Die Journalisten von morgen

Zwei Volontäre blicken nüchtern aber optimistisch in die Zukunft.

Medienkrise: Redakteursstellen werden gestrichen, Volontäre nicht mehr übernommen. Diejenigen, die gerade in einem Volontariat zu Journalisten ausgebildet werden, haben sich schon längst entschieden: Sie wollen Journalismus machen und nichts anderes. Trotz Krisenstimmung. Illusionen haben sie schon lange nicht mehr. Doch das ist kein Grund, gleich aufzugeben. Zwei Volontäre aus Nürnberg erzählen über ihre Erfahrungen. Warum es wichtig ist, nach Tarif bezahlt zu werden und  warum sie trotz Medienkrise an eine Chance im Journalismus glauben.

John Hennig (26) ist Berliner. In Leipzig studiert er Journalistik und Sportwissenschaft. In dieses Studium ist ein auf ein Jahr verkürztes Volontariat (Volo) integriert, das er gerade bei den Nürnberger Nachrichten (NN) absolviert hat. John ist überzeugt von dem was er tut – und will seinen eigenen Platz im Journalismus finden.

„Ich wollte Sportwissenschaft studieren, weil ich von Sport schon immer begeistert war. Aber ich wollte nicht reiner Trainer oder Sportwissenschaftler werden, also habe ich nach einer guten Kombination gesucht. Und da bot sich der Journalismus an. Als ich dann an der Uni  in Leipzig sowohl den Eignungstest für Sport, als auch den für Journalismus bestanden hatte, war die Sache klar.

Dass ich während meiner Studienzeit ein Jahr lang ein Volontariat absolviere, fand ich von Anfang an klasse. Eine richtige Praxisphase anstatt nur Theorie hat mich gereizt. Das war nun im vorletzten Studienjahr. Jetzt geht es für mich nochmal zurück an die Uni, um meine Diplomarbeit zu schreiben. Danach werde ich mich sofort wieder bei den NN melden – und hoffen, dass ich hierher bleiben zurückkommen darf.

Im Volo habe ich gelernt, wie Journalismus in einer richtigen Tageszeitung abläuft. Und wie ich mich innerhalb eines Ressorts in möglichst kurzer Zeit zu Recht finde. In einem funktionierenden Betrieb mitarbeiten, nicht nur Artikel schreiben, sondern mit dem Redaktionssystem klarkommen, Seiten layouten, das war eine großartige Erfahrung.

Einen Nachteil hat das einjährige Volo trotzdem: Ich durchlaufe die einzelnen Ressorts schneller, als ein regulärer Volontär. In der Foto-Redaktion war ich zum Beispiel leider nur eine Woche. Denn klar, ich hatte schon mal eine Kamera in der Hand und auch ein Fotoseminar besucht – aber da hätte ich noch viel mehr lernen können!

Dafür, dass man den Job noch ein paar Jahre machen und auch davon leben will, gibt es allerdings nichts Wichtigeres, als eine ordentliche Bezahlung. Immerhin sind wir nicht mehr nur Praktikanten. Wir arbeiten ganz normal im laufenden Betrieb mit. Das sollte auch wie bei uns durch eine Tarifbezahlung honoriert werden. Sonst grenzt das schnell an Ausbeutung.

Dass die Zukunftschancen im Journalismus und gerade im Print-Bereich nicht toll sind, lässt sich nicht weg reden. Viele sagen, die guten Leute werden trotzdem irgendwo unterkommen. Ich hoffe sehr, dass sich irgendwann erweisen wird, dass ich zu den halbwegs Tauglichen oder vielleicht sogar Guten gehören werde.

Mit Sportwissenschaft habe ich natürlich ein zweites Standbein. Ich bin letztendlich genauso Sportwissenschaftler, wie Journalist. Das heißt, ich könnte eben auch bei einem Verein arbeiten. Ich will das nicht ausschließen. Aber momentan ist mir der Journalismus viel zu wichtig.

Sowohl das Journalistik-Studium als auch das Volontariat würde ich sofort wieder machen – egal wie schlecht die Prognosen wegen der Medienkrise sind. Wir müssen uns eben an die Gegebenheiten anpassen. Es ist auch nicht so, dass uns vor fünf Jahren versprochen wurde, dass wir alle sichere Jobs bekommen. Aber ich finde, wir sind jung genug, um darauf flexibel zu reagieren. Wer überzeugt ist, dass er es in diesem Beruf zu etwas bringen kann, der bleibt auch dabei. Ich hoffe und glaube einfach, dass ich irgendwo meine Nische, meinen ganz persönlichen Platz im Journalismus finden werde.“

Christiane Fritz (27) kommt ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern. Momentan absolviert sie ein Volontariat bei der Nürnberger Zeitung (NZ). Ein Jahr ist schon vorbei, ein Jahr hat sie noch vor sich. In dem Volo bekommt sie Einblick in alle Ressorts der NZ, in denen sie bis maximal vier Monate mitarbeitet. Christiane hat schon viel gelernt – zum Beispiel, dass man als Journalist auch optimistisch sein muss, wenn es um Jobchancen geht.

„Ich will schon lange Journalistin werden. Mein Vater hat immer Zeitschriften mit nach Hause gebracht. Egal ob Focus, Spiegel, Stern oder unsere Tageszeitung, ich hab von klein auf oft darin gelesen. Bald wollte ich wissen, wie die Texte, die Bilder und das Layout entstehen – und irgendwann war klar: Ich will das später auch machen!

Nach dem Abi habe ich an der Universität in Erlangen amerikanische Literaturwissenschaft sowie Theater- und Medienwissenschaften studiert. Ich hatte vorher als freie Mitarbeiterin bei einer Tageszeitung gearbeitet. Dort hatte ich mich viel mit den Redakteuren unterhalten, die mir alle von einem reinen Journalistikstudium abrieten. Deshalb habe ich studiert, was mich interessiert.

Mir hat mein Studium gefallen und ich habe es durchgezogen. Das und ein möglichst guter Studienabschluss sind wichtige Voraussetzungen, um ein Volontariat zu bekommen. Und ein Volo ist wichtig, denn dabei lernst du das Handwerk. Ich finde, dass Journalismus viel Handwerk ist.

Während meinem ersten Volo-Jahr habe ich vor allem drei Dinge gelernt. Erstens: Kaltes Wasser ist gutes Wasser. Denn jedes Mal, wenn du in ein neues Ressort kommst, wirst du wieder rein geschmissen. Und am Ende habe ich immer gewusst: Es war gut so! Meine zweite lehrreiche Erfahrung war, dass man sich keine Vorstellungen von seinem Tag machen sollte – denn bei einer Tageszeitung wird er immer anders, als man denkt. Und drittens: Als Journalist sollte man sich bei Terminen Zeit für die Menschen nehmen. Denn die schönsten Geschichten erfährt man, wenn der offizielle Pressetermin vorbei ist.

Natürlich finde ich es wichtig, dass die NZ uns Volontäre nach Tarif bezahlt. Das zeigt, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird. Letztendlich muss aber jeder selbst entscheiden, ob er ein Volo auch dann macht, wenn es nicht nach Tarif bezahlt wird. Und selbstverständlich hoffe ich auch, dass ich nach den zwei Jahren bei der NZ bleiben darf, da ich die Arbeit in dieser Tageszeitung wahnsinnig spannend finde. Aber das entscheiden andere.

Doch eins ist sicher: Ein Volo ist ein guter Grundstein, auf den man aufbauen kann. Immerhin hört die Ausbildung nicht nach den zwei Jahren abrupt auf. Egal ob du in einem neuen Ressort oder bei einem ganz neuen Medium anfängst, es gehört immer ein Lernprozess dazu. Das ist einfach das, was du sowieso jeden Tag machst. Du lernst ständig neue Dinge und du lernst vor allem nie aus! Wenn man sich dessen bewusst ist und bereit ist, neue Dinge zu lernen und sich an Neues zu wagen, hat man – meiner Meinung nach – in dem Job immer gute Chancen.

Klar, die Medienkrise ist ein Problem. Aber die Krise hat auch fast jede Branche getroffen. Man muss für sich selbst entscheiden, ob der Beruf Journalist zu einem passt und ob man sowohl mit den Vor-, als auch den Nachteilen leben kann. Aber wenn man Spaß daran hat und diese Leidenschaft für Texte, Sprache und Menschen verspürt, dann findet sich bestimmt ein Weg. Vielleicht muss man da als angehender Journalist auch einfach Optimist sein.“

Erschienen im: JPB-Magazin, das Mitgliedermagazin der Jungen Presse Bayern e.V. (Ausgabe 22)

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