Feiern ja – Hirn ausschalten nein!

Studenten im 1. Semester berichten über ihre ersten Wochen an der Uni

Für die Erstsemester an der Uni hatte ein ganz neuer Lebensabschnitt begonnen. Jetzt sind die ersten zwei Monate so gut wie rum und die Anmeldung zu den ersten Prüfungen läuft. Die Eingewöhnungsphase ist vorbei. Wie fühlt man sich nach zwei Monaten in neuer Umgebung, voller neuer Eindrücke und neuer Freundschaften? Vier Studenten aus dem 1. Semester ziehen Bilanz.

Wo ist denn die Zeit hin? Die Uni hat doch gerade erst angefangen! Das denkt sich Philipp Singer (19) oft. Er kommt aus der Nähe von Bayreuth und studiert an der Technischen Fakultät in Erlangen. Die Stadt gefällt ihm: „Nicht zu groß, nicht zu klein und eine richtige Studentenstadt.“

Trotzdem hatte er zu Beginn Probleme. „Ich musste mich in der komplett neuen Umgebung erst mal zurecht finden, mein Leben das erste Mal ganz alleine managen, meinen Tagesablauf weg von daheim auf die Reihe kriegen.“ An all das hat sich Philipp mittlerweile gewöhnt. „Es war am Anfang echt chaotisch, aber dann kriegt man trotzdem alles irgendwie auf die Reihe.“

Sein Kommilitone Alexander Heitbrink (19) aus Nordrhein-Westfalen sieht es ähnlich. „Nicht mehr daheim zu wohnen, ist geil“, sagt er begeistert, „keine nervigen Eltern mehr. Wobei ich meiner Mutti echt danken muss, dass sie mir alles beigebracht hat, was ich jetzt hier brauche!“ Er lacht. Alleine wohnen, das ist mit viel Verantwortung verbunden – wie er selbst erfahren hat: „Man sollte eben nicht mehr den Schlüssel vergessen.“

Für Alex waren die ersten Wochen vor allem Party! „Das gehört im 1. Semester dazu, schon um die Leute kennenzulernen!“ Am Anfang war er fast jeden Tag feiern. Langsam wird es weniger. „Jetzt kann ich mich mehr ums Studium kümmern“, sagt er nachdenklich.

Das muss auch Sabrina Huck (19) aus Lahr in Baden-Württemberg. Sie studiert Politikwissenschaft und Öffentliches Recht. Und obwohl die meisten Prüfungen erst später sind, sitzt sie schon jetzt öfters in der Bibliothek. Denn die Kurzarbeit muss sie noch vor den Weihnachtsferien abgeben. Und eine Teilklausur will auch noch bestanden werden.

Sabrina hatte gehofft, dass Uni anders ist als Schule, dass sie mehr selbst machen und denken darf. Aber sie hatte auch Angst, dass sie sich überfordert fühlt. Heute kann sie sagen, dass ihr das Studium sehr gut gefällt. Aber: „Es ist auch eine große Umstellung! An der Uni brauche ich viel mehr Disziplin und eigenes Engagement.“ Das ist manchmal anstrengend. Aber sie ist zufrieden.

Auch damit, dass sie wenige Wochen nach Studienbeginn schon ein Studium quasi „geschmissen“ hat. Denn im Oktober hatte sie sich für Politik und Anglistik eingeschrieben. „Mir hat Englisch sprechen und lesen immer Spaß gemacht“, erklärt sie. Doch Anglistik an der Uni war ihr zu theoretisch: zu viel Linguistik, zu viel Literatur. „Wenn ich gut Englisch lernen will, dann mache ich lieber ein Auslandssemester“, meint sie jetzt.

Von Kommilitonen hatte sie viel über das Nebenfach Öffentliches Recht erfahren. Das hat sie schnell begeistert. „Es passt einfach sehr viel besser zu Politik.“ Und auch dazu, dass sie später vielleicht beim Auswärtigen Amt arbeiten möchte.

abrina engagiert sich in der Politik-Fachschaft. „Da lerne ich viele Leute kennen, und das ist auch fürs Studium wichtig!“ Ohne Teamwork, findet Sabrina, geht an der Uni gar nichts. „Man braucht Freunde, die einem mal was erklären, wenn man es in der Vorlesung nicht kapiert hat. In der Schule hat sie selten mit anderen gelernt. Für die Prüfungen in der Uni hat sie es ganz fest vor.

Die Prüfungen an der Uni beginnen meistens im Februar. Und daran verschwenden Erstsemestler doch noch keinen Gedanken – oder doch? „Natürlich!“, sagt Jura-Studentin Manolya Borucu (20) aus Fürth. „Und ich versuche sogar daran zu denken, dass wir im Gegensatz zu anderen nach acht bis zehn Semestern auf ein Staatsexamen hinarbeiten.“

Sie will nicht nur „blind“ für die nächste Klausur lernen, nur um danach alles zu vergessen. „Ich will mir zumindest einen Überblick über das Thema zusammenstellen, mit dem ich auch später noch etwas anfangen kann“, erklärt sie. Und sie macht sich schon Gedanken über Praktika und was sie so alles machen müsste, um ihre Ziele zu erreichen.

Die Zukunft ist also gar nicht so weit weg. „Vor allem können wir uns seit kurzem für die Prüfungen anmelden. Da denken wir alle irgendwie schon, jetzt müssen wir mal langsam ranklotzen!“, fügt Philipp hinzu und schlägt sein Lehrbuch auf.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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