40 Jahre Junge Presse Bayern e.V.

Medien – politisches Engagement – Freunde – Teamwork – Leidenschaft

Im November feierten wir, die Junge Presse Bayern, mit einem Jugendpressefest unser 40jähriges Bestehen. In der Villa Leon in Nürnberg trafen junge Medienmacher auf alte JPB-Hasen. Alle haben eins gemeinsam: eine ungebremste Leidenschaft für unseren Verein. Sie tauschten Geschichten, Erfahrungen und die ein oder andere lustige Anekdote aus und beschäftigten sich gemeinsam mit der Vergangenheit und der Zukunft der JPB.

Die Jugendpresse hat in Bayern eine lange Tradition. Der Journalist Walther von La Roche gründete 1951 die „Presse der Jugend“ als Verband bayerischer Schülerzeitungen. 1970 entstand dann die Folgeorganisation, unsere „Junge Presse Bayern“, die zu Beginn politisch umkämpft war.

Politische Kämpfe und Zensur

Um diese „Flügelkämpfe“ ging es auch auf dem Podium beim Jubiläum. Aus jedem Jahrzehnt der JPB-Geschichte fand sich ein Vertreter auf dem Podium. So diskutierten also Günther Witsch, Wolfgang Taubert, Peter Lokk, Walther Schneeweiß, Kilian Geißler und Michael Hallermayer miteinander. Früher waren Flügelkämpfe an der Tagesordnung, erzählen die Ehemaligen. Genauso wie die Frage, ob sich die JPB hauptsächlich als politischer Verband sieht oder als Dienstleister, der für junge Medienmacher vor allem Seminare anbietet. Heute ist die JPB gemäßigter und versucht beides miteinander zu vereinen.

In der Diskussion war klar: gestern wie heute ist die Zensur eines der zentralen Themen der JPB. Früher durften Schuldirektoren noch kräftig zensieren und ließen Schülerzeitungen schwärzen. Mittlerweile sollte das nicht mehr so sein. Denn 2006 konnte der Verein einen Erfolg erzielen. Das bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen wurde geändert. Schülerzeitungen können seitdem in eigener Verantwortung erscheinen.

Trotzdem gibt es noch viel Zensur. Da ist sich der aktuelle Landesvorstand der JPB sicher. „Gerade Schulleiter versuchen häufig aus falsch verstandener Sorge um den Ruf der Schule Kritik in den Blättern am Schulalltag zu verhindern“, erläuterte Landesvorstand Dominik Mai. Michael Hallermayer sagt auf dem Podium, er wünsche sich für die Zukunft mehr Schülerzeitungsmacher, die von dem 2006 durchgesetzten Recht auch Gebrauch machten. Das Problem, wie Michael Hallermayer meint, sei, dass sich immer weniger Schülerzeitungen trauten, bei einem Zensurfall wirklich an die Öffentlichkeit zu gehen.

Schülerzeitungssterben durch das G8!?

Ein weiteres Problem, das beim Jubiläum zur Sprache kam: Wegen des in Bayern eingeführten G8 und dem damit verbundenen steigenden Schulstress, haben immer weniger Schüler Zeit, sich in einer Schülerzeitung zu engagieren. Dabei können Schüler beim Zeitungsmachen viel lernen: sie arbeiten selbstständig, machen sich Gedanken zu den verschiedensten Themen und können sich medial ausprobieren. Auch Wolfgang Taubert, ehemaliges JPB-Mitglied, macht auf dem Podium deutlich, dass das Schülerzeitungsmachen wichtig ist: „Man entwickelt dabei den Mut, seine eigene Meinung zu sagen!“

Neben der Podiumsdiskussion bleibt natürlich genug Zeit für persönliche Gespräche. Die Ehemaligen schwelgen in Erinnerungen, die jetzigen Macher der JPB lauschen gespannt. Und sie sehen sich alle gemeinsam die JPB-Ausstellung an. In einem Mülleimer, auf dem „Schreiben für die Tonne“ steht, finden sich zum Beispiel verschiedenste Zensurfälle. An einer Wand hängen alle T-Shirts der vergangenen Jugendmedientage. Auf einer Landkarte sieht man, wie viele Kilometer JPB-Mitglieder eigentlich für ihren Verein im Freistaat und in ganz Deutschland herumreisen. Und die Artikel aus dem Pressespiegel, die an vergangene Aktionen und Events erinnern, sind tatsächlich auf einen richtigen Spiegel geklebt. Dann berichten die ehemaligen JPBler in Erzählcafés noch detaillierter von ihren Erfahrungen.

JPB ist Leidenschaft

Anschließend gibt es eine kleine Überraschung: ein Spiel. JPB-Mitglied Tina Metallinos moderiert „Eins, zwei oder drei“ mit Fragen rund um die JPB. Wo wurde unser Verein gegründet? Welcher Politiker war kein Mitglied der JPB? Oder wie oft gab es schon Jugendmedientage? Die Spielteilnehmer hüpfen von einer Stuhlreihe zur nächsten, lachen, erzählen Hintergrundgeschichten und versuchen, alle Fragen richtig zu beantworten.

Gegen Abend verleiht die JPB in  Zusammenarbeit mit der NN noch den Fränkischen Schülerzeitungspreis. Und dann wird der Film über die JPB gezeigt, den die Hooffacker Journalistenakademie gedreht hatte. Eindrücke vom Bodenseecamp, den Jugendmedientagen und anderen Veranstaltungen. Gänsehautfeeling, bei so viel Wir-Gefühl.

Danach knallen die Sektkorken und das Buffet ist eröffnet. Strahlende Gesichter wo man nur hinblickt. Und wieder mal sind sich alle einig: egal wie viel Stress und Nerven einen dieser Verein das ein oder andere Mal bereits gekostet hat – wir haben schon viel gemeinsam geschafft, es macht riesig Spaß und wir haben viele gute Freundschaften geschlossen. Und mal ganz ehrlich – egal ob Ehemalige oder Aktive – wir könnten uns doch alle kein Leben ohne die JPB vorstellen! Auf die nächsten 40 Jahre!

Gewinner des FSZP

Bei unserem Jubiläum hat die JPB zusammen mit den Nürnberger Nachrichten auch wieder den Fränkischen Schülerzeitungspreis (FSZP) verliehen.

In der Kategorie Realschule siegte die Schülerzeitung „Egon“ der Staatlichen Realschule Hilpoltstein mit ihrem gut aufbereiteten Titelthema Sex. Die Freude über den ersten Platz war bei den Egon-Redakteuren riesig – immerhin hatten sie dieses Jahr auch schon beim bayerischen Schülerzeitungswettbewerb einen Preis abgeräumt. Den zweiten Platz der Realschulen belegte die „Bildungslücke“ der staatlichen Realschule Bad Kissingen. Dicht gefolgt von „adam rockt“ der Nürnberger Adam-Kraft Realschule auf Platz drei.

Den 1. Platz der Gymnasien sicherte sich die Schülerzeitung „Vox“ des Gymnasiums Ernestinum aus Coburg. Platz 2 belegte die Redaktion des „Neumann’s Blättle“ vom Balthasar-Neumann Gymnasium Marktheidenfeld. Und der 3. Platz ging an die Schülerzeitungsredakteure des Arnold-Gymnasiums Neustadt bei Coburg mit ihrer „olymp“.

Den mit 500 Euro dotierten Günther Witsch Sonderpreis erhielt das Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth für ihre ebenfalls bereits mehrfach ausgezeichnete Schülerzeitung „mwgXpress“.

Wir gratulieren allen Gewinnern des FSZP noch mal ganz herzlich. Ihr habt wirklich gute Schülerzeitungsarbeit geleistet – weiter so!

Kurzinterviews zum Jubiläum

Lisa Roderer

Landesvorstand der JPB

Für mich bedeutet die JPB aktiv sein und mit anderen jungen Menschen etwas auf die Beine zu stellen. Die JPB, das ist Engagement pur und die Arbeit macht richtig viel Spaß. Ich habe als Verantwortliche das 40jährige Jubiläum unseres Vereins organisiert. Das war ganz schön viel Stress. Ich musste die Pläne dreimal über den Haufen werfen und es gab ständig was zu tun. Wir mussten einen passenden Veranstaltungsort finden, das Tagesprogramm organisieren, die Gäste einladen, uns ums Catering kümmern und vieles, vieles mehr. Manchmal habe ich da schon Panik bekommen, ob auch wirklich alles einwandfrei funktionieren wird. Aber mit dem Ergebnis bin ich jetzt sehr zufrieden. Es ist ein verdammt gutes Gefühl, dass das Jubiläum so schön verlief!

Wolfgang Taubert

Ehemaliges JPB-Mitglied

Die JPB war und ist ein ganz wesentlicher und wunderschöner Teil meines medialen Lebens. Ich habe mich früher aktiv in der JPB engagiert, weil ich selbst Schülerzeitung gemacht habe. Die Arbeit in der JPB fand ich immer spannend. Man könnte es auch als leidenschaftlich und lehrreich bezeichnen. Für mich war die JPB die größte Trainingswiese in Sachen Medien und Demokratie. Das Jubiläum war hervorragend. Es ist großartig, so viele junge Menschen zu sehen, die immer noch für den Verein engagieren. Das ist ein bisschen, als ob ich mich einen Tag lang so fühle, als wäre ich wieder 20 und mitten drin, in der JPB.

Cindy-Kimberley Perl

Neues JPB-Mitglied

Die JPB ist ein super Verein. Hier kann ich Kontakte zu anderen jungen Medienmachern knüpfen und Erfahrungen austauschen. Die JPB ist ein Sprungbrett in die Medienwelt. Und hier kommen junge Menschen zusammen, die wirklich die gleichen Interessen haben. Ich engagiere mich in der JPB, weil ich viel für die Zukunft lernen und persönlich weiterkommen möchte. Aber auch und vor allem, um mit Gleichgesinnten an tollen Projekten zu arbeiten, zum Beispiel indem ich am JPB-Magazin mitwirke. Auf dem Jubiläum war es spannend die Vergangenheit und die Zukunft der JPB zu sehen. Es war wirklich sehr vielseitig, sehr lustig und ja, ich würde sagen, menschlich.

Dominik Mai

Landesvorstand der JPB

Die JPB ist für mich wie eine zweite Familie. Das ist zum einen ein tolles Netzwerk, aber die JPB bedeutetet für mich auch viele gute Freundschaften. Es ist eben nicht nur ein Verein, sondern ein großer und wichtiger Teil meines Lebens.

Warum ich mich in der JPB engagiere ist nicht ganz leicht zu sagen. Zum einen interessiert mich natürlich das Thema Medien. Mir ist jedoch auch dieses „Wir-können-gemeinsam-was-erreichen“-Gefühl unheimlich wichtig. In der JPB ist alles von Jugendlichen selbst organisiert, da steht kein Erwachsener an der Spitze. Und das zeigt ganz deutlich, dass Jugendliche viel bewegen können.

Auf dem Jubiläum das 40jährige Bestehen der JPB zu feiern, fühlt sich irre an. Es ist schön, dass so viele Ehemalige noch Kontakt zum Verein haben und wir sie kennen lernen konnten. Die Gespräche über alte Geschichten aus der JPB-Vergangenheit waren sehr bewegend. Wir hatten heute eine ganz schön lange Zeit, 40 Jahre, in einen Tag gepresst – und ich wette, jeder konnte noch etwas Neues dabei erfahren. Und es war schön, dass wir uns gemeinsam mal richtig feiern konnten.

Erschienen: im JPB-Magazin, das Mitgliedermagazin der Jungen Presse Bayern e.V. (Ausgabe 23)

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