Sonnenanbeter sind cleverer

In Erlangen haben Gymnasiasten eine Solaranlage für ihre Schule finanziert

Habt ihr in den Sommerferien auch oft faul in der Sonne gelegen? Während ihr im Sonnenschein relaxt habt, war die „Schülersolaranlage“ auf dem Dach des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Erlangen fleißig. In den Sommerferien hat sie genau 561,58 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt. Dass es die Solarzellen überhaupt gibt, ist dem W-Seminar „effektives Energiemanagement“ der jetzigen Q12 zu verdanken – und einigen Schülern, die Geld dafür gaben!

Ein W-Seminar zum Thema „effektives Energiemanagement“. Was soll das denn sein? Und wer wählt sowas überhaupt in der Schule? „Das ist das Richtige für jeden, der Spaß und Interesse an Physik hat“, erklärt Simon. Mit sieben anderen Jungs und sechs Mädels sitzt er seit vergangenem Schuljahr in diesem Seminar bei  Lehrer Harald Mönch.  In den zwei Stunden pro Woche beschäftigen sich die Schüler mit Themen wie Wärmedämmung, dem Energieverbrauch von Kühlschränken – und eben mit Solarthermie, also der Umwandlung von Sonnenenergie in Strom.

Das Albert-Schweitzer-Gymnasium besitzt schon seit langem eine Solaranlage. Aber das reichte den Seminarteilnehmern nicht. Ihrer Meinung nach sollte eine weitere her. „Und wir wollten, dass diese Anlage von den Schülern finanziert wird“, sagt Abiturientin Patrizia Schubert begeistert. Sie betreut das Projekt mit und schreibt ihre Seminararbeit über das Thema.

Also sprachen die W-Seminar Schüler mit Schulleitung und Elternbeirat, entwarfen Rundschreiben und Flyer. Der Grundgedanke: Sie wollen die Umwelt schützen – und ihren Mitschülern eine gute Geldanlage bieten. Die Gesamtkosten der Photovoltaikanlage betragen circa 9300 Euro.

Finanziert wurde das Ganze durch 93 sogenannte „Solarscheine“ à 100 Euro. Diese konnten von Schülern und deren Eltern im letzten Schuljahr erworben werden. Nach einer Laufzeit von fünf Jahren werden ihnen als Kreditgeber ihr Kapital und eine Verzinsung von jährlich fünf Prozent ausbezahlt.

Das Projekt kam bei Mitschülern und Eltern gut an. „Es wollten viel mehr Leute Anteile kaufen, als wir zur Verfügung hatten“, berichtet Patrizia. Deshalb konnten die Abiturienten noch etwa 40 Anteilsscheine mehr verkaufen und haben jetzt weitere Module bestellt.

„Es ist wichtig, Solarenergie zu fördern“, sagt Max, „immerhin sind die fossilen Brennstoffe irgendwann zu Ende. Wir brauchen Alternativen!“ Sein Banknachbar Raphael weist auf den wirtschaftlichen Aspekt hin: Immerhin lässt sich mit Solarenergie Geld sparen.

Bei der Montage der Solarmodule haben die Schüler mit angepackt. Unter Anleitung des Solarinstallateurs bohrten sie Löcher in Gerüst und Steine, um die Solarmodule zu befestigen. Dabei musste der richtige Winkel berechnet werden, in dem die Solarzellen aufgebaut werden sollten. Nur so können sie maximale Leistung bringen.

Und die Sonne liefert ganz schön viel Energie: Die Erträge der Schülersolaranlage betragen circa 3000 kWh jährlich. Damit können drei Prozent des Strombedarfs der Schule gedeckt werden. Das entspricht etwa dem Strombedarf eines Singlehaushalts in einem Jahr.

Und die Seminarteilnehmer? Die hat ihr Projekt persönlich weitergebracht. Fast die Hälfte der Seminarteilnehmer könnte sich vorstellen, später in der Energiebranche zu arbeiten, um etwas für den Umweltschutz zu tun. Aber jetzt müssen sie erst mal ihre Seminararbeiten schreiben – und im Mai Abitur machen. Die Solaranlage, die erzeugt derweilen weiterhin fleißig Strom.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: