Die Chance, noch mal neu anzufangen

Im Studium Bücher wälzen oder praktische Erfahrungen in einer Ausbildung sammeln? Alexandra Kobant (Name geändert) aus Fürth hat sich zunächst für eine Ausbildung zur Industriekauffrau in einem Betrieb entschieden, der Schutzkleidung herstellt. Heute studiert die 20-Jährige Pharmazie im zweiten Semester an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

„Nach dreizehn Jahren Schule war ich ehrlich gesagt davon abgeschreckt, mindestens weitere fünf Jahre im Studium nur Theorie zu lernen“, sagt Alexandra Kobant. Ihr Abitur hatte sie sehr gut gemeistert, danach wollte sie endlich die Praxis kennenlernen und begann eine Ausbildung zur Industriekauffrau in einem Unternehmen, das Produkte zum Schutz von Menschen herstellt, also zum Beispiel Schutzkleidung, Schutzhandschuhe und Schutzbrillen.

Im Grunde war Alexandra Kobant jedoch schon immer von Naturwissenschaften begeistert, vor allem von Chemie. „Daher wollte ich ursprünglich unbedingt eine Ausbildung zur Chemielaborantin machen“, erklärt sie. Die Abiturientin bewarb sich bei zehn Firmen – erfolglos. An ihrem Wunsch, eine Ausbildung zu machen, wollte sie trotzdem festhalten „und mir dann eben mit einer kaufmännischen Ausbildung die Möglichkeit schaffen, die Abläufe in einem Betrieb kennenzulernen“, erzählt sie.

Alexandra Kobant bekam ihren Ausbildungsplatz zur Industriekauffrau und durfte sich wenig später in der Marketingabteilung ausprobieren. Zuerst gefiel ihr die Arbeit gut: „Meine Vorgesetzten waren sehr nett und hilfsbereit. Ich mochte die anderen Azubis und hatte immer ein gutes Gefühl, zur Arbeit zu gehen.“ Besonders gerne erinnert sie sich an einen Tag, an dem die fünf Azubis eine Führung durch die Fertigung machen durften. Die Azubis sahen, wie zuerst das Material geformt, dann bearbeitet und schließlich zusammengebaut wird. „Da habe ich gemerkt, wie sehr mich doch die Technik hinter dem Ganzen interessiert.“

Eintöniger Arbeitsalltag

Im Gegensatz dazu machte Alexandra Kobant der Arbeitsalltag mit der Zeit immer weniger Spaß. Wie alle anderen Azubis auch musste sie typische Büroarbeit erledigen: Sie kopierte Informationen über Produkte und erstellte Kostentabellen für die Finanzbuchhaltung. Oder sie musste Kunden schriftlich antworten, die Kataloge angefordert hatten. „Ich wusste, dass das zum Job gehört“, meint sie, „aber ich hatte immer im Hinterkopf, doch eine Abiturientin mit einem guten Zeugnis zu sein.“ Sie wollte mehr gefordert werden, mehr dazulernen und auch mehr selbstständig arbeiten. „Am liebsten hätte ich mir eine Schutzbrille aufgesetzt und die Produktionsanlagen genauer unter die Lupe genommen.“

Alexandra Kobant begann sich zu fragen, ob die Ausbildung wirklich die richtige Entscheidung war. Sie wollte sich wieder mit Naturwissenschaften beschäftigen. Der Wunsch, Pharmazie zu studieren, keimte in ihr auf und wurde immer stärker. „Ich wusste aber nicht, ob ich überhaupt einen Studienplatz bekommen würde. Und abgesehen davon hört man so viel Abschreckendes von dem angeblich so anstrengenden und schweren Pharmaziestudium.“ Eine weitere Frage, die an ihr nagte: „Was, wenn ich ein Studium gar nicht schaffen würde und dann ohne irgendeinen Abschluss dastehe?“

Den Absprung wagen

Hilfe holte sich die 20-Jährige vor allem von ihren Eltern. „Und auch mein Freund hat mir zum Studium geraten“, erzählt sie. Wer mehr Unterstützung braucht, kann sich etwa fachliche Hilfe in der Berufsberatung der Arbeitsagenturen holen – und dort beispielsweise auch einen Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) oder einen Test zur Selbsteinschätzung studienrelevanter Personmerkmale (SSP) absolvieren. Alexandra Kobant bewarb sich letztlich bei der heutigen Stiftung für Hochschulzulassung um einen Studienplatz im bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengang Pharmazie. Ihre Ausbildung setzte sie erst mal fort. Als sie dann tatsächlich die Zusage für das Studium bekam, hat sie mit der Personalleiterin im Betrieb gesprochen, die ihr vollstes Verständnis entgegen brachte.

Mittlerweile studiert die 20-Jährige Pharmazie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im zweiten Semester – und kann bestätigen, dass das Pharmaziestudium wirklich anstrengend ist. Trotzdem ist sie froh, dass sie die Chance auf das Studium genutzt und die Ausbildung abgebrochen hat: „Ich muss zwar echt viel lernen, aber die Tatsache, dass ich im Labor auch praktisch mein Können unter Beweis stellen kann, ist ein guter Ausgleich.“

Erschienen auf www.abi.de, dem abi-Portal der Bundesagentur für Arbeit.

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