Bunte Lichter, funkelnde Augen, echte Blitze und ein Star

Das Schlossgartenfest in Erlangen litt unter dem plötzlichen Wetterumschwung – die Laune der Ballbesucher war dennoch prächtig

Bei leisem Tröpfeln fing das Schlossgartenfest an, von einem Gewitter wurde es heftig gestört. Dazwischen vergnügten sich 6500 Gäste bei tropischer Hitze auf dem Sommerball der Universität.

Es funkeln die Lichter zwischen den Bäumen – und die Augen der Gäste. Von nah und fern sind sie gekommen, egal ob sie noch studieren, früher an der Friedrich-Alexander Universität (FAU) waren oder einfach gerne einen tollen Abend in einmaliger Atmosphäre genießen möchten.

Kurz bevor FAU-Präsident Prof. Karl-Dieter Grüske die Ballbesucher begrüßt, beginnt es zu tröpfeln. Ein kurzer Schock für die Organisatoren. Alles ist perfekt vorbereitet. Wenn der Sommerbal jetzt ins Wasser fällt, waren alle Mühen umsonst.

Der Organisationschefin Ursula Ertl liegt das Schlossgartenfest sehr am Herzen: „Die Vorbereitungen sind anstrengend. Aber wenn die Dämmerung kommt, fällt normalerweise der Stress von mir ab.“

Jetzt tröpfelt es, aber Grüske hält seine Eröffnungsrede. Dieser Tag ist einer der schwierigsten im Jahr für ihn: „Ich muss bis Mittag entscheiden, ob das Fest stattfindet oder nicht. Und leider kann man nie sagen, ob ein Gewitter jetzt in Erlangen oder doch nur in Nürnberg runter kommt.“

Wenig später ist der Himmel wieder klar. Das Fest nimmt seinen gewohnten Gang. Die Besucher tanzen, lachen, reden, speisen, trinken. Vor der Orangerie sitzt die Film-Diva Elke Sommer. Sie genießt das Fest – und wie sie selbst hofiert wird.

Die Schauspielerin stammt aus Marloffstein bei Erlangen, ist aus Los Angeles angereist und sagt: „Ich liebe diese Stadt und die Menschen hier über alles!“ Mit etwa 18 Jahren war sie selbst zum ersten Mal auf dem Schlossgartenfest – zusammen mit einer Austauschschülerin aus Schweden. Die ging ihr im Laufe des Abends verloren. Erst spät fand sie ihre Freundin knutschend unter einem Baum. „Eigentlich sollten wir schon um 10 Uhr daheim sein, aber es wurde viel später. Daher bekam ich von meiner Mutter eine geschmiert!“, erinnert sich Elke Sommer lachend.

Karl Glas und seine Frau Christine kamen 1980 das erste Mal hierher. „Ich hatte gerade das Studium angefangen und Christine war Abiturientin“, erinnert sich Karl Glas. „Plötzlich hat er mich zum Schlossgartenfest eingeladen“, erzählt seine Frau, „obwohl er nie tanzen wollte. Da war mir klar, er liebt mich“.

Das Schlossgartenfest war der Start ihrer Beziehung. Den Ball finden beide immer noch einmalig – wie vor über 30 Jahren: „Wegen der Weitläufigkeit, dem wunderschöne Garten und den vielen Freunden die man trifft!“

Doch nicht nur Studenten von früher sind begeistert. Manolya Borucu studiert im 4. Semester Jura. Für sie ist es das erste Schlossgartenfest: „Das ist eine Tradition hier, also wollte ich unbedingt mal dabei sein. Ich bin fasziniert vom Ambiente, den Lichtern, den schicken Kleidern. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll!“

Auch Andreas Jochum ist dieses Jahr zum ersten Mal dabei. Er findet es „schön, dass mehrere Bands mit verschiedenen Musikstilen spielen“.  Andreas studiert Politikwissenschaft und wird bald Examen machen. „Auf diese Weise ist das Schlossgartenfest für mich jetzt ein besonderes Highlight zum Schluss des Studiums“.

Höhepunkt des Festes ist das glitzernde Feuerwerk. Auf den lauten Abschlussböller wird wegen Beschwerden im Vorjahr verzichtet. Stattdessen sind plötzlich Regen, Blitz und Donner da. Die Ballgäste flüchten ins Trockene, zum Beispiel ins Kollegienhaus. Drinnen wird munter weiter gequatscht. „Das ist eben das Risiko bei so einem Fest unter freiem Himmel“, meint Andreas, „aber das macht doch auch den besonderen Charme aus!“

Elke Sommer flüchtet vor dem Gewitter ins benachbarte Café. Dort wird sie mit großem Applaus empfangen. Jemand bietet ihr seinen Stuhl an. Und der Star beginnt, mit den Leuten am Tisch zu plaudern. In der Orangerie – in die es nach der Renovierung nicht mehr reinregnet – spielt die Kapelle unverdrossen weiter. Und die Ballgäste dort schwingen das Tanzbein bis um zwei Uhr morgens.
Erschienen im Regionalteil der Nürnberger Nachrichten am 02. Juli 2012.

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