Mehr lernen durch gemeinsames Diskutieren

Mittwochnachmittag, 16 Uhr: in einem Raum des Politikinstituts der Uni Erlangen-Nürnberg wird bei Kaffee und Keksen heftig diskutiert. Heute geht es um die Menschenwürde. Seit kurzem veranstalten die Doktoranden des Lehrstuhls für Politische Wissenschaft II den Journal Club Politische Philosophie und Ideengeschichte. Hier geht es nicht darum, Klausuren zu schreiben oder auswendig zu lernen – sondern darum, sich über aktuelle wissenschaftliche Themen auszutauschen.

„In den Medien geht es ständig um die Menschenwürde“, meint Doktorand Martin Correll, „aber meistens denkt man doch gar nicht darüber nach, was der Begriff genau heißt!“ Das ist ein Grund, warum der Journal Club heute über Menschenwürde diskutiert. Aus einem Fundus an Zeitschriften für Politik wählen die Teilnehmer des Journal Clubs einen Text zu einem aktuellen Thema aus – und darüber debattieren sie dann.

Während der Diskussion trinken die Studenten und Doktoranden Kaffee, essen Kekse. Zuerst sagt jeder ein paar Worte dazu, welchen Eindruck der Text bei ihm hinterlassen hat. Daraus ergibt sich wie von selbst eine Diskussion. Die Teilnehmer argumentieren, erklären – und lachen.

Aktuelle Themen gemeinsam diskutieren

„Der Journal Club ist eigentlich aus Zufall entstanden“, sagt die Doktorandin Sonja-Christina Hirschberger. Auf einer Fortbildung hatte sie gehört, dass es in den USA viele solcher freiwilligen Debattier-Clubs gibt. Also hat sie beschlossen, auch am Politikinstitut der Uni in Erlangen einen Journal Club ins Leben zu rufen. „Das ist auch gut für unsere Ausbildung als Doktoranden, immerhin müssen wir uns selbst Themen aussuchen und uns damit auseinandersetzen“, fügt sie hinzu. Martin Correll gibt ihr Recht: „Ziel ist es, aktuelle Debatten aus dem Fach Politik kennenzulernen.“

Dabei ist es wichtig, dass man eben nicht nur alleine Texte liest, sondern auch mit anderen darüber spricht und deren Meinungen dazu hört. „Wissenschaft hat immer etwas mit Austausch zu tun!“, so Sonja-Christina Hirschberger. Und Doktorand Matthias Klöde meint: „Mit Aristoteles und Platon können viele erst mal nichts anfangen. Doch der Journal Club zeigt, dass politische Theorie auch eine praktische, aktuelle Relevanz hat!“

Natürlich fallen im Journal Club viele Fachbegriffe und die Doktoranden erwähnen Theorien, von denen der durchschnittliche Bachelor-Student noch nichts gehört hat. Trotzdem sind auch Bachelor-Studenten schon herzlich willkommen. „Jeder der Interesse mitbringt, kann einsteigen“, meint Doktorand Alexander Kruska. Und das kann auch Bachelor-Studenten nützen.

Learning-by-Doing

Dominique Ascherl ist gerade im vierten Semester ihres Bachelor-Studiums. „Natürlich bin ich noch Anfänger“, erzählt sie, „aber auch wenn man nicht auf Anhieb alles versteht, oder noch ein bisschen Scheu hat, mitzudiskutieren, macht das Spaß!“

Auch Master-Student Sascha Albrecht hat damit Erfahrung. „Auf die erste Phase der Desorientierung kommt die Erleuchtung!“, sagt er lachend. Dominique findet, der Journal Club hilft ihr auch, sich in ihrem Studium zu orientieren. „Ich weiß noch nicht, auf welche Politik-Richtung ich mich später spezialisieren will. Aber durch den Journal Club bekomme ich eben in den Bereich Politische Philosophie einen besseren Einblick.“ Abgesehen davon können Bachelor-Studenten den Journal Club sogar für ihr Mentorat im fünften Semester nutzen.

„Die richtigen Fragen zu stellen, kritisch zu lesen, ein Problembewusstsein zu entwickeln und sich am aktuellen Diskurs zu beteiligen, das lernt man nur, wenn man es auch macht! Das ist Learning-by-doing!“, sagt Sonja-Christina Hirschberger.

Info: Der Journal Club trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Semester. Mehr Infos u.a. auf der Website der Fachschaft Politik http://www.spaeter-mal-taxifahrer.de

Erschienen in: Campus Seite, Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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