auch nicht mehr mit ihrem Freund, mit dem sie seit vier Jahren zusammen ist. „Aber dass ich hier bleibe, hätte er nicht von mir verlangt“, erklärt sie, „im Gegenteil. Er unterstützt mich, hilft beim Umzug und wird mich besuchen.“ Melanie hat sich ganz fest vorgenommen, so gut wie jedes Wochenende nach Hause zu fahren.

Daniela kennt das Problem. Sie hat vor zwei Jahren ihr Abitur gemacht – und ging danach nach Halle an der Saale, um interkulturelle Europa- und Amerikastudien zu studieren. Auch ihren Studiengang gab es nur dort. „Das war eine gute Gelegenheit, eine neue Stadt kennenzulernen“, erzählt sie begeistert.

Heim fährt Daniela nur alle zwei oder drei Monate. Die Fahrt von Halle nach Fürth dauert gute vier Stunden – und günstig ist das ICE-Ticket auch nicht. Sogar in den Semesterferien ist Daniela kaum in der Heimat, denn da zieht es sie für Praktika in andere Städte, wie vor kurzem nach Berlin.

„Ab und zu wäre ich gerne öfter hier in Franken“, meint sie, „aber dann würde ich in Halle viel zu viel verpassen.“ Daniela rät, vor allem zu Studienbeginn nicht so viel nach Hause zu fahren: „Sonst lebt man sich nicht ein. Und gerade auf den Partys am Wochenende knüpft man schnell neue Kontakte.“

Wenn man dauernd nur hin und her pendle, sagt Daniela, hinge man nur zwischen zwei Städten. „Dann ist man in keiner von beiden richtig daheim und macht sich mehr Stress, als die Sache wert ist.“
Melanie dagegen hat Bedenken, dass durch ihren Umzug nach München Freundschaften in die Brüche gehen. Trotzdem ist sie froh, dass keiner aus ihrer Schule in München das Gleiche studiert. „Sonst würden wir doch nur zusammenhängen.“

Daniela hat mit all ihren engen Freunden daheim auch heute noch Kontakt. „Es ist zwar ein größerer Aufwand und ich muss mich mehr darum bemühen, also nach Hause telefonieren und Besuche langfristig planen“, meint sie, „aber dann ist das überhaupt kein Problem.“

Daniela findet, in eine andere Stadt zu ziehen, ist vor allem eins: eine ganz tolle Erfahrung. Deshalb zieht es sie jetzt auch schon wieder woanders hin. Ab dem kommenden Semester studiert sie für ein Jahr in Paris. Dieses Mal will sie nicht nur eine andere Stadt, sondern gleich ein neues Land entdecken. „Es ist schon komisch, alles hinter mir zu lassen, was ich mir in Halle aufgebaut habe.“

Auch bei Melanie überwiegt die Vorfreude auf München. „In einer so riesigen Großstadt leben, ist toll. Und außerdem werde ich so viele neue Leute kennenlernen, das wird richtig spannend!“

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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