Uni-Gezwitscher: Ganz alleine im Aufzug des Schreckens

In den Raum B7A6 in der Bismarckstraße solle ich bitte kommen, hatte der Dozent gesagt. B7A6? Okay, Bismarckstraße war mir ja noch klar, beim Audimax. Und dass B eventuell für eins der Hochhäuser dort steht, die Turm A und Turm B genannt werden, konnte ich mir auch gerade noch denken. Aber was ist denn das Stockwerk? Und vor allem hat mich dieses „A“ irritiert. Denn ich kann mich ja nicht gleichzeitig in Turm A und B aufhalten – oder doch?

Egal, denke ich mir und trapse zum Audimax. Ich werde es schon finden. Im Turm B stehe ich im Erdgeschoss vor der großen Tafel mit den Zimmernummern – doch auch das hilft mir nicht weiter. Da stehen zwar noch mehr Formeln wie B7A6, aber irgendwie kann ich immer noch nicht herauslesen, was mir das sagen soll. Bin ich intelligent genug, die Uni-Prüfungen zu bestehen, aber zu doof ein Zimmer zu finden?

Ein Kommilitone, der schon einige Semester länger in Erlangen studiert, ist meine Rettung: „B ist der Turm, da hast du Recht. 7 ist der siebte Stock, A steht noch für ein halbes Stockwerk weiter oben und 6 ist dann die Raumnummer.“ Ah ja, also alles ganz einfach!

Halbe Stockwerke?

Halbe Stockwerke, wer hat sich das denn ausgedacht? Spontan muss ich an den Zauberlehrling Harry Potter denken und sein magisches Bahnhofsgleis 9 ¾. Kann man in den halben Stockwerken dann auch durch Wände gehen?

Zusätzlich warnt mit der Kommilitone noch vor einem Mysterium im Aufzug des B-Turms: „Ich stand mal in diesem Aufzug und dann hat plötzlich das Notfalltelefon geklingelt“, erzählt er lachend, „ich bin rangegangen und offensichtlich hatte sich jemand verwählt. Ein Notruftelefon, das plötzlich im Aufzug klingelt? Na das kann ja heiter werden.

Als ich in dem langsamen und ratternden Aufzug stehe, muss ich unwillkürlich die ganze Zeit auf dieses Telefon starren. Auf Deutsch und Englisch ist darauf eine Information angebracht, wie man sich im Notfall verhalten soll. Auf Englisch heißt das dann: „Erstens: Keep calm. Zweitens: Press the panic button.“ Alles klar, erst ruhig bleiben und anschließend den Panik-Knopf drücken!

Trotz allem komme ich wenig später an meinem Ziel B7A6 an. Durch Wände gehen kann man auch in einem halben Stockwerk übrigens nicht. Dafür muss man aber zusätzliche Treppen laufen, weil der Aufzug dort nicht hält. Deshalb auch „halbe“ Stockwerke. Also wieder etwas für’s  Uni-Leben gelernt, am Ende vom Semester. Auf dem Weg nach unten aus dem 7 ½ Stock habe ich trotzdem lieber die Treppe genommen, als den ruckeligen Aufzug.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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