Auf nach New York

Erlanger Delegation bereitet sich auf UN-Planspiel vor

Auch 2012 nimmt eine Delegation der Uni Erlangen-Nürnberg an dem Planspiel „Model United Nations“ in New York teil. Jennifer Hertlein (20) studiert Politikwissenschaft und will unbedingt dabei sein. Hier erzählt sie vom Bewerbungsschreiben, dem Vorstellungsgespräch – und dem Warten auf das Ergebnis.
Wer in Erlangen Politik studiert, erfährt früher oder später auch vom Model United Nations Program, kurz „Mun“. Dabei kommen jedes Jahr etwa 5000 Studierende aus aller Welt zusammen, um die Arbeit der Vereinten Nationen (UN) zu simulieren. Jede teilnehmende Uni repräsentiert eine bestimmtes Land und hat das Ziel, die Interessen dieses Landes durchzusetzen und in Resolutionen festzulegen.

Seit 2009 ist auch ein Team der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg bei dem Planspiel dabei. Und so findet unter dem Namen „FauMun“ jedes Wintersemester ein Seminar statt, in dem sich die Studenten intensiv auf das Abenteuer New York vorbereiten.

Um dabei zu sein, muss man sich bewerben und ein hartes Auswahlverfahren überstehen. Fest entschlossen mache ich mich also ans Bewerbungsschreiben. In der ersten Bewerbungsphase muss ich meinen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben einschicken – natürlich alles auf Englisch, denn das ist die Verhandlungssprache beim „Mun“.

Der Lebenslauf ist nicht das Problem. Aber beim Motivationsschreiben komme ich ins Grübeln. Was soll da rein? Nur, warum ich unbedingt dabei sein will? Oder meine Qualifikationen? Oder etwas über die Vereinten Nationen? Ich entscheide mich für ein bisschen von allem.

Schon in dem Moment, als ich meine Bewerbung abschicke, werde ich ungeduldig. Ob ich wohl in die zweite Runde des Auswahlverfahrens komme? Denn nur diejenigen, die mit Lebenslauf und Motivationsschreiben punkten können, werden zu einem Gespräch eingeladen.

Ein paar Wochen später stehe ich nervös vor meinem Kleiderschrank. Ja, ich darf zum Gespräch! Aber was ziehe ich an? Ich weiß, dass die Delegierten in New York in Bluse und dunklem Hosenanzug auftreten müssen. Mein Kostüm von der Konfirmation passt natürlich nicht mehr, und ansonsten besitze ich keinen schwarzen Hosenanzug. Für den Uni-Alltag brauche ich sowas ja nicht. Letztlich müssen es eine helle elegantere Stoffhose und ein Blazer tun.

Auf dem Weg zum Gespräch versuche ich in Gedanken durchzugehen, was wohl auf mich zukommen wird. Doch ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Klar, ich habe auf der Internetseite der Vereinten Nationen herumgeklickt. Ob das reicht?

Auch das Auswahlgespräch ist auf Englisch. Ich darf mich als Erstes vorstellen und ein bisschen über mich erzählen. Plötzlich werden die Fragen schwieriger. Ich hatte in meiner Bewerbung geschrieben, dass ich gerne das uns zugeteilte Land im UN-Ausschuss für Menschenrechte vertreten würde. Jetzt muss ich eine Antwort auf die Frage finden, ob ich das immer noch machen würde, wenn wir als Land den Iran bekämen.

20 Minuten später bin ich wieder draußen — mit vor Aufregung knallrotem Kopf. Eigentlich war ich ganz zufrieden mit meinen Antworten. Doch aus den Delegationsleitern bin ich nicht schlau geworden. Sie haben zwar freundlich die Fragen gestellt, aber dabei keine Miene verzogen. Es gab kein Anzeichen dafür, ob sie mein Geplauder für gut oder schlecht befanden. Mit gemischten Gefühlen mache ich mich auf den Heimweg. Von jetzt an heißt es nochmals abwarten.

Anfangs checke ich alle zehn Minuten meine E-Mails. Später lasse ich mich von Freunden überreden, lieber mit ihnen wegzugehen, als immer nur vor meinem Laptop zu warten. Als ich eines Abends nach Hause komme, liegt endlich die langersehnte E-Mail in meinem Posteingang – mit einer Zusage!

Zehn jubelnde Luftsprünge später kann ich es immer noch kaum glauben. Schon in der Woche darauf wird es los gehen mit der Vorbereitung auf die Reise nach New York. Ich werde die anderen Delegierten kennenlernen und von nun an pro Woche ein dreistündiges „FauMun“-Seminar besuchen.

Doch davor habe ich noch eine große Aufgabe: shoppen gehen und schnell einen schwarzen Hosenanzug besorgen. Denn den müssen wir schon beim ersten Treffen tragen.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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