Nudeln essbar machen ist auch kochen!

Zum selbstständigen Leben in der eigenen Studentenbude gehört auch die Sorge um die Verpflegung

Raus aus dem Elternhaus, rein in die eigene Studentenbude – was für ein Abenteuer! Aber zu diesem Abenteuer gehört es auch, selbst für die Verpflegung zu sorgen – und zu kochen. Halt. Stopp! Kochen? Wie geht das denn? Für Anfänger gilt: learning by doing – auch wenn’s mal schiefgeht.Kochen? Ganz ehrlich, davor hatte ich am meisten Bammel, als ich zum Uni-Start in meine erste eigene Wohnung zog. Ich gestehe: Ich gehöre nicht zu denen, die daheim schon zigtausend Mal die Eltern oder Freunde bekocht haben.

Jetzt wohne ich alleine, will eine selbstständige Studentin sein – und dazu gehört es natürlich auch, sich selbst zu verpflegen. Tatsächlich habe ich von neuen Kommilitonen – wohlgemerkt von männlichen Kommilitonen – gehört: „Kochen? Ach, das kann doch jeder!“ Also kann es ja nicht so schwer sein.

Die erste Frage ist natürlich: Was koche ich überhaupt? Ja, ich habe zum Einzug in die eigene Studentenbude mindestens drei Kochbücher geschenkt bekommen. Die Rezepte klingen richtig lecker. Aber die Zutaten habe ich nicht da.

Irgendwie ist das unpraktisch. Soll ich mir, wenn ich Hunger habe, erst mal ein Rezept aussuchen, dann dementsprechend einkaufen gehen und anschließend erst mit Kochen anfangen? Bis dahin verhungere ich ja! Fazit: Ich koche mit dem, was da ist.

Nudeln, die liegen im Schrank, und die sind immer gut. Nudeln mit Tomatensoße und frischem Gemüse. Genau darauf habe ich jetzt Appetit. Ich werfe einen kurzen Blick auf meine zwei vorhandenen Tomaten. Daraus Soße machen? Nein, da greife ich doch lieber zur fertigen Tomatensoße im Glas. Das ist zwar absolut klischeehaft, aber es geht einfach schneller!

Also Tomatensoße in den Topf und zum Kochen bringen. Nudeln ebenfalls in einen Topf und ebenfalls zum Kochen bringen. Aber halt! Wie viele Nudeln esse ich denn überhaupt? Gerade habe ich eine große Hand voll in den Topf geworfen. Ich habe allerdings riesigen Hunger, weil ich erst von der Uni heimgekommen bin und denke mir: „Das reicht doch nie!“ Lieber noch eine Hand voll hinterher.

Während alles schon langsam kocht, schneide ich gemütlich Paprika, Zwiebeln und Tomaten klein. Die sollen mit in die Soße. Oh nein! Mist! Die Nudeln kochen über. Schnell springe ich auf, drehe die Herdplatte runter und probiere eine Nudel. Die sind schon fast fertig.

Aber das Gemüse ist noch nicht mal im Topf. Ich muss schneller schnippeln! Oder die Nudeln nochmal runterdrehen? Oh je. Ich beeile mich mit der Paprika und – das war knapp – schneide mir fast in den Finger. Kochen muss schnell gehen! Also rein mit dem Gemüse. Aua, der Topf war heiß! Schnell den Finger unters kalte Wasser.

Puh. Die Nudeln schütte ich schon mal in das Sieb. Dann würze ich die Soße noch ein bisschen mit Cayenne-Pfeffer nach. Damit hatte neulich eine Freundin in ihrer WG gekocht, und das hat richtig gut geschmeckt. Deswegen hatte ich mir gleich ein Glas gekauft, und das will ich jetzt natürlich selbst probieren. Aber da ist mir klar: nicht zu viel, sonst kann ich das nicht mehr essen.

Ein paar Minuten später sitze ich wirklich mit einem großen Teller Nudeln mit Tomatensoße und Gemüse an meinem Küchentisch und streue noch Käse darüber. Vorsichtig steche ich mit der Gabel in eine Nudel, stecke sie in den Mund, kaue – und strahle übers ganze Gesicht.

Mission erfüllt, das Kochen ist geglückt! Das Ganze schmeckt richtig lecker. Da vergesse ich auch gleich meinen verbrannten Finger. Plötzlich bin ich stolz und komme mir noch ein bisschen erwachsener vor als sonst. Da ist es auch ganz egal, dass ich viel zu viele Nudeln gekocht habe. Die kann ich morgen auch noch essen.

Am nächsten Tag erzähle ich einer Freundin in der Uni ganz glückselig, dass ich endlich das erste Mal selber gekocht habe. Neugierig will sie wissen was, und ich erzähle natürlich gerne von meinem Erfolg. „Du hast Nudeln gemacht? Aber das ist doch nicht kochen!“, meint die Freundin entrüstet.

Autsch. Mein neu erworbenes kochbedingtes Selbstwertgefühl sinkt wieder. „Natürlich ist Nudeln machen auch kochen“, entgegne ich ein bisschen beleidigt, „oder zumindest ein Anfang!“ Denn für ein Fünf-Gänge- Menü brauche ich erst noch ein bisschen Übung. Oder ich suche mir einfach einen Freund, der kochen kann und das für mich übernimmt!

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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