In Frankreich ist Studieren ganz anders!

Seit dem Wintersemester 2007/2008 können Studierende an der juristischen Fakultät der Uni in Erlangen Deutsch-Französisches Recht studieren. Das heißt, sie verbringen drei Semester in Frankreich und erhalten am Schluss des Studiums nicht nur das deutsche Staatsexamen sondern auch den französischen Master als Abschluss. Die ersten deutschen Studenten sind aus Frankreich zurück. Sie bringen viele neue Erfahrungen mit – und einige ihrer französischen Kommilitonen, die jetzt für drei Semester hier studieren.

Der binationale Studiengang Deutsch-Französisches Recht beginnt für Studenten an der Uni Erlangen gleich im ersten Semester. Sie müssen Französischkurse belegen und auch die juristische Fachsprache auf Französisch erlernen. Im fünften Semester geht es dann für eineinhalb Jahre nach Frankreich an die Université de Rennes 1.

Maike Klingemann (23) und Johanna Frank (24) sind mittlerweile wieder in Erlangen angekommen. Sie gehörten zur ersten Studentengruppe, die das Auslandsstudium in Rennes absolvieren durfte. Ein bisschen Kulturschock erleben sie auch jetzt beim Nachhause kommen.

Viel Theorie und keine Skripte

„Am Anfang unseres Aufenthaltes war sowieso alles ganz neu und ziemlich chaotisch“, erzählt Johanna, „wir mussten uns erst mal rein finden, zumal das Jurastudium in Frankreich ganz anders abläuft.“ Denn anders wie bei uns beschäftigen sich französische Studenten an der Uni hauptsächlich mit Theorie und kaum mit der Lösung von juristischen Fällen. Um das zu lernen, gehen sie nach dem Studium an eine Anwalts- oder eine Richterschule. „Daher ist das Studium sehr allgemein und geisteswissenschaftlich“, fährt Johanna fort, „ich hatte erst gar nicht den Eindruck, dass wir Jura studieren. Wir mussten teilweise nicht mal mit Gesetzestexten arbeiten!“ Stattdessen lernten sie viel über Rechtsgeschichte.

Aber auch die Vorlesungen waren ungewohnt. „Der Professor diktiert ständig und wir müssen alles mitschreiben“, berichtet Maike. Von der Uni in Erlangen war sie es gewohnt, dass sie sich Skripte und Vorlesungsunterlagen im Internet runterladen konnte.

„Am Anfang war es auch schwierig, Kontakt zu den französischen Kommilitonen herzustellen“, meint Johanna. Doch da hat das Deutsch-Französische Programm der Universitäten Erlangen und Rennes sehr geholfen. Denn von Anfang an hatten die Deutschen Unterricht mit den französischen Studenten, die sich für das binationale Programm angemeldet hatten. „Sie haben uns viel geholfen und uns auch mal ihre Unterlagen geschickt, als wir noch Probleme mit dem Mitschreiben hatten.“

Zwischen Fernweh und Heimat

Maike und Johanna ist klar, dass ihnen die letzten drei Semester sehr viel gebracht haben. „Wir können viel besser Französisch, haben neue Freundschaften geschlossen und ich finde, wir sind auch erwachsener und selbstständiger geworden.“ Der Abschied von Frankreich ist ihnen schwer gefallen – vor allem Maike, die einen Freund in Rennes hat. „Ich kann mir gut vorstellen, später in Frankreich zu arbeiten!“, sagt sie, „und dafür oder um in der EU tätig zu werden, bietet der Studiengang Deutsch-Französisches Recht die optimalen Voraussetzungen.“

Johanna ist trotzdem froh, wieder hier zu sein: „Das ist doch meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl, hier sind meine Freunde und meine Familie. Natürlich bin ich froh, die Chance in Rennes genutzt zu haben – aber vermisst habe ich Franken schon.“

Den Abschied aus Frankreich hat natürlich die Tatsache erleichtert, dass die französischen Freunde nach Deutschland kommen würden. Im letzten Semester kamen jetzt zum ersten Mal französische Studenten, die das Programm absolvieren, nach Erlangen. „Das ist auch das besondere am deutsch-französischen Studiengang“, meint Martin Herzog, einer der Betreuer der Studiengangs von der Uni Erlangen, „die Studierenden verbringen nicht nur ein Jahr im Ausland, wie es sonst häufig angeboten wird, sondern studieren insgesamt drei Jahre gemeinsam mit Studenten des jeweils anderen Landes. Das ist ein viel intensiverer Kontakt.“

Auch Pierre Marie Denis (24) aus Rennes ist nun in Erlangen zum studieren.  „Für mich ist der Aufenthalt in Deutschland eine gute Gelegenheit, die deutsche Rechtsordnung kennenzulernen“, meint er. „Und es ist schön, mit den anderen gemeinsam hier zu studieren. Immerhin haben wir jetzt schon fast zwei Jahre zusammen verbracht und sind sehr gut befreundet!“ Auch die Französin Anna Pele (21) freut sich, hier zu sein. Ein bisschen Angst hat sie trotzdem: „Am Anfang ist es schon schwer, alles zu verstehen. Aber ich bin neugierig, beide Kulturen richtig miteinander vergleichen zu können.“

Und die französischen Studenten können auch jederzeit ihre deutschen Kommilitonen, die bereits mit ihnen in Frankreich studiert haben, um Rat fragen. „Sie haben sogar ein Tutorium für uns veranstaltet, um uns alles zu erklären. Das hat mir sehr weitergeholfen!“, erzählt die Französin Charlotte (22). „Es ist schön, dass wir schon Kontakt zu ihnen hatten. Denn in der normalen Vorlesung ist es oft schwieriger, andere deutsche Studenten kennenzulernen“, fügt Isabelle (22) hinzu.

Für die französischen Studenten starten nun ihr zweites Semester hier in Erlangen. Ein erstes Fazit kann Christella (26) schon ziehen: „Das Studium, die Kultur, die Menschen – das ist hier sehr unterschiedlich. Fast alles ist anders! Aber ich finde den Unterricht in Deutschland sogar besser. Hier ist die Uni nicht so theoretisch, wie in Frankreich.“

Ihr seid total begeistert von Französisch und würdet auch gerne nach Rennes zum studieren? Wenn Ihr Euch für den Studiengang Deutsch-Französisches Recht interessiert, dann schaut doch mal auf: www.dt-frz-recht-erlangen.de

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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