Diplomat spielen bis zur Erschöpfung

UN-Planspiel in New York: Drei Auszeichnungen für die Delegation der Uni Erlangen-Nürnberg

Jedes Jahr kommen 5000 Studenten aus aller Welt in New York zusammen, um beim „National Model United Nations (NMUN)“ die Arbeit der Vereinten Nationen zu simulieren. Auch dieses Jahr war wieder eine Delegation der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg dabei.

NMUN bedeutet: Jede teilnehmende Uni repräsentiert ein anderes Land. In verschiedenen simulierten Ausschüssen müssen dann Delegierte in Zweier-Teams für die Belange ihres Landes eintreten und versuchen, Partner zu finden. Das Ziel jeder Delegation: die eigenen Interessen durchzusetzen und in Resolutionen festzulegen.

Die FAU vertrat dieses Jahr Guatemala. Dafür waren 16 Delegierte aus ganz verschiedenen Studienfächern und vier Organisatoren in New York. Um verstehen zu können, wie Guatemala in den UN agieren würde, wurde das Team zuerst in der Ständigen Vertretung Guatemalas gebrieft.

Weitere Schulungen gab es in verschiedenen UN-Organisationen wie etwa dem „Department of Peacekeeping Operations“. Normale Besucher haben dort gar keinen Zutritt: „Da kommen die Leute zusammen, die Entscheidungen treffen – zum Beispiel darüber, ob UN-Blauhelme in eine Krisenregion entsandt werden“, erzählt Nadine Paulick (23).

Dann ging es auch schon richtig los. Und gleich ein Schock: „Wir standen in unserem Komitee gleich als erste auf der Rednerliste“, erinnert sich Oliver Burger (26). „Und dann hast du ein bis zwei Minuten Zeit, um die anderen Delegationen von deiner Position zu überzeugen. Das heißt, du musst alles sofort genau auf den Punkt bringen, “ ergänzt Rolf Baasch (25).

Die Themen der Komitees reichten von A wie Atomwaffenlobby bis Z wie zivilgesellschaftliche Integration. Und das von früh morgens bis spät abends. An Schlaf war höchstens für drei bis fünf Stunden pro Nacht zu denken. Das hieß, früh aufstehen, rein in den Anzug oder ins Kostüm, den ganzen Tag diskutieren, Positionspapiere ausarbeiten und im Komitee arbeiten und abends raus aus dem Anzug und ins Bett.

Bananen für die Konzentration

„Das ist eine enorme psychische und körperliche Belastung“, meint Alexander Höppel. Voriges Jahr war er selbst noch studentischer Delegierter der FAU, jetzt fungierte er als Delegationsleiter und stand den anderen mit Rat und Tat zur Seite. „Das Wichtigste sind genug Flüssigkeit und energiereiche Nahrung. Deshalb sind wir zwischendurch auch mit Bananen durch alle Komitees gelaufen und haben sie an unsere Delegierten verteilt“, erzählt er.

Schlafmangel und Anspannung zehren an den Nerven. „An Motivation hat es nie gemangelt, aber an Energie“, erzählt Nadine. Aber zusammen schafft man es auch, dieses Hindernis zu bewältigen. „Einmal lag ich mit meiner Delegations-Partnerin im Hotelzimmer. Sie hat einen Witz erzählt, und plötzlich haben wir nur noch gelacht. Danach ging’s uns besser!“

Die Konkurrenz bei NMUN ist groß. Etwa 50 Prozent der Teilnehmer sind US-Amerikaner und damit Muttersprachler. Und viele der renommierten US-Unis versprechen ihren Teilnehmern auch wertvolle Stipendien, wenn sie am Ende mit einem Award ausgezeichnet werden.

Die Folge: „Bei mir im Komitee war die Zusammenarbeit mit den anderen Delegierten recht unkooperativ“, berichtet Oliver. Teilweise herrschten wirklich Lug und Betrug – wie im richtigen Leben – und „manche Delegationen versuchten, querzuschießen und die Arbeit anderer zu behindern“, sagt Rolf.

Nadine hat in ihrem Komitee bessere Erfahrungen gemacht: „Wir haben wirklich alle an einem Strang gezogen und sieben Resolutionen verabschiedet.“ Und am Schluss wurden die E-Mail-Adressen ausgetauscht.

Besonders stolz ist die FAU-Delegation darauf, dass sie einen „Outstanding Delegation Award“ für herausragende Delegationen gewonnen hat — als einzige deutsche Uni. Dazu kamen zwei weitere Preise für die Arbeit in den Komitees.

Gelernt haben die FAU-Delegierten in New York viel – nämlich „an die eigenen Grenzen zu gehen und über sich selbst hinauszuwachsen“, sagt Oliver. „Man kann nur Erfolg haben, wenn man es richtig ernst nimmt. Und nur wenn man es richtig ernst nimmt, macht es auch Spaß“, meint Delegationsleiter Alexander: „Das ist eine Erfahrung, die im Studium nicht viele machen können!“

Für alle, die jetzt Lust bekommen haben, mitzumachen: Auch im kommenden Jahr wird eine Delegation nach New York fahren. Nadine, Rolf und Oliver werden im Wintersemester 2011/12 im Orga-Team sein. Als Delegierte bewerben können sich Studierende aller Fakultäten. Mehr Infos stehen auf der Homepage www.faumun.uni-erlangen.de

Erschienen in: Campus Seite, Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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