Schüchtern darf man nicht sein

Die Jura-Studentin Verena jobbt als Tutorin für Kommilitonen in den ersten Semestern: Studenten haben ja viele verschiedene Nebenjobs – von verrückt bis langweilig. Naheliegend ist es, einen Job direkt an der Uni anzunehmen. Verena Schaudig (23) studiert Jura in Erlangen. Nebenbei leitet sie Tutorien.

Verena studiert im 8. Semester. Und außerdem ist es ihr 2. Semester, in dem sie ein Tutorium leitet. Einmal die Woche steht sie vor etwa 15 Kommilitonen im 2. Semester und erklärt ihnen geduldig, wie bestimmte Rechtsfälle zu lösen sind.

Am Anfang ihres Studiums saß Verena selbst in einem solchen Tutorium. „Ich fand die Idee gut, aber inhaltlich war es dürftig“, erinnert sie sich. „Da habe ich mir gedacht, dass ich das vielleicht auch besser hinbekommen würde.“

Also bewarb sie sich an ihrem Institut um eine Tutorenstelle. Wie bei jedem anderen Job auch, musste sie zuerst Bewerbung und Lebenslauf einreichen und sich danach in einem Bewerbungsgespräch beweisen.
Denn Tutoren dürfen auf keinen Fall schüchtern sein.

„Man sollte sich wohlfühlen, wenn man vor einer Menge Leuten spricht“, sagt Verena, „und auch damit umgehen können, wenn die Gruppe plötzlich nicht mehr mitarbeitet oder unerwartete Fragen stellt.“ Tutorien sollen Anfangssemestern den Einstieg erleichtern. „Und der Tutoriumsleiter soll den neuen Studenten Tipps geben. Egal, ob es um den Stoff aus der Vorlesung geht, um den Studienablauf oder nur um die Frage, wo man abends gut weggehen kann“, sagt Verena.

Es gibt zwar einen groben Plan mit Anhaltspunkten, was die Tutoren mit ihren Studenten besprechen sollen. Aber wie sie ihr Tutorium genau gestalten, bleibt ihnen überlassen. „So kann man gezielt auf Wünsche und Fragen der Teilnehmer eingehen“, sagt Verena.

Genau das bleibt in den Vorlesungen und oftmals auch in den Übungen auf der Strecke. Das Tutorium findet einmal pro Woche statt und dauert 90 Minuten. Auf diese 90 Minuten muss sich Verena gut vorbereiten. „Denn es kann schon mal unangenehm werden, wenn man etwas nicht weiß.“

Vor der jeweiligen Tutoriumsstunde bereitet sie den juristischen Fall vor, den sie besprechen will. „Ich formuliere ihn komplett aus, damit meine Teilnehmer am Ende auch eine Art Musterlösung in Händen halten, an der sie sich orientieren können.“

Im Nachhinein bekommt Verena von den jüngeren Studenten oft noch Fragen per Mail zugeschickt, die sie beantworten muss. Trotzdem, so meint sie, sei das neben dem eigenen Studium schon zu schaffen.

Vor allem nützt sie das Tutorium selbst zur Wiederholung, denn in ihrem Staatsexamen muss sie auch den Stoff aus dem 1. Semester noch können. „Man lernt also im Tutorium neben selbstbewusstem Auftreten und dem Sprechen vor einer Gruppe auch noch eine ganze Menge für das eigene Studium – in welchem Nebenjob hat man das sonst noch?“

Erschienen in: Campus Seite, Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

Advertisements

One Response to Schüchtern darf man nicht sein

  1. Irrenäus Eibl-Eibesfeld sagt:

    Verena,mach weiter so!!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: