Hochschulwahlen: Wer? Wie? Wo? Wann?

Wählen gehen und seine Stimme abgeben – das gehört zu einer Demokratie. Am 26. Juni finden die Hochschulwahlen an der Uni Erlangen-Nürnberg statt. Doch üblicherweise nehmen nur zehn bis zwölf Prozent der Studenten daran teil. Wir erklären, wie die Hochschulwahlen funktionieren.

Tanja (23) studiert im 6. Semester auf Gymnasial-Lehramt. Sie engagiert sich außerhalb der Uni politisch – aber von den Hochschulwahlen hat sie noch nie was mitbekommen. „Und das geht den meisten so“, meint sie, „sonst hätten wir im Freundeskreis sicher darüber geredet!“

Das liegt an mangelnden Infos, glaubt Tanja. Denn sie kann sich nicht vorstellen, dass die Kommilitonen einfach nur keine Lust haben zu wählen. „Immerhin finden gerade Studenten politische Mitwirkung gut!“

Auch Teresa (21), die im 4. Semester Politikwissenschaft und Anglistik studiert, beklagt sich über zu wenig Infos: „Ich habe zwar wie alle anderen auch die Wahlbenachrichtigung über das Portal Meincampus erhalten. Aber wirklich informiert über die Wahl fühle ich mich nicht.“ Teresa schlägt daher vor, es sollte mehr Aushänge oder Flyer geben. Oder: „Warum kommen die Organisatoren der Hochschulwahlen nicht einfach in große Vorlesungen und erzählen uns mal ein paar Minuten was dazu?“

„Viele wissen über die Hochschulwahlen nicht Bescheid und kennen auch Sinn und Bedeutung der Gremien, die gewählt werden, überhaupt nicht“, bestätigt Johannes (20), Jura-Student im 3. Semester. „Auf der Homepage der Uni steht ja viel, aber man muss sich eben alles selbst zusammensuchen. Die Uni sollte viel offensiver auf die Studenten zugehen.“

Bis ins höchste Gremium

Also: Worum geht es denn bei den Hochschulwahlen? „Die Studierenden wählen zum einen studentische Vertreter in den Fakultätsrat. Das ist kein rein studentisches Gremium, sondern da sitzen unter anderem auch Professoren drin. Gemeinsam beraten die Mitglieder des Fakultätsrats über Angelegenheiten der jeweiligen Fakultät“, erklärt Physik-Student Wolfram Barfuß (21).

Zusätzlich wählen die Studierenden ihre Vertreter im sogenannten studentischen Konvent. Der ist so etwas wie ein Studentenparlament und beschäftigt sich mit Themen, die die gesamte Uni betreffen – wie zum Beispiel die Abschaffung der Studiengebühren.

Vor allem wählt der Konvent einen Sprecherrat, der sich um das Tagesgeschäft kümmert, wie Wolfram, einer von vier amtierenden Sprecherräten erläutert: „Wir führen Beschlüsse des Konvents aus, beantworten Anfragen, kümmern uns um Ansprechpartner, organisieren verschiedene Veranstaltungen und stehen in Kontakt zur Uni-Leitung, um auch dort die Interessen der Studierenden zu vertreten.“

Darüber hinaus werden vom Konvent zwei Studenten in den Senat der Uni gewählt. Der Senat wiederum ist Teil des Universitätsrats. „Insofern“, erklärt Wolfram, „sind die Studierenden über ihre zwei Senatoren im höchsten Gremium verteten, das es an der Uni überhaupt gibt.“

Uni-Mühlen mahlen langsam

Fakultätsrat, Konvent — „ich habe noch nie mitbekommen, dass die irgendwas bewirken!“, meint Teresa. „Man darf nicht zu viel erwarten“, sagt Wolfram, „die Mühlen in der Uni mahlen langsam. Aber die studentischen Vertreter hatten sich zum Beispiel dafür eingesetzt, dass es mehr Teilzeitstudiengänge gibt. Die wurden dann tatsächlich eingeführt.“

Die Hochschulwahlen verändern also nichts von jetzt auf gleich. Aber langfristig gesehen haben die gewählten Studenten eine Chance, die Studienbedingungen zu beeinflussen. Jura-Student Johannes findet: „Nur wer wählt, darf auch meckern. Denn die anderen nehmen die Möglichkeit, sich zu beteiligen, ja gar nicht wahr!“

„Aber woher erfahre ich, wen ich bei den Hochschulwahlen überhaupt wählen kann?“, fragt Teresa. Auch Wolfram vom Sprecherrat findet es schlecht, dass die Studenten so wenig über die Kandidaten erfahren: „Einen Wahlkampf gibt es kaum. Es wäre gut, wenn zum Beispiel Podiumsdiskussionen mit den Spitzenkandidaten veranstaltet würden. Dann wüssten wir wenigstens, für was sie stehen.“

Wer sich informieren will: Die Wahlvorschläge hängen in Erlangen in der Halbmondstraße 6, im Kollegienhaus, Universitätsstraße 15, und im Mensa-Hörsaal-Bibliotheks-Gebäude im Südgelände, Erwin-Rommel-Straße 60, aus. In Nürnberg hängen die Wahlvorschläge in den Fakultätsgebäuden. Außerdem stehen Muster aller Wahlzettel online auf http://www.uni-erlangen.de/infocenter/wahlen

„Jeder, der sein Recht auf Demokratie wahrnehmen will, sollte an den Hochschulwahlen teilnehmen“, meint Tanja. Sie hat sich fest vorgenommen, dieses Semester wählen zu gehen.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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