Andere Länder, andere Gewohnheiten

Jennifer aus Erlangen und Johanna aus Galway/Irland tauschen sich über ihren Studienalltag aus

Studium und Studentenleben können von Land zu Land sehr verschieden sein. Jennifer Hertlein (20) und Johanna Stock (17) kommen jetzt beide ins 3. Semester. Jenni studiert in Erlangen Politikwissenschaft und Öffentliches Recht, Johanna studiert Bachelor of Creative Writing in Galway/Irland. Hier diskutieren die beiden über Unterschiede an ihren Unis – und entdecken Gemeinsamkeiten: 

 

 

Jenni: Also ich mache einen 2-Fach-Bachelor in Politikwissenschaft und Öffentlichem Recht. Wie ist dein Studium aufgebaut?
Johanna: Im ersten Jahr hatte ich vier Fächer und zwar kreatives Schreiben, Deutsch, Spanisch und Psychologie. Doch im 2. und 3. Studienjahr habe ich nur noch drei der Fächer.

Jenni: Bei uns ist das Studium in Module gegliedert. Aber wieso sprichst du eigentlich von Studienjahren? Bei uns heißt das Semester!
Johanna: Semester gibt’s bei uns schon auch. Aber wir zählen das Studium in Jahren. Das kommt daher, weil wir zum Beispiel kein Urlaubssemester nehmen könnten. Entweder wir machen ein ganzes Jahr Pause oder gar nicht.

Jenni: Aber habt ihr keine Semesterferien zwischen den Semestern?
Johanna: Wir haben Uni von September bis Weihnachten. Dann schreiben wir Prüfungen. Und danach beginnt im Januar das nächste Semester. Dafür sind wir aber Mitte Mai fertig und haben dann bis September frei. Und wie viele Wochenstunden hast du eigentlich?

Jenni: Ich hatte zuletzt 20 Wochenstunden. Das waren Vorlesungen, Seminare, Übungen und Sprachkurse.
Johanna: Ähnlich wie bei uns. Ich hatte 22 Wochenstunden. Nächstes Jahr werden es sogar nur um die 14 Stunden sein. Dafür müssen wir jedoch viel außerhalb der Uni lesen und uns aneignen. Wie lange dauern eure Vorlesungen?

Jenni: Die meisten dauern 90 Minuten. Wir beginnen immer fünfzehn Minuten nach der vollen Stunde. Also zum Beispiel um 8.15 Uhr.
Johanna (ungläubig): 8.15 Uhr? Das ist verdammt früh! Gibt’s das bei euch wirklich?

Jenni (lacht): Klar gibt’s das wirklich. Ich musste jeden Freitag um acht Uhr in der Uni sein. Wann fängt die Uni denn bei euch an?
Johanna: Ich habe nie vor 9 Uhr Uni. Und außerdem beginnen unsere Vorlesungen immer um 10 nach und gehen bis zur vollen Stunde. Also dauern sie nur 50 Minuten.

Jenni: Krass! Müsst ihr in der Vorlesung viel mitschreiben?
Johanna: Nein. Bei uns stellen die Professoren ihre Präsentationen ins Internet. Allerdings sind das nur Orientierungshilfen. Darin stehen Stichwörter. Die musst du alle in der Bibliothek nachschlagen und dir selbst Notizen dazu machen.

Jenni: Hm, komisch. Bei uns stellen die Professoren auch alles online. Aber darin kann ich meistens schon die wichtigsten Inhalte nachlesen.
Johanna: Das ist gut. Ich wünschte, ich hätte das auch.

Jenni: Hoffentlich hast du es wenigstens nicht so weit zur Bibliothek. Wohnst du in der Nähe von der Uni?
Johanna: Im ersten Jahr habe ich bei meinen Eltern gewohnt. Das ist eine halbe Stunde von der Uni weg. Aber das Problem ist, dass bei uns die öffentlichen Verkehrsmittel schrecklich sind.

Jenni: Schrecklicher als bei uns?
Johanna: Hier ist das doch ein Traum! Nicht zu vergleichen mit Irland. Von mir daheim bis zur Uni fahren jeden Tag nur vier Busse. Der letzte zurück geht um halb sechs Uhr abends. Aber wenn ich bis sechs Uhr in der Uni sitze, dann erwisch’ ich den nie. Dann müssen mich meine Eltern abholen, oder ich übernachte bei Freunden.

Jenni: Das ist umständlich. Und bei uns beschweren sich alle, wenn die S-Bahn mal Verspätung hat. Aber willst du nicht näher zur Uni ziehen? Das wäre doch praktischer.
Johanna: Ja, im nächsten Jahr ziehe ich in eine WG. Bei uns kannst du Häuser mieten und mit Freunden einziehen. Da zahlt jeder um die 250 oder 300 Euro im Monat.

Jenni: Wow, das ist günstig. Erlangen ist richtig teuer zum Wohnen, da es viel zu wenige Wohnungen gibt. Daher kenne ich viele, die noch daheim wohnen. Aber eine eigene Wohnung gehört auch irgendwie zum Studentenleben.
Johanna: Das stimmt. Ich freue mich auch schon auf’s Ausziehen. Aber es war gut, im ersten Studienjahr noch daheim zu sein. Immerhin war ich erst 16.

Jenni: Sechzehn? Ich war mit 19 im 2. Semester ständig eine der Jüngsten. Wie früh macht ihr denn in Irland Abitur?
Johanna: Ich habe sehr früh Abi gemacht, weil ich als Kind eineinhalb Klassen übersprungen hatte. Aber trotzdem ist es normal mit 17 oder zumindest 18 Abi zu machen.

Jenni: Ich hatte auch mit 18 mein Abi. Aber die meisten sind 19 oder 20. Die Jungs mussten noch Wehrdienst oder Zivildienst leisten und auch viele Mädels haben sich noch ein Jahr Auszeit genommen. Daher sind einige bei mir im Semester schon 22.
Johanna: Ganz schön alt! Ich bin froh, dass ich mit 20 schon meinen Bachelor habe. Danach will ich ein Jahr ins Ausland, nach Australien oder Südamerika.

Jenni: Könnt ihr von der Uni aus auch leicht ins Ausland gehen?
Johanna: Wir müssen ins Ausland! Ich studiere Spanisch, und da ist es vorgeschrieben, dass ich drei Monate im Ausland verbringe. Theoretisch könnte ich das in den Ferien machen, indem ich drei Monate in Spanien arbeite. Aber ich will lieber ein Jahr in Spanien oder Mexiko studieren. Das geht ganz problemlos. Unsere Universität hat zum Beispiel Kontakte mit etwa zehn spanischen Unis.

Jenni: Das ist bei uns nicht so einfach. Direkt vorgesehen ist es nicht.
Johanna: Ich finde es wichtig, dass man ins Ausland geht. Du weißt, was für dich normal ist, aber nicht, wie es woanders ist. Es ist vielleicht normal, dass ein Bier hier 2,60 Euro kostet, und alle regen sich darüber auf. Und dann gehst du nach Irland, und dort kostet das Bier mindestens 3,50 Euro.

Jenni: Daran erinnere ich mich gut. Ich war auf Abitur-Fahrt in Dublin und wir waren alle ziemlich schockiert, dass das Bier im Kneipenviertel sogar über fünf Euro gekostet hat.
Johanna: Genau, so hattest du einen Vergleich! Hier beschweren sich viele über 500 Euro Studiengebühren, während ich in Irland 2224 Euro im Jahr zahle.

Jenni: Das könnten sich viele bei uns gar nicht leisten!
Johanna: Genau. Das ist nicht so einfach für uns. Und viele Studenten haben Nebenjobs, um es leichter zu machen für die Eltern.

Jenni: Könnt ihr euch das Studium über Bafög finanzieren?
Johanna: Es gibt sowas. Aber da musst du sehr arm sein. Meine Eltern haben zum Glück ein bisschen was gespart für mein Studium. Bücher und was ich sonst noch brauche für die Uni, bezahle ich jedoch selbst. Ich jobbe nebenbei als Schwimmlehrerin.

Jenni: Du bringst Kindern das Schwimmen bei? Das finde ich toll. Aber anderes Thema: Wie ist es denn in Irland so mit dem Feiern?
Johanna: Oh ja, wir feiern viel! Das ist in Irland heftig! Meistens geht es Sonntag los und du kannst mit vielen schon am Montag nichts mehr anfangen. Montags geht dann auch fast jeder weg. Und Dienstag sind alle müde und k.o.

Jenni: Bei uns ist gerade Dienstag immer Studententag, wo auch die Preise in Kneipen oder Discos verbilligt sind. Feiern gehört wohl überall auf der Welt zum Studentenleben!

Erschienen in: Campus Seite, Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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