Doppelter Abijahrgang: Stress, Chaos – oder doch alles einfach?

Die Schulen im Landkreis sind auf jeden Fall gut darauf vorbereitet

(jeh) – Das neue Schuljahr hat längst begonnen und die ersten Klausuren stehen gerade so vor der Tür. Doch für die Schüler der 12. und 13. Klassen an bayerischen Gymnasien ist das alles andere, als ein ganz normales Schuljahr. Beide Jahrgänge machen 2011 ihr Abitur im sogenannten Doppeljahrgang. Fluch oder Segen? Die Gymnasien im Landkreis sind auf jeden Fall bestens dafür gerüstet. Schulleiterin Christina Spitzenpfeil des Friedrich-Alexander Gymnasiums (FAG) Neustadt/Aisch erzählt exemplarisch, was die Schule unternimmt, um die Schüler zu entlasten.

Studiendirektorin Christina Spitzenpfeil ist als Schulleiterin gerade ganz neu an das Gymnasium in Neustadt/Aisch gekommen. Und schon steht sie vor einer ganz besonderen Herausforderung: Zwei Jahrgänge machen in einem Jahr Abitur. Das liegt an der bayerischen Schulreform, die das Gymnasium von 13 auf 12 Jahre verkürzt. 2011 ist die Schnittstelle zwischen altem G9 und neuem G8 System. Das heißt, doppelt so viele Abiturienten sollen in diesem Schuljahr fertig werden. Am Gymnasium in Neustadt/Aisch bereiten sich in der 13. Klasse 130 Schüler, in der 12. Klasse 108 Schüler gerade auf ihr Abitur vor.

Für die Schulen, auch hier im Landkreis, bedeutet das vor allem eines: mehr Stress. Von den Lehrern müssen ab den Herbstferien die Seminararbeiten der 12. Klassen, ab den Weihnachtsferien dann sofort die Facharbeiten der 13. Klassen korrigiert werden. Sie müssen die doppelte Anzahl an Schülern auf das Abitur vorbereiten. Und ganz abgesehen davon müssen auch zweimal Abi-Prüfungen, zweimal Abi-Scherze und zweimal Abi-Feiern organisiert werden.

Gut geplant ist halb gewonnen

„Aber eigentlich ist vom Ministerium alles so vorgegeben, dass mit den Terminen nichts schief gehen kann“, sagt Studiendirektorin Spitzenpfeil. Die Abiturprüfungen für den letzten Jahrgang des G9 wurden um circa sechs Wochen vorverlegt. Sie finden also schon im März und April 2011 statt. „Das entzerrt die zwei Abiturjahrgänge“, so Spitzenpfeil, „Und keine Angst, der Lehrplan wurde gekürzt.“ Das heißt, die Schüler aus dem G9 müssen den Stoff, den sie durch das verkürzte Schuljahr verpassen, nicht im Abitur können. Aber dank der frühen Prüfungen könnten sie schon ab dem Sommersemester mit ihrem Studium beginnen. Die Schüler aus dem G8 schreiben ganz normal im Mai und Juni ihre Prüfungen und studieren regulär ab Oktober.

Weiterer Punkt, der den Schülern aus der 13. Klasse Zeit erspart: sie schreiben im zweiten Schulhalbjahr in den Leistungskursfächern nur noch eine Schulaufgabe – anstatt wie bisher zwei.

„Natürlich sind viel mehr Lehrer im Einsatz. Die Kollegen haben dieses Jahr überhaupt keine Ferien, weil ständig Korrekturen anstehen.“ Trotzdem bleibt Spitzenpfeil optimistisch. Die Schule hat das im Griff.

Denn das Friedrich-Alexander Gymnasium in Neustadt hat selbst einige Maßnahmen ergriffen, um den Abiturienten des Doppeljahrgangs den Schulalltag zu erleichtern. „Unsere Stundenplaner haben sich sehr viel Mühe gegeben“, sagt Spitzenpfeil, „deshalb haben in der 13. Klasse bis auf ein paar Ausnahmen alle nur an einem Nachmittag pro Woche Unterricht“. Das heißt, die Schüler können ihre freien Nachmittage intensiver zum Lernen und zur Abiturvorbereitung nutzen.

Auffangnetz für den Notfall

Außerdem: wenn die Leistungen eines Schülers der K13 (Kollegstufe 13) zu schlecht sind, er also zu oft „unterpunktet“, würde er im Normalfall nicht zum Abitur zugelassen. Aber damit jetzt keiner sitzen bleibt und die zwei Jahrgänge nicht kollidieren, gibt es eine Feststellungsprüfung. „Das ist wie ein Auffangnetz“, erklärt Spitzenpfeil.

Durchfallen,  das wäre in der K13 schlecht. Denn das Abitur im zwölfjährigen Gymnasium ist ganz anders aufgebaut. Schon  allein deshalb, weil die Abi-Prüfungen verpflichtend in Mathe, Deutsch und einer Fremdsprache abgelegt werden müssen. Deshalb hat das bayerische Kultusministerium auch einen frühen Nachtermin für die Abiturienten aus dem G9 festgelegt, die das Abitur nicht bestehen. Schon im September 2011 können sie die Prüfungen wiederholen – und dann immerhin wie die aus dem G8 zum Wintersemester mit dem Studium beginnen.

Aber nicht nur die K13 hat Vorteile. Auch in der Q12 (Qualifikationsstufe 12) soll den Schülern das Leben jetzt nicht unnötig schwer gemacht werden. Denn dort gilt generell eine, wie Spitzenpfeil sagt, günstige Notenberechnung. Mündliche und schriftliche Noten werden eins zu eins verrechnet. „Wer also im Schriftlichen Probleme hat, kann das mit guten Referaten und mündlicher Mitarbeit im Unterricht schnell wieder wett machen“, berichtet die Schulleiterin.

Außerdem werden alle Oberstufenschüler von zwei Oberstufenkoordinatoren betreut. Sie helfen bei Problemen und Fragen. Ebenfalls hilfreich ist die Lo-net-Plattform des FAG. „Das ist eine geschützte Informationsplattform im Internet“, erklärt Spitzenpfeil, „die Lehrer stellen Arbeitsblätter und Broschüren darauf, die Schüler könne von Zuhause aus nachschauen.“

Abitur – und dann!?

Das größte Problem sieht Schulleiterin Spitzenpfeil weder bei den Schülern und ihren Abiturprüfungen, noch bei den Lehrern. „Richtig schwierig wird es nach dem Abitur“, meint sie. Denn obwohl bis zum Jahr 2011 in Bayern 38.000 zusätzliche Studienplätze neu geschaffen werden sollen, wird es keine flächendeckenden Angebote für einen Studienbeginn zum Sommersemester geben.

Hinzu kommt, dass den Abiturienten der K13 nur wenig Zeit zwischen Abitur und Uni-Start im Sommersemester bleibt. „Da bleibt keine Zeit, mal richtig durchzuschnaufen, so wie das andere Abiturjahrgänge konnten“, sagt auch die stellvertretende Schulleiterin Elke Frey. Christina Spitzenpfeil stimmt ihr zu: „So wie ich das mitbekomme, überlegen viele Schüler, ob sie noch etwas dazwischen schalten. Sei es ein freiwilliges soziales Jahr, einen Auslandsaufenthalt oder ein Praktikum.“

Trotz allem wollen Spitzenpfeil und ihre Kollegen gelassen an den Doppeljahrgang heran gehen. Und sie wollen Schüler, Eltern, Lehrer, Schulpsychologen und Studienfachberater der Uni Erlangen-Nürnberg ins Gespräch bringen. Deshalb gibt es am Dienstag, den 9. November ab 19.00 Uhr in der Mensa des Friedrich-Alexander-Gymnasiums Neustadt/Aisch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Doppelter Abiturjahrgang – und keiner redet mit uns!?!“.

„Das soll allen die Möglichkeit geben, über Sorgen und Nöte offen zu sprechen“, so Spitzenpfeil. „Leider haben wir, als Schulleitung, keine Lösung für die Situation der Schüler nach ihrem Abitur“, fügt sie hinzu, „doch wir können dafür sorgen, dass hier an der Schule eine entspannte Atmosphäre herrscht und dass alles geregelt ist.“

Info: Natürlich engagieren sich auch die anderen Gymnasien im Landkreis dafür, dass im Doppeljahrgang alles glatt läuft. Hier erzählen sie, wie die Situation bei ihnen ist:

Am Gymnasium Scheinfeld bereiten sich gerade 54 Schüler in der K13 und 72 in der Q12 auf ihr Abitur vor. Auch hier hat gute Organisation oberste Priorität. „Unsere beiden Oberstufenkoordinatoren betreuen jeweils einen dieser Jahrgänge“, erklärt Studiendirektor und stellvertretender Schulleiter Alfred Munzert, „aber sie arbeiten eng zusammen, so dass eine Abstimmung bei den jeweils zu bewältigenden Aufgaben erfolgen kann.“ Weitere Aufgabe der Oberstufenkoordinatoren: sie erstellen einen, sie Munzert sagt, „minutiösen Terminplan“ für G9 und G8. „Außerdem gibt es an unserer Schule auch zusätzliche Dienstbesprechungen“, fügt Munzert hinzu. Die offiziellen Termine für die Abi-Feiern sind der 2. Mai und der 1. Juli 2011. „Aber da der 2. Mai ein Montag ist, könnte es sein, dass die Schüler da zwar ihr Zeugnis abholen können, aber gerne eine Feierlichkeit zu einem günstigeren Zeitpunkt stattfindet“, sagt er.

An der Christian-von-Bomhard-Schule in Uffenheim machen 2011 in der K13 36, in der Q12 32 Schüler Abi. Sie werden von einem Oberstufenkoordinator betreut, dem zur Unterstützung noch ein weiterer Lehrer zur Seite steht. „Spezielle Vorbereitungen gibt es bei uns nicht“, meint Studiendirektor und Oberstufenkoordinator Werner Krüger, „aber das Wichtigste für einen reibungslosen Ablauf ist die möglichst frühzeitige Planung der einzelnen Abläufe.“ Auch er findet, dass durch den Doppeljahrgang und den „engen Zeitplan“ eine höhere Belastung auf die Lehrer zukommt. Die Abschlussfeier der Q12 findet regulär am 1. Juli statt. „Für die K13 steht der Termin noch nicht fest“, so Krüger.

In Bad Windsheim am Georg-Wilhelm-Steller Gymnasium sind aktuell 75 Schüler in der K13 und 68 in der Q12, die 2011 zum Abitur antreten. „Die detaillierte Planung für das Abitur der K13 ist schon abgeschlossen“, berichtet Schulleiter Dr. Wolfgang Ingrisch. Er weiß: „Für die Schule bedeutet die große Zahl abzunehmender Prüfungen natürlich eine terminliche Enge, so dass andere schulische Projekte und Fahrten etwas zurücktreten müssen.“ Selbst für die Schüler sei der Doppeljahrgang eine Umstellung. „Manches ist anders, als in den Vorjahren. Die Facharbeiten müssen früher fertig sein, die Vorbereitungen auf das Abi eher beginnen“, sagt er. Die Abschlussfeier der K13 findet am 6. Mai statt, die formelle Zeugnisübergabe jedoch schon am 2. Mai. Die Q12 wird auch hier am 1. Juli verabschiedet.

Erschienen in: der Fränkischen Landeszeitung / Lokalteil Neustadt-Aisch

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