Reden schwingen will geübt sein

Im Debattierclub an der Uni Erlangen-Nürnberg können Studierende ihre Rhetorik schulen

Streiten mit Niveau – oft ist das gar nicht so einfach. An der Uni Erlangen-Nürnberg haben Studierende einen Debattierclub ins Leben gerufen. Dort sollen die Studenten lernen zu streiten, dabei aber gut zu argumentieren und sich an Regeln zu halten.

In erster Linie schult so ein Debattierclub natürlich die rhetorischen Kompetenzen und die Meinungsbildung. Immerhin müssen sich die Teilnehmer mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen.
„Aber man lernt auch Toleranz“, meint Christopher Waldner, 1. Vorsitzender und Initiator des Projekts, „denn man muss auch oft Meinungen vertreten, die einem nicht unbedingt gefallen. Das hilft, sich in andere Leute hineinzuversetzen – und das ist eine Eigenschaft, die jeder gut gebrauchen kann.“ Doch im Uni-Alltag wird so etwas kaum gelehrt.

Christopher ist 23 und studiert im 3. Semester BWL in Nürnberg. Vergangenes Semester hatte er von anderen Unis gelesen, an denen es Debattierclubs gibt. „Das hat mich begeistert. Ich wollte meine Rhetorik und mein Auftreten verbessern. Also habe ich mich auf die Suche nach einem Debattierclub an unserer Uni gemacht.“

Doch es gab keinen. „Und da ich ein Typ bin, der gerne was macht, was es nicht gibt, habe ich gesagt: Dann gründen wir eben einen.“ Über Facebook und in seinem Freundeskreis suchte Christopher nach Mitstreitern.
So stieß er auf Christoph Schnabel, (20), heute 2. Vorsitzender des Clubs.

„Als ich zum Gründungstreffen des Debattierclubs gegangen bin, war ich noch skeptisch. Immerhin macht es ganz schön viel Arbeit, so etwas neu aufzubauen“, erinnert sich Christoph, der Politikwissenschaft im 3. Semester in Erlangen studiert. „Aber dann waren alle Studenten, die bei der Gründung helfen wollten, so motiviert, dass die Vorarbeit viel Spaß gemacht und super geklappt hat.“

In der Gründungsphase hat Christopher andere Unis besucht und sich dort angesehen, wie deren Debattierclubs arbeiten. Und er hat sich mit dem Bundesverband der Debattierclubs in Verbindung gesetzt. „Aber besonders wichtig war es, einen Projektleitfaden zu schreiben, auf dem wir gemeinsam Stück für Stück nach vorne gewandert sind.“

Dabei haben die Club-Gründer den Kontakt zu den Fachschaften der Uni Erlangen-Nürnberg gesucht – und zum studentischen Konvent. „Ohne den Konvent wäre es nicht machbar gewesen. Zum einen bekommen wir finanzielle Unterstützung, zum anderen einen tollen Raum mit Beamer und Rednerpult.“

Abgesehen davon stand noch eine Menge Bürokratie an. Denn der Debattierclub soll zu einem Verein werden. „Wir wollen nicht“, erklärt Christopher, „dass es ein privater Zirkel wird, der sich irgendwann auflöst. Vielmehr soll sich die Initiative etablieren. Und wenn wir in zwei Jahren neue Vorstände wählen, soll es jemand anderes machen als wir.“

Mittlerweile ist die Gründungsphase abgeschlossen. Am 8. November trifft sich der Club zur ersten richtigen Debatte. Theoretisch wissen die Vorsitzenden, wie die Debatte ablaufen soll: Drei Themen stehen zur Auswahl, und die Teilnehmer stimmen ab, über welches sie reden wollen.

Dann schlüpft ein Teil der Debattierer in die Rolle der Regierung, der andere in die der Opposition. Anschließend dürfen die „Parteien“ abwechselnd sieben Minuten lang ihre Meinung vertreten. Vorbild dafür ist das britische Parlament.

Das Regelwerk sieht außerdem vor, dass es einen Schiedsrichter gibt, der Punkte verteilt. Wenn jemand ausfällig wird oder andere beleidigt, werden Punkte abgezogen. Wenn jemand hingegen Zwischenfragen zulässt und dann auch noch gekonnt auf diese antwortet, gibt es Pluspunkte.

„Aber eigentlich wissen wir selbst noch nicht, wie das ablaufen wird“, meint Christopher, „das ist wie Fahrrad fahren lernen. Wir müssen es ausprobieren und dabei werden wir immer mal wieder auf die Nase fallen – und daraus lernen.“

Ab dem 8. November trifft sich der Debattierclub alle zwei Wochen dienstags um 19 Uhr im Raum 2.013 des Erlanger Kollegienhauses, Universitätsstraße 15. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Um mitzumachen, sind auch keinerlei Vorkenntnisse nötig.

„Man muss sich nur trauen und eine gewisse Lernbereitschaft mitbringen“, sagt Christopher. Damit das noch besser gelingt, hat der Vorstand für Dezember den Vorsitzenden des Bundesverbandes der Debattierclubs eingeladen. „Er wird sich anschauen, wie wir hier debattieren, und uns Tipps geben, was wir besser machen sollen“, erklärt Christoph.

Mehr Infos zum Debattierclub FAU – Streiten mit Niveau e.V. gibt es auch auf der gleichnamigen Facebook-Fan-Seite.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: