Die Welt ein bisschen besser machen

Moderne Technik, das ist doch nur was für junge Leute! Alte Menschen können oft nicht mal ein Handy bedienen und wollen von den neusten Erfindungen gar nichts wissen. „Stimmt nicht!“, entgegnen drei Schüler der Max-Grundig-Schule in Fürth. Den Beweis führten sie beim Schülerforum Nordbayern vor.

Vorne am Pult im großen Hörsaal H10 der Technischen Fakultät in Erlangen stehen David Sieber (17), Franziska Ziegeler (18) und David Wolff (18) . Die Jungs tragen T-Shirts, auf denen ein Rollator aufgedruckt ist — mit einem Schriftzug, der sagt: „Bordsteine waren gestern“. Und dann erklären sie ihr Projekt „Apps im Alter: Rollator 2.0“.

„Zum einen hat der Rollator eine Steighilfe“, sagt David, „alte Menschen haben häufig das Problem, dass sie mit ihrer Gehhilfe keine Stufen hinaufkommen. Es fällt ihnen schwer, Treppen zu laufen oder in den Bus einzusteigen. Wir haben den Rollator so umgebaut, dass er auf Knopfdruck vorne durch ein weiteres kleines ausfahrbares Rädchen leicht angehoben wird. So kann man ihn problemlos über Stufen schieben.“

Doch die technisch aufgerüstete Gehhilfe kann noch mehr. „Alte Menschen sehen häufig schlecht. Beim Einkaufen können sie oft Preise nicht erkennen, weil sie zu klein aufgedruckt sind“, fährt Franziska fort, „daher haben wir an den Rollator einen Scanner angebracht. Mit dem kann man den Barcode eines Produktes einscannen. Der Preis wird dann in etwa zehn Zentimeter großen, leuchtenden Ziffern auf einem Display angezeigt.“ Dazu haben die Schüler eine Sieben-Segment-Anzeige in die Sitzfläche eingebaut.

„Aber natürlich kann man sich trotzdem noch problemlos draufsetzen“, ergänzt David, „die Sitzfläche ist immer noch sehr stabil!“ Die Veränderungen an dem Gerät klingen simpel, haben den Jugendlichen aber einiges an Arbeit abverlangt. Ein dreiviertel Jahr haben sie in der Schule daran getüftelt.

„Zuerst wussten wir nicht, wie wir den Rollator anheben können“, erinnert sich David, „auf jeden Fall konnten wir keine Druckluft verwenden. Dafür hätten wir einen Kompressor gebraucht. Der wäre aber zu schwer und zu laut gewesen. Deshalb mussten wir alles mit Elektrizität hinkriegen.“

Bevor die drei ihre Ideen in die Tat umsetzen konnten, haben sie Rollatoren aus Lego gebaut und versucht, ob es im Kleinen funktioniert. „Da durften wir spielen“, meint Franziska lachend. Anschließend fertigten sie am Computer CAD-Zeichnungen an. Erst als alles bis ins Detail geplant und ausgearbeitet war, begannen sie, einen echten Rollator umzubauen.

Das Ziel der Jugendlichen war von Beginn an, beim VDE-Schülerforum aufzutreten. Ein weiterer Aspekt: „Wir haben uns überlegt, wie wir die Welt ein Stück verbessern können. Und gerade alte Menschen sind doch auf Hilfe angewiesen. So kamen wir schnell auf die Idee mit dem Rollator.“

Und der trifft bei Betroffenen auf Begeisterung. Das konnten die drei auf der Technikmeile in Nürnberg feststellen. „Es kamen viele Besucher vorbei und haben sogar gefragt, ob sie unseren Rollator kaufen könnten“, erzählt David. „Und eine Behindertenschule hat uns angefragt, ob wir mehrere Rollatoren für sie technisch aufrüsten könnten.“

Info:

Das Schülerforum Nordbayern wird veranstaltet vom  Verband der Elektrotechnik (VDE). Bei diesem Wettbewerb sind Schüler(teams) aufgerufen, etwa zwölfminütige Vorträge aus einem der folgenden Themengebiete zu halten: Energie und Umwelt, Information und Kommunikation, Medizintechnik, Chemie, Physik, Mathematik, Technik, Verkehr und Logistik.

Dieses Jahr haben 211 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 12 aus 23 Schulen einen Vortrag auf dem VDE-Schülerforum gehalten. Etwa 500 Altersgenossen kamen zu der Veranstaltung in den Hörsälen der Technischen Fakultät in Erlangen. Für jeden gehaltenen Vortrag gab es 50 Euro als Prämie.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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