Heidi, meine beste Freundin!

Germany’s Next Topmodel: Wie sind die Mädels drauf, die zum Casting gehen?

Germany’s Next Topmodel geht in die nächste Runde. In ganz Deutschland laufen derzeit Castings. Am Wochenende war der Model-Zirkus im Nürnberger Maritim-Hotel zu Gast. Hunderte junge Mädels kamen zum Schaulaufen – und hofften auf ihren großen Durchbruch als Topmodel!? Das wollten wir genau wissen: Deshalb hat sich Jennifer Hertlein (19) mit ihrem Kumpel Marc Gelnar (21) beim Casting unter die Anwärterinnen auf den Titel „Topmodel“ gemischt.

Natürlich habe ich meinen Freunden von dem Vorhaben erzählt. „Ich gehe zu Germany’s Next Topmodel, weil…“ Leider konnte ich den Satz nie beenden. Jedes Mal fiel mir mein Gegenüber ins Wort: „Was? Du bewirbst dich als Topmodel?“ Freundinnen sagten dann: „Wie geil, ich drück dir die Daumen!“ Freunde entgegneten entsetzt: „Wie krass! Was willst du bei der komischen Sendung?“

Deshalb war es auch gar nicht leicht, eine männliche Begleitung zu finden. Schließlich konnte ich meinen Kumpel Marc bequatschen mitzukommen. „Mich interessiert, warum sich die Mädchen das antun“, meint er.

Vor dem Hotel treffen wir auf eine riesige Schlange. Die Mädels warten in der Kälte darauf, endlich ihre Topmodel-Qualitäten unter Beweis stellen zu dürfen. In entsprechendem Outfit, versteht sich. Auch ich habe mich für den Anlass mehr gestylt als sonst. Minirock musste sein. Aber jetzt hätte ich gern ein großes Schild, auf dem „Presse“ steht – damit keiner denkt, ich würde mitmachen!

Wir gehen in den Casting-Vorraum. Hier bekommt jedes Mädchen eine Nummer – und darf noch mal auf den großen Auftritt warten. Marc kommt sich komisch vor. Er ist der einzige Mann weit und breit, abgesehen von ein paar Securitys. Viele der Mädchen haben zwar ihren Freund zur Unterstützung dabei. Aber die müssen draußen warten.

„Ich komme mir so klein vor“, sagt Marc, obwohl er 1,85 Meter ist. Topmodels sollten eben eine Mindestgröße von 1,72 Meter mitbringen – High Heels nicht mitgerechnet. Die machen die meisten noch zwölf Zentimeter größer.

Fette Make-up-Schicht

Wir begutachten die Mädels. Viele tragen wahnsinnig kurze Röcke. Gut sehen sie alle aus, finde ich. „Aber nur von weitem“, widerspricht mir Marc. „Wenn du näher hinschaust, sind viele nicht so hübsch. Vor allem nicht mit so viel Make-up im Gesicht.“

Ihre hohen Schuhe haben viele ausgezogen und stehen barfuß auf dem Teppich. Kann ich gut nachvollziehen: Auch ich trage hohe Schuhe. Wir quatschen mit ein paar Mädchen, die sichtlich nervös sind und alle drei Minuten Haare und Rock zurechtzupfen. „Ich mache hier mit, weil es schon immer mein Traum war“, erklärt uns Sophia (17). Diese Antwort bekommen wir verdammt oft zu hören. „So naiv“, meint Marc leise und verkneift sich das Lachen.

Und alle erzählen uns, sie hätten heute früh gar nicht lange gebraucht, um sich fertig zu machen. Nur zehn Minuten oder eine halbe Stunde. Glauben wir ihnen sofort!

Manche Mädchen versuchen zum zweiten Mal ihr Glück beim Casting. Zum Beispiel Christin (22), die das Prozedere schon kennt. „Im Bewerbungsraum läuft jede nur ein einziges Mal hin und her“, erzählt sie. Feedback von der Jury gibt es nicht. In Zehnergruppen rücken die Mädels in den Bewerbungsraum vor. Wer der Jury auf Anhieb gefällt, darf ein zweites Mal laufen und wird fotografiert. Doch eine Zusage für die Sendung ist das noch nicht. Erst Mitte November erfahren die Fotografierten, ob sie in die nächste Rund aufrücken. „Das ist doch nur Fleischbeschau“, findet Marc.

Wir treffen zwei Mädels, die sich verdammt ähnlich sehen: Beide platinblond gefärbte Haare, groß, schlank – und sie haben sogar den gleichen Namen. Sind die geklont? „Es ist so schade, dass Heidi nicht hier ist!“, sagt eine traurig. Marc und ich sehen uns grinsend an. Die beiden reden von „Heidi“ Klum, als wäre sie ihre beste Freundin.

Christin kommt zurück aus dem Bewerbungsraum. Und, weiter? „Nein, leider wieder nicht.“ Sie zuckt mit den Schultern. Andere haben fast Tränen in den Augen. Wirklich viele kommen anscheinend nicht weiter. Zumindest sehen wir niemanden.

Marc und ich sind froh, als wir wieder draußen sind. „Ich dachte, wir würden sehen, dass die ganzen Vorurteile nicht stimmen“, sagt Marc. Wir lachen. Und ich bin froh, dass ich meine hohen Schuhe ausziehen darf.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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2 Responses to Heidi, meine beste Freundin!

  1. Anna sagt:

    Hihi auch mal ganz spannend quasi den wahren Blick ins Geschehen zu sehen, hast du schön dargestellt, da lohnt sich doch das wiederkommen.

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