Von Sagen, Rittern und fränkischen Bratwurstsemmeln

Der Tag der offenen Tür auf Burg Hoheneck lockte viele Besucher an

Die Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck bei Ipsheim lud am Sonntag zum Tag der offenen Tür. Viele Besucher aus der Region strömten frohen Mutes auf die Burg. Bei spätsommerlichen Temperaturen genossen sie das gemütliche Beisammensein in dem sagenumwoben Ambiente des Burghofs. Auf dem Bücherflohmarkt konnten sie alte Wälzer gleich Kilogrammweise erstehen – oder bei einer Führung mehr über die Geschichte und die Mythen der Burg Hoheneck erfahren.

Ein warmer Herbstsonntag im September. Strahlend blauer Himmel, gleißendes Licht und über Ipsheim und den noch grünen Weinbergen strahlt die Burg Hoheneck in ganz besonderem Glanz. Für den Tag der offenen Tür wurde das alte Gemäuer herausgeputzt. „Schon die gesamte Woche vorher haben wir daran gearbeitet, die Burg in allen Ecken herzurichten“, erzählt Simon Haagen (30), Leiter der Burg Hoheneck, stolz. „Die Küche war sehr damit beschäftigt, die ganzen Torten und Kuchen zu backen. Die Blumenbeete wurden gepflegt, noch ein paar Reparaturen gemacht“, berichtet er, „und der Flur wurde sogar neu gestrichen.“

Simon Haagen, Burgleiter

Simon Haagen, Burgleiter

Die Vorbereitungen haben sich gelohnt, denn jetzt ist alles perfekt. Die fränkischen Bratwürste brutzeln am Grill vor sich hin und an der Theke wird Wein aus der Region ausgeschenkt. „Ich finde die Atmosphäre wirklich schön“, so Haagen, „alle sitzen entspannt beisammen. Und die Kinder können auf der Burg spielen. Überall gibt es etwas zu entdecken.“

Kinder wollen Ritter spielen

Das ist wahr. Vor den Burgtoren haben Kinder und Jugendliche einen Flohmarkt aufgebaut. Eine Impro-Theatergruppe gibt kleine Stücke zum Besten. Beim THW gibt es einige Parcours: Dosenwerfen und Holzsägen inklusive. Im Burghof können die Kleinen mit den Pädagogen der Burg spielen und basteln. Auch Noel (3) und Luca (5) sind mit ihrem Papa Udo Reuter aus Ickelheim dabei. „Mir gefällt es total gut hier“, sagt Noel begeistert, „immerhin haben hier mal echte Ritter gewohnt!“ Im Moment basteln sie Figuren aus Steinen. „Wir wollen später noch die ganze Burg anschauen“, erklärt Luca. „Mal sehen, ob es jetzt auch noch Ritter gibt!“, so Noel aufgeregt.

Waschechte Ritter, die gibt es hier wohl nicht mehr. Aber einige Sagen und Geschichten aus der Ritterszeit sind noch bis heute überliefert. Kein Wunder, immerhin soll es die Burg schon im Jahr 1132 gegeben haben. Damit die Besucher mehr über die Vergangenheit der Burg erfahren, gibt es Führungen.

Auch Alicia Mittelbach (19) nimmt an einer davon teil, an der Führung zu den mystischen Sagen. Alicia kommt eigentlich aus Bronnamberg. Heute ist sie extra in den Landkreis gefahren, um die Burg zu besuchen. „Eine Freundin, die hier aus der Gegend kommt, hat mir davon erzählt“, so Alicia, „und ich war sofort begeistert. Ich war mal in der Grundschule im Schullandheim auf der Burg. Schon damals fand ich es toll. Also habe ich die Chance genutzt, endlich mal wieder hierher zu kommen.“

Sagenhafte Erzählungen der Burg

Alicia Mittelbach, Besucherin

Alicia Mittelbach, Besucherin

Von der Führung über die Sagen ist sie fasziniert. Vor allem eine Geschichte hat es ihr angetan: Ein Ritter an der Burg verliebte sich in die zukünftige Frau des Grafen, also des Burgherrn. Er wünschte sich nichts mehr, als dass sie einmal seine Liebe erwidern würde. Letztendlich küssten sie sich – doch der Graf sah es. Er ließ den Ritter umbringen. Und um alle anderen zu warnen, die Finger von seiner Frau zu lassen, ließ er – so die Sage – das Herz des Ritters in einen Stein einfassen. Und diesen Stein, der sehr rund ist, gibt es noch heute auf der Burg. „Und wer darüber streicht, erhält der Legende nach ewige Liebe und Glück“, erklärt Alicia, „da der Ritter seinem Herzen gefolgt ist.“ Natürlich berührt auch sie, wie unzählige andere Besucher, hoffnungsvoll den runden Stein.

Danach verschwindet Alicia neugierig im eigentlichen Speisesaal der Burg. Doch der ist heute umfunktioniert – zur riesigen Bibliothek. Hier werden alte Bücher verkauft, aber nicht nach Stückpreis, sondern für zwei Euro pro Kilogramm. „Den Bücherflohmarkt gibt es schon sehr lange“, weiß eine Mitarbeiterin, „und dieses Jahr brachten uns die Leute Kofferräume voll mit Büchern zum verkaufen.“ Der Bücherflohmarkt kommt gut an. Rudolf Eberlein hat gerade zwei Kilo gekauft. „Die Auswahl ist einfach riesig“, schwärmt er beeindruckt.

Beeindruckt, das können die Besucher von der trutzigen Burg auch sein. Denn sie ist ein wichtiger Teil, des Landkreises. So kommen auf der einen Seite immer wieder jede Menge junger Leute aus den verschiedensten Himmelsrichtung auf die Jugendbildungsstätte. Und auch die Menschen aus der Region kommen gerne zur Burg, schon um ringsherum in den Weinbergen wandern zu gehen. Schön anzusehen ist sie doch allemal, die Burg Hoheneck, wie sie da über den grünen Wiesen und Wäldern der Region Neustadt/Aisch und Bad Windsheim thront und regelrecht zwischen den Bäumen hervorguckt. Ein richtiges kleines Wahrzeichen.

Erschienen in: der Fränkischen Landeszeitung im Lokalteil Neustadt/Aisch

Der Leiter der Burg, Simon Haagen ist erst 30 Jahre alt. Für den Tag der offenen Tür hat er sich ins Zeug gelegt, um den Besuchern möglichst viel zu bieten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: