Technische Redakteurin – Komplizierte Geräte einfach erklären

Wartungsanleitungen für Windkraftanlagen erstellen, Datenblätter gestalten, die Technische Dokumentation mit aufbauen: Im Berufsalltag von Julia Heid kommt nie Langeweile auf. Die 25-Jährige arbeitet als Technische Redakteurin bei Areva Wind in Bremerhaven.

Wenn Benutzer anhand von Bedienungsanleitungen verstehen, wie komplexe technische Geräte funktionieren, haben Technische Redakteure ihr Ziel erreicht. Ihre Aufgabe ist es, die Handhabung in verständlicher Sprache zu erklären. „Die Herausforderung besteht darin, sich in einen oft unbekannten technischen Sachverhalt einzuarbeiten“, erklärt Julia Heid. Das setzt eine umfassende Recherche am Gerät voraus, aber natürlich gehört auch die enge Zusammenarbeit mit der Entwicklungsabteilung dazu.

Gerade weil sie jeden Tag vor neuen Aufgaben steht, liebt die studierte Technische Redakteurin ihren Job: „Ich setze mich immer mit neuen technischen Themen auseinander und darf kreativ sein. Denn je nachdem, welche Art von Anleitung ich erstellen muss, um welche Produktart es geht, muss die Gestaltung jedes Mal anders aussehen.“ Einerseits schreibt sie Wartungsanleitungen für die Windkraftanlagen, die der Kunde bei Vertragsschluss ausgehändigt bekommt. Dabei ist das Layout stets einheitlich und die Texte enthalten konkrete Handlungsanweisungen, was für die Servicetechniker, die die Windkraftanlagen warten, wichtig ist. Andererseits entwirft sie auch Datenblätter für Messeauftritte: „Die gestalte ich dann wiederum verspielter – sie enthalten weniger Fachwissen, dafür aber viele beeindruckende Fotos.“ Von Zeit zu Zeit müssen Julia Heids Texte auch ins Englische übersetzt werden. Normalerweise macht das ein Übersetzungsunternehmen. „Aber kleinere Texte übersetze ich auch mal selbst.“

Bis eine Beschreibung eines Gerätes fertig ist, dauert es manchmal nur wenige Tage – andere Male mehrere Wochen. Wenn Julia Heid mit einem neuen Redaktionsauftrag beginnt, überlegt sie sich zuerst ein Konzept für die Anleitung. Dabei muss sie an die Gliederung, das Layout und die Bildgestaltung denken und den Ablauf sorgfältig planen und koordinieren. Am Schluss schaut nochmals ein Entwicklungsingenieur drüber, damit auch alles stimmt. Und wenn sie gerade keine technischen Anleitungen schreibt, bereitet sie Grafiken und Präsentationen zu Produkten vor. „Da Areva Wind ein Start-up-Unternehmen ist, ist gerade der Aufbau eines Bestandes an Technischer Dokumentation noch eine große Herausforderung für die Zukunft, an der ich mich aktiv beteiligen möchte“, sagt sie.

Technikinteresse und Sprachtalent

Julia Heid hatte schon immer viel Spaß am Schreiben, Textgestalten und an Sprachen. Darum suchte sie einen Studiengang, in dem sie alle Interessen unter einen Hut bringen konnte – und stieß dabei auf den damals noch neuen Studiengang „Technische Redaktion“ an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKA). Die heute 25-Jährige war sofort begeistert: „Das war für mich die optimale Mischung.“

Ihre Zeit an der Uni beschreibt sie als „abwechslungsreich“. Sie hatte gestalterische Fächer, in denen sie sich intensiv mit Text- und Bildbearbeitung, aber auch mit der Gestaltung von Homepages beschäftigte. Außerdem wurde sie in Deutsch und Englisch geschult. Hinzu kamen natürlich die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer wie Programmierung, Physik und Chemie, sowie Themen rund um die Dokumentenablage. „Das war am Anfang wirklich eine Herausforderung“, sagt sie, „aber die Ablage der Dokumente in einer logischen Ordnerstruktur und in einem Dokumentenmanagement-System gehören auch heute bei Areva noch zu meinen Aufgaben.“ Für das Studium sollte man, so Julia Heid, vor allem „die Lust am Schreiben, ein Feingefühl für die Sprache und ein sicheres Ausdrucksvermögen“ mitbringen.

Neugierig auf Technik

Julia Heid konnte direkt nach ihrem Studium in den Beruf einsteigen. „Als Technischer Redakteur ist man branchenunabhängig. Das ist bei der Jobsuche von Vorteil.“ Erst arbeitete sie in der technischen Redaktion eines Tabakanlagenherstellers, danach in einer Firma für Diesellokomotiven. Seit Mai 2010 ist sie bei Areva und beschäftigt sich mit Windkraftanlagen. Und nein, um diesen Beruf ausüben zu können, muss man kein Ass in Physik sein. „Natürlich ist die Neugier auf Technik grundsätzlich Voraussetzung“, sagt die Technische Redakteurin. „Ich fand Physik und Chemie in der Schule immer spannend, aber überdurchschnittlich gut war ich nie darin.“

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Studium, Weiterbildung oder Volontariat: Wer Technischer Redakteur werden möchte, hat verschiedene Zugangsmöglichkeiten – und kann sich später gut spezialisieren oder weiterbilden.

Die Hauptaufgabe von Technischen Redakteuren besteht darin, die Funktionsweise von Maschinen, Geräten, Anlagen oder Software in verständlicher Sprache zu erklären, damit Benutzer damit umgehen können. Das lernt man beispielweise in einem entsprechenden Bachelorstudiengang an einer Fachhochschule oder einer Universität. Die Studiengänge heißen unter anderem „Technische Redaktion“, „Technikjournalismus“ oder „Technikkommunikation“. Außerdem kann Technische Redaktion als Schwerpunkt von grundständigen Studiengängen gewählt werden, etwa „Internationale Fachkommunikation“. Wer sich für das Studium interessiert, sollte strukturiert und organisiert vorgehen können, Sprachgefühl haben und technisches Verständnis mitbringen. Wichtige Schulfächer sind zum Beispiel Deutsch, Englisch und Mathe.

Absolventen können dann entweder direkt ins Berufsleben starten – oder sie hängen einen Masterstudiengang an und vertiefen ihr Fachwissen. Auch hierfür gibt es Angebote von mehreren Hochschulen. Bewerben können sich jedoch nicht nur Absolventen eines grundständigen Studiums der Technischen Redaktion, sondern auch Interessierte, die ein naturwissenschaftliches, technisches oder gar geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen haben.

Weiterbildung und Volontariat

Wer nicht gleich nach dem Abi weiß, dass er Technischer Redakteur werden möchte, hat auch zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit, eine Weiterbildung zu machen. Je nach Bildungsanbieter variieren die Kosten und die Dauer – in Vollzeit dauern die Weiterbildungslehrgänge in der Regel zwischen sechs und zwölf Monate. Die Abschlussprüfung wird zum Beispiel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder dem deutschen Fachverband für Technische Kommunikation und Informationsentwicklung (tekom) abgenommen. Hauptsächlich richten sich solche Weiterbildungsangebote an Geistes-, Sozial- oder Naturwissenschaftler sowie an Ingenieure, Meister oder Techniker.

Seit 2002 besteht zudem die Möglichkeit, ein Technisches Redaktionsvolontariat zu absolvieren, das von tekom unterstützt wird und in der Regel zwei Jahre dauert. Volontäre erhalten eine betriebliche Ausbildung plus außerbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen. Am Ende können sie die Prüfung als „Technische/r Redakteur/in (tekom)“ ablegen. Für das Volontariat empfiehlt der Fachverband eine monatliche Vergütung von mindestens 1.500 Euro Brutto.

Im Berufsleben können Technische Redakteure beispielsweise in der Technischen Dokumentation, in der Mediengestaltung oder auch im Schulungsbereich tätig werden – und das in fast allen Branchen. Zu finden sind sie etwa in Unternehmen der Informations- und Telekommunikationsbranche, des Maschinen- und Anlagenbaus, in Ingenieurbüros für technische Fachplanung oder auch in Verlagen. Das Spektrum an möglichen Spezialisierungen ist dabei breit: Es reicht von der Redaktion über das Lektorat bis hin zum Informationsmanagement. Anpassungsweiterbildungen sind unter anderem in den Bereichen Publizistik, Journalistik, Fremdsprachen, Informationstechnik, EDV-Anwendungen oder Druckvorstufe möglich.

Erschienen auf www.abi.de, dem abi-Portal der Bundesagentur für Arbeit.

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