Von optischen Klavieren und unverdauten Maiskörnern

Zwei Schulklassen aus Hersbruck und Fürth fahren zum Finale des „Science on Stage“-Wettbewerbs nach Kopenhagen

Physik? Mathe? Bio? Chemie? Das sind doch nur unzählige Formeln und Berechnungen, die mit dem Alltag wenig zu tun haben. Oder? Der Verein „Sience on Stage“ will das Gegenteil beweisen. Er will Lehrer dazu bringen, mit innovativen Ideen und ungewöhnlichen Unterrichtsstunden Spaß an Naturwissenschaft zu vermitteln.Außerdem veranstaltet er den Wettbewerb „Science on Stage“, bei dem die außergewöhnlichsten Ideen für naturwissenschaftlichen Unterricht prämiert werden. In diesem Jahr wurden zwei Schülergruppen und ihre Lehrer aus Mittelfranken zu den besten zwölf aus ganz Deutschland gekürt.

Zur Belohnung können die Siegergruppen vom Hersbrucker Paul-Pfinzing-Gymnasium und vom Fürther Helene-Lange-Gymnasium nun vom 16. bis 19. April zum „Science on Stage“-Festival nach Kopenhagen fahren. Hier stellen wir ihre Projekte vor.

Theaterstück: Die Reise eines Maiskorns durch den Verdauungstrakt

Ein Schüler isst ein Hühnchen mit Mais. Schwupp, verschwindet es in seinem Mund. Schon geht der Verdauungsprozess los – und den kann man nun live auf der Bühne verfolgen. Dabei werden Enzyme, Zuckermoleküle und Blutkörperchen plötzlich quicklebendig, dargestellt von 29 Schülern des Paul-Pfinzing-Gymnasiums in Hersbruck! „The Light at the End of the Tunnel – ein Nährstoffdrama in einem Akt“ heißt das naturwissenschaftliche Schauspiel auf Englisch, das die Schüler in der 5. Klasse erarbeitet haben.

Zerstückeltes Hühnchen

Dabei wird das Hühnchen im menschlichen Verdauungstrakt von Enzymen in seine Einzelteile zerlegt, also in Nährstoffe. Immer begleitet von einem riesigen Maiskorn, das – weil es kaum verdaut wird – den langen Weg durch Speiseröhre, Magen und Darm erklärt.

Das Projekt entstand im Fach Natur und Technik – für einen Schul-Themenabend unter dem Motto „Reise“. Aber wie passte menschliche Verdauung, die die Klasse gerade im Unterricht behandelte, mit dem Motto zusammen? „Wir kamen auf die Idee, die Reise eines Nährstoffpartikels durch den Körper darzustellen“, erzählt Lehrer Dieter Legl. Er holte sich Unterstützung von seinem Kollegen Alexander Frisch, dem Englischlehrer der Fünftklässler. Die Kunstlehrerin wiederum half beim Basteln der Requisiten.

Dabei entstanden zum Beispiel überdimensionale Scheren, mit denen die lebendigen Enzyme auf der Bühne die Nährstoffteilchen zerkleinern. Oder ein Kunststoffring, der den Darmausgang symbolisiert. Dadurch „hüpft“ das Maiskorn am Ende wieder aus dem Körper heraus. Hier sieht es also das Licht am Ende des Tunnels – daher auch der Name des Stücks.

Ein eigenes Casting

„Das war ein richtig fächerübergreifendes Projekt, bei dem die Schüler spielerisch viel gelernt haben“, berichtet Englischlehrer Frisch. Englische Fachbegriffe zum Thema Verdauung gingen den Schülern in Fleisch und Blut über, ebenso die Aussprache. In einem Casting ermittelten die Schüler, wer welche Rolle im Theaterstück bekommt. Ein Schüler sagte hinterher: „Das war doch gar kein Unterricht, das hat Spaß gemacht!“

Als Lehrer Dieter Legl dann vom „Science on Stage“-Wettbewerb erfuhr, schickte er kurzerhand ein Video des Theaterstücks ein. Die Schüler wurden damit zum Deutschland-Finale nach Berlin eingeladen – und schafften den Sprung nach Kopenhagen. Die Freude über die Anerkennung war bei den Schülern groß – auch wenn jetzt nur die beiden Lehrer in die dänische Hauptstadt fahren. Für 29 Schüler war das nicht finanzierbar gewesen.

Physik-Show: Das verrückte Klang-Labor

In diesem Labor klingeln einem die Ohren: Fünf Jungs und ihr Lehrer vom Helene-Lange-Gymnasium in Fürth haben eine Show auf die Beine gestellt, mit der sie allen Physik-Verdrossenen das Thema Akustik näherbringen wollen. „Haste Töne? – Die klingende, schwingende Show rund um alles, was man hören kann“ heißt ihr Programm.

Die Idee dazu entstand recht spontan: Die Jugendlichen besuchen alle eine Art „Physik Plus“-Kurs, beschäftigten sich darin viel mit Experimenten und haben an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen. Bei einer Preisverleihung saßen sie einmal im Publikum, als eine Gruppe Physiker mit einer Show auftrat.

Vier Schüler spielen Instrumente

„Das war wahnsinnig beeindruckend mit vielen visuellen und akustischen Effekten“, erzählt Simon Keim (18). Auf der Fahrt nach Hause ging den fünf Jungs die Show nicht aus dem Kopf. Sie begannen, Lieder zu singen – denn vier von ihnen spielen selbst Instrumente.

Dass man Musik und Klang mit Physik verknüpfen kann, faszinierte sie. Also war für sie und ihren Lehrer Matthias Kusber klar: Das machen wir auch! In den nächsten Wochen drehte sich ihr Kurs nur noch um ein Thema: Töne! „Wir wollen mit unserer Bühnenshow zeigen, was Töne überhaupt sind und was sie ausmacht“, sagt Matthias Kühne (18).

„Bei einem Versuch erzeugen wir zum Beispiel mit einer Solarzelle Klänge“, erzählt Niclas Vogelgesang (19). Dabei haben die jungen Physiker eine Solarzelle hinter eine Drehscheibe gebaut, die nur teilweise lichtdurchlässig ist. Die Solarzelle wiederum ist mit einem Verstärker und einem Lautsprecher verbunden. „Wenn wir jetzt mit einem Laserpointer oder einem normalen Lichtstrahl auf die sich drehende Scheibe leuchten, ergibt das einen Ton“, erklärt Niclas. Auf diese Weise können die Schüler richtige Melodien spielen. „Wir nennen das ein O-Klavier, ein Optisches Klavier!“, sagt Tobias Denzler (19).

Genie vs. Dummschwätzer

Doch um eine ganze Show vorzubereiten, braucht es mehr als ein paar tolle Versuche. „An einem Samstag saßen wir den ganzen Nachmittag in der Schule und haben ein Theaterstück um die Versuche herum geschrieben“, berichtet Ralph Prandl (19).

Darin spielt jeder der Jungs eine Rolle: Einer gibt den verrückten Professor, also das Genie, das nur in unverständlicher Fachsprache quatscht. Ein anderer stellt die ganze Zeit dumme Fragen. Und der Rest erklärt die Versuche ernsthaft, aber verständlich.

„Es hat riesig Spaß gemacht, an der Show zu arbeiten. Wir konnten selber was machen und unsere eigenen Ideen einbringen!“, so Ralph. „Durch solche Aktionen entsteht wirklich Begeisterung für das Fach Physik“, fügt Lehrer Kusber hinzu, der ein Video der Show bei „Science on Stage“ einreichte.

Nun freuen die Schüler sich schon auf Kopenhagen. Dort werden sie ihr Projekt an einem Infostand mit Plakaten und Anschauungsmaterial präsentieren – und sich einige Tage lang nur mit Naturwissenschaften beschäftigen.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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