Blattmacher gefunden!

Die Preisverleihung des bayerischen Schülerzeitungswettbewerbs

Ein Montagmorgen im Juli, halb elf: Vor ein paar Stunde herrschte in der Allerheiligen Hofkirche in München noch andächtige Stille. Jetzt tummeln sich unzählige Jugendliche in der Eingangshalle, allesamt Schülerzeitungsredakteure. Vor ein paar Monaten hatten sie ihre Schülerzeitung zum fünften bayerischen Schülerzeitungswettbewerb „Blattmacher gesucht“ der Süddeutschen Zeitung, des bayerischen Kultusministeriums und der HypoVereinsBank eingeschickt. Heute fällt die Entscheidung.

Alle kommen erst mal herein und staunen. Aus ganz Bayern sind die Schülerzeitungsredakteure angereist, um an der Preisverleihung des Blattmacher-Wettbewerbs teilzunehmen – und das in der Allerheiligen Hofkirche in München. Das hohe gewölbte Gebäude passt gut zu dem feierlichen Anlass.

Nur die Musik ist nicht andächtig, sondern wild und peppig: „The Mustard Tubes“ vom Chiemgau-Gymnasium in Traunstein spielen. Sie gelten als die beste Schülerband Deutschlands. Und natürlich darf auf so einem Event auch die Junge Presse Bayern (JPB) nicht fehlen. An einem Stand können sich die Schülerzeitungsredakteure Infos holen. Außerdem interviewen Redakteure der JPB eifrig die Schülerzeitungsredaktionen, für die Dokumentation zum bayerischen Schülerzeitungspreis, die von der JPB erstellt wird.

Dann betritt Annette Rammelsberger, Ressortleiterin des Bayernteils der Süddeutschen Zeitung die Bühne, beglückwünscht die Gewinner schon im Vorhinein. Sie bittet Wolfgang Krach, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, auf die Bühne. Er lobt die Schülerzeitungsredakteure dafür, dass sie sich auch außerhalb des Unterrichts zu Wort melden.

Schülerzeitung: überlegen, nachfragen, argumentieren

Wolfgang Krach spricht aus Erfahrung. Seine journalistische Karriere begann in der Schülerzeitung. Er findet es toll, was die Jugendlichen machen: „Denn es ist wichtig für die Schule und für die ganze Gesellschaft ist, dass sich junge Leute engagieren und nicht nur an sich selbst denken, sondern sich auch darum kümmern, was um sie herum los ist.“ Tosender Beifall!

Auch Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle ist heute höchstpersönlich anwesend, um die besten Schülerzeitungsredakteure Bayerns zu ehren. „Es ist wichtig, selber was zu machen, nachzudenken, zu argumentieren und Fragen zu stellen“, lobt Spaenle die jungen Nachwuchsjournalisten. Für ihn bedeutet Schülerzeitung machen, Selbstständigkeit einzuüben und Fakten auf den Punkt zu bringen. Und zu lernen, sich einer kritischen Öffentlichkeit zu stellen. Spaenle weiß, wovon er spricht. Früher – vor seiner Zeit in der Politik – hat er selbst als Journalist beim Bayerischen Rundfunk gearbeitet.

Danach ergreift Max Lehmann vom Talent Center der HypoVereinsBank das Wort. Auch er ist stolz, auf die Arbeit der Schülerredaktionen. Und würde solche engagierten jungen Leute auch gerne später bei der HypoVereinsBank sehen: „Wir schauen, wer das richtige Funkeln in den Augen hat.“

Engagement pur

Anschließend betritt ein Mann die Bühne, der’s wissen will: Stargast Willy Weitzel, der Moderator der Kindersendung „Willy will’s wissen“. Er findet, Schülerzeitungsmachen sei Engagement pur. Auf Preisverleihungen darf er öfter die Glücksfee spielen. Leider ohne Röckchen und Zauberstab, wie er an dem Tag meint, denn das wäre bei den heißen Sommertemperaturen angenehmer gewesen, als ein Anzug. Aber er freut sich, Preise, Glückwünsche und Küsschen verteilen zu dürfen. „Ich finde es super, dass ihr euch über das Notwendige in der Schule hinaus engagiert!“, lobt er die Schülerzeitungsredakteure.

Denn Willy, 38, ist selbst Journalist. Zuerst studierte er Theologie in München. Doch nach dem vierten Semester machte er ein Praktikum beim Kinderfunk des Bayerischen Rundfunks (BR) und wusste von da an, was ihm „im Leben richtig Spaß macht“. Doch auf der Preisverleihung begeistert Willy nicht nur die Kinder. Alle im Publikum – egal ob 8 oder 18 Jahre alt – lauschen gespannt, als Willy von den journalistischen W-Fragen erzählt.

Dann wird es ernst: Aufgeregt sitzen die Schüler auf ihren Plätzen. Die Sieger werden bekannt gegeben. Letztendlich darf jede Redaktion auf der Bühne ihren Preis entgegen nehmen – und Hände schütteln mit Spaenle, Willy und Co. Strahlend halten sie ihre Urkunden hoch. Für sie ist heute ein besonderer Tag, der mit einem leckeren Buffet, das von Starkoch Alfons Schuhbeck spendiert wurde, ausklingen soll.

Das sind die Sieger 2010:

Bei den Grundschulen landete der Muggenthaler der Grundschule Mindelstetten auf Platz 1. Die Schülerzeitung hat sich ausgiebig dem Thema Umwelt gewidmet. Platz 2 ging an die Maximilian von Bauernfeind Grundschule in Arzberg mit ihrer Schülerzeitung Tintenklecks. Und die Gänseliesl-Post der Grundschule an der Gänselieslstraße München hat sich den 3. Platz verdient.

Die Schülerzeitung Very Important News der Hauptschule in Auerbach sicherte sich in der Kategorie Hauptschule den 1. Platz. Das Titelthema über die Gefahren im Internet hat die Jury besonders beeindruckt. Knapp dahinter liegt der Volltreffer der Albert-Einstein-Volksschule Augsburg auf dem 2. Platz. Platz 3 erhielt die Schülerzeitung Leo der Leonhard-Wagner-Hauptschule in Schwabmünchen.

Bei den Förderschulen belegte das Schülermagazin King News der Christopherus-Schule Königsbrunn den 1. Platz. In der preisgekrönten Ausgabe schrieben die Schüler mit Lernschwäche über ihre Nachbarschüler mit Behinderung – und zeigten somit großes Interesse auch an anderen. Den 2. Platz machte die Zeitung Pippifax der Astrid-Lindgren-Schule Kempten und den 3. Platz der Eastsider der SFZ München Ost.

Die beste Schülerzeitung der Realschule ist dieses Jahr die iSchool der Realschule Taufkirchen. Die prämierte Ausgabe besticht durch das klare, lückenlose Layout und tiefgründige Beiträge. Den 2. Platz belegte der Vorjahressieger s’Viechtacher Woidschratzl der staatlichen Realschule Viechtach. Der 3. Platz ging an die Schülerzeitung Egon der staatlichen Realschule Hilpoltstein.

Den 1. Platz der Gymnasien sicherte sich die Schülerzeitung Louis des Ludwigs-Gymnasiums München. Die Redaktion beschäftigte sich mit dem Lauf der Dinge und des Lebens und bestach mit meinungsstarken Texten und einem stilvollen Layout. Den 2. Platz erhielt das St.-Gotthard-Gymnasium aus Niederalteich mit seiner Schülerzeitung Der Spickzettel. Und auf dem 3. Platz landete das Echo des Gymnasiums Wertingen.

In der Kategorie FOS und BOS belegte die Zeitung Wortwechsel der FOS/BOS Erding den 1. Platz. Mit ihrem Titelthema „Das Leben, eine Baustelle“ begeisterten sie die Jury. Platz 2 ging an die Schülerzeitung Paparazzi der FOS/BOS in Augsburg und Platz 3 an die Hawara der Beruflichen Schulen in Landsberg am Lech.

Außerdem gab es noch einige Sonderpreise zu vergeben: Die Schülerzeitung iSchool der Realschule Taufkirchen erhielt einen Sonderpreis für ihre hervorragenden Layoutkomposition. Die Schülerzeitung überrascht durch originelle Einfälle und gestalterischen Elementen. Auch an die Redaktion des Kurzschluss des Gymnasiums Marktoberdorf  ging ein Sonderpreis für ihr gelungenes und professionelles Layout. Vor allem die klaren Linien und Formen fallen sofort auf.

Das Schülermagazin Egon der staatlichen Realschule Hilpoltstein bekam ebenfalls einen Sonderpreis und zwar für ihre herausragende und niveauvolle Auseinandersetzung mit dem Schwerpunktthema „Sex“. Die langjährige Gewinnerschülerzeitung Innfloh des Ruperti-Gymnasiums Mühldorf am Inn erhielt einen Sonderpreis für hervorragende Gesamtleistung: vom professionellen Layout, über Sprachgewandtheit bis hin zu reflektierten Reportagen stimmt beim Innfloh alles.

Wir gratulieren allen Gewinnern nochmal ganz herzlich und können nur eins sagen: Weiter so!

Erschienen: im JPB-Magazin, das Mitgliedermagazin der Jungen Presse Bayern e.V. (Ausgabe 22)

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