Abbruch ist kein Beinbruch

Egal, ob man sich die Arbeit anders vorgestellt hat, es Probleme mit dem Chef gibt oder die Aufgaben einen nicht ausfüllen: Wenn die Ausbildung nicht so läuft wie gedacht, können sich Gedanken an einen Abbruch einstellen. Bevor Azubis diesen Schritt jedoch tun, sollten sie gründlich abwägen und sich vor allem um Alternativen kümmer.

Auf dem Foto ist ein erleuchtetes Notausgang-Schild zu sehen. Bevor man sich entschließt, eine Ausbildung vorzeitig zu beenden, sollte man mit Experten bei der Berufsberatung oder den Kammern sprechen. Foto: Deco 

Im Jahr 2009 wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund 141.000 Ausbildungen ohne Abschluss beendet, also mehr als 22 Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gelöst. Circa elf Prozent der Abbrecher hatten die (Fach-)Hochschulreife. Woran liegt das? „Der Hauptgrund für einen Ausbildungsabbruch ist, dass sich Jugendliche den Ausbildungsberuf anders vorgestellt haben“, erklärt Hubert Schöffmann, stellvertretender Geschäftsführer der Abteilung Berufsbildung der IHK für München und Oberbayern. „So hat der Ausbildungsberuf Koch eben wenig mit einer TV-Koch-Show zu tun. Denn in der betrieblichen Realität geht es anders zu als im Fernsehstudio.“ Jugendliche müssten sich von Anfang an mehr Gedanken darüber machen, was sie genau wollen.

„Um das herauszufinden, ist es wichtig, die Schulferien für Praktika zu nutzen“, führt der Experte aus. Auch Ausbildungsmessen sollten Schüler besuchen. „Und dort vor allem mit Azubis sprechen, die in dem Ausbildungsberuf arbeiten, der sie interessiert. Sie können am besten erzählen, wie ihr Arbeitsalltag aussieht.“ Auch Lieblingsfächer in der Schule, persönliche Interessen und Hobbys können Anhaltspunkte für passende Berufe sein. Wer seine Neigungen und Fähigkeiten ausloten möchte, kann etwa im Internet Selbsterkundungstests absolvieren, zum Beispiel BERUFE-Universum auf planet-beruf.de.

Durchhaltevermögen zeigen statt leichtfertig abbrechen

Aber egal, wie gut sich Schüler die Wahl ihrer Ausbildung überlegen – es kann trotzdem schief gehen. Entweder machen einem die unregelmäßigen Arbeitszeiten mehr zu schaffen als angenommen, oder das Klima am Arbeitsplatz wird unangenehm, weil vielleicht das Verhältnis zu Kollegen oder zu Ausbildungsleitern schlecht ist. Leichtfertig sollten Azubis aber keine Ausbildung hinschmeißen. „Wenn sie immer noch der Meinung sind, dass es der richtige Beruf ist und sie nur zwischenmenschlich mit dem Ausbildungsleiter nicht klar kommen, dann sollten sie ein klärendes Gespräch suchen“, meint Hubert Schöffmann. Hier stehen die Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern (HWK) den Azubis zur Seite und sprechen auf Wunsch auch mit dem Ausbildungsbetrieb. „Wenn Azubis frühzeitig auf uns zukommen, dann lässt sich vieles klären“, weiß der IHK-Experte. Bleiben die Probleme allerdings bestehen, ist zu überlegen, nach einem anderen Unternehmen zu suchen, in dem man die Ausbildung fortsetzen kann.

Es kommt auch darauf an, zu welchem Zeitpunkt junge Leute ihre Ausbildung abbrechen wollen. „Kurz vor Ende der Ausbildung sollte der Auszubildende die Zähne zusammenbeißen und durchhalten“, rät Hubert Schöffmann. Merken junge Leute hingegen frühzeitig, es funktioniert nicht, ist ein Abbruch womöglich sinnvoller, als sich zwei Jahre lang zu quälen. In extremen Fällen, zum Beispiel bei Mobbing oder gesundheitlichen Ursachen, ist es hingegen ratsam, sich nach etwas anderem umzusehen.

Plan B entwickeln

Ein rechtzeitiger Ausbildungsabbruch muss nicht zwangsläufig einen Makel im Lebenslauf darstellen. „Das kommt darauf an, was derjenige danach macht“, erläutert Manuela Stock, Berufsberaterin der Arbeitsagentur München. „Wenn ein Jugendlicher anschließend erfolgreich studiert, ist das kein Problem. Wenn er aber wiederum das Studium abbricht, wird es kritisch. Das erweckt den Eindruck, als ob er nichts durchhalten würde.“ Daher ist es wichtig, sich vor einem Ausbildungsabbruch intensiv über Alternativen zu informieren. „Niemand sollte eine Ausbildung abbrechen, ohne etwas Neues in der Tasche zu haben, sei es der gewünschte Studienplatz oder eine neue Ausbildungsstelle“, sagt die Berufsberaterin. Oft ist es möglich, dass die Azubis, die in ihrem Beruf weitermachen wollen, die Ausbildung in einer anderen Firma fortsetzen können.

Es gibt allerdings auch einiges zu beachten: „Wenn Azubis die Ausbildung in einem anderen Unternehmen fortführen wollen, müssen sie den Ausbildungsvertrag kündigen, was häufig über einen Aufhebungsvertrag passiert, insofern der Arbeitgeber einverstanden ist“, erklärt Manuela Stock. Dabei kann es passieren, dass die zuvor absolvierte Ausbildungszeit vom neuen Betrieb nicht angerechnet wird und man sozusagen noch mal von vorne anfängt. „Normalerweise wird das schon anerkannt, wenn die Ausbildung im gleichen Beruf fortgesetzt wird“, erläutert die Berufsberaterin, „aber gerade wenn der alte Betrieb nicht viel für die Ausbildung getan hat und der Azubi nicht viel lernen konnte, kann es sein, dass er die komplette Ausbildungszeit nochmals durchlaufen muss.“ Außerdem gilt es erneut eine Probezeit zu überstehen.

Brechen junge Leute ihre Ausbildung ganz ab, fällt ihnen zunächst die Ausbildungsvergütung weg – und es kann unter Umständen eng werden. „Azubis, die mindestens ein Jahr in einer beitragspflichtigen Ausbildung gearbeitet haben, haben aber Anspruch auf Arbeitslosengeld“, weiß Manuela Stock. Bei eigener Kündigung wird allerdings geprüft, ob dieser Anspruch besteht – wie im Falle von gesundheitlichen Problemen – oder ob sie für maximal drei Monate gesperrt werden, zum Beispiel, wenn die Kündigung erfolgte, weil man sich mit seinem Vorgesetzten nicht verstanden hat. 

In jedem Fall ist es wichtig, sich rechzeitig Rat zu holen. Entweder bei den Ausbildungsberatern der Kammern oder den Berufsberatern der örtlichen Agenturen für Arbeit

Erschienen auf www.abi.de, dem abi-Portal der Bundesagentur für Arbeit.

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