Benjamin und das Koreanische

Ein Sprachkurs in der vorlesungsfreien Zeit sorgt für einen geregelten Tagesablauf und erhält die Konzentration

Zwei Monate Semesterferien: Die einen müssen jobben, andere können ausschlafen und faulenzen. Aber wem das auf Dauer doch zu langweilig wird, der kann auch einen Feriensprachkurs an der Uni in Erlangen belegen. Benjamin Martinsons (21) zum Beispiel hat Koreanisch gelernt. Und findet, dass ihm der Sprachkurs persönlich viel gebracht hat – auch Motivation und Disziplin für andere Aufgaben.
„Was? Du lernst Koreanisch in den Ferien? Krass! Wieso denn genau die Sprache?“ Das war meistens die erste erstaunte Reaktion von Freunden und Kommilitonen, wenn Benjamin ihnen von seinem Sprachkurs erzählt hat. Seine Antwort: „Mich haben die asiatischen Sprachen schon immer fasziniert!“

Benjamin hat gerade sein 1. Semester Jura in Erlangen hinter sich gebracht. „Ich hatte schon länger überlegt, dass ich gerne mal wieder eine Sprache lernen würde“, sagt er, „doch während des Semesters blieb mir zu wenig Zeit.“ Aber in der vorlesungsfreien Zeit empfand er das Sprachenlernen als einen schönen Ausgleich: „Das macht richtig den Kopf frei, wenn man etwas lernt, wovon man noch nie zuvor gehört hat.“

Jeden Tag von 9 bis 12.15 Uhr hat Benjamin zusammen mit vier anderen Studenten koreanische Schriftzeichen, Aussprache, Grammatik und Vokabeln geübt. Dass die Gruppe so klein war, gefiel ihm gut: „So konnte die Lehrerin individuell auf uns eingehen und uns besser auf Fehler zum Beispiel beim Sprechen aufmerksam machen.“

So ein Sprachkurs ist alles andere als langweiliger und trockener Frontalunterricht. Benjamin und seine Kommilitonen mussten viel reden, an der Tafel Schriftzeichen schreiben und versuchen, kleinere Unterhaltungen zu führen. Und hin und wieder brachte die Sprachlehrerin auch kulinarische Spezialitäten mit, koreanischen Tee oder Kekse. „Wir haben nicht nur die Sprache gelernt, sondern auch viel über die Kultur!“, berichtet Benjamin begeistert.

Effektiv fand er den Kurs auf alle Fälle. Auch die Grundzüge einer auf den ersten Blick für Europäer schwierigen Sprache wie Koreanisch könne man in drei Wochen erlernen: „Wir haben innerhalb von drei Wochen Kurs immerhin das Gleiche gemacht wie die Studenten, die während des Semesters die Sprache in zwei Stunden pro Woche lernen.“

Disziplin muss man für den Sprachkurs schon mitbringen. Lang ausschlafen war in den drei Wochen für Benjamin nicht drin. „Klar hätte ich einfach mal schwänzen können“, sagt er nachdenklich, „aber dann verpasst du ganz schnell den Anschluss.“

Außerdem schrieben die Koreanisch-Schüler am Ende eine Prüfung. Das ist vor allem für die Bachelor-Studenten wichtig. Die können durch einen Feriensprachkurs nämlich auch die für ihr Studium dringend benötigten ECTS-Punkte sammeln. „Ich denke, um den Test zu bestehen, musste man nicht überfleißig sein“, sagt Benjamin, „aber ein bisschen reinhängen sollte man sich schon!“

Der Sprachkurs brachte Benjamin aber nicht nur für seine Fremdsprachenkenntnisse etwas. Er muss in den Ferien auch eine Hausarbeit in Jura schreiben – und ist fest davon überzeugt, dass er ohne den Koreanisch-Kurs nicht so motiviert dafür gewesen wäre. „So habe ich nicht den halben Tag verschlafen“, erklärt er lachend.
Die Gefahr sei doch: „Wenn man meint, man hat noch den ganzen Tag Zeit, schiebt man die Hausarbeit nur vor sich her und macht am Schluss gar nichts.“ Aber mit einem geregelten Tagesablauf und dem Druck, dass man eben nicht unendlich Zeit hat, ist die Disziplin viel größer.

„Außerdem ist es gut, mal was für seine Allgemeinbildung zu machen“, fügt Benjamin hinzu. Für sein Jura-Studium bringt ihm der Sprachkurs direkt nichts. „Aber ich will auch anderweitig interessiert sein und nicht zu einem reinen Fachidioten mutieren“, sagt er, „und wenn die Uni das schon kostenlos anbietet, sollte man solche Chancen auch wahrnehmen.“

Deshalb kann sich Benjamin auch gut vorstellen, weitere Sprachkurse zu belegen. Vielleicht den Folgekurs in Koreanisch. „Oder Norwegisch, das fände ich auch spannend!“

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

 

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