Jeder kann die Umwelt schützen

Sarah Patrick LenaUmweltschutz – das geht nur Politiker, Unternehmen oder die Vereinten Nationen etwas an? Von wegen! Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten, die Umwelt zu schützen und zu bewahren. Drei Politikwissenschaftsstudenten der Universität in Erlangen diskutieren, was umweltpolitisch getan werden muss, welche Probleme am dringlichsten sind, wie sie die Umwelt in der Metropolregion wahrnehmen – und was normale Menschen zum Umweltschutz beitragen können.

Lena, 22, Nürnberg

Lena„Ich habe dieses Semester in der Uni ein Seminar zum Thema Umweltpolitik belegt. Immerhin ist das heute eines der wichtigsten Themen in der Politik, weil es sowohl die Wirtschaft als auch unser tägliches Leben beeinflusst.

Umweltschutz geht jeden etwas an! Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert und es liegt an uns, mehr auf die Umwelt zu achten. Ich empfinde es schon als schrecklich, wenn ich höre, dass Leute Essen wegschmeißen. Warum kaufen sie dann nicht gleich weniger? Wir können nicht so sorglos mit Essen umgehen, während Menschen in anderen Teilen der Welt verhungern.

Es gibt viele kleine Dinge, durch die jeder Einzelne die Umwelt ein Stück weit schützen kann. Ich versuche auch nicht ständig Wäsche zu waschen. Nur weil man etwas einmal getragen hat, muss es nicht gleich in die Waschmaschine. Mülltrennung ist auch so ein Thema. Eigentlich weiß es jeder und trotzdem schmeißen viele einfach alles in einen Mülleimer. Außerdem kann man Fahrradfahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, anstatt jede noch so kleine Strecke mit dem Auto zu fahren. Ich fahre gar nicht Auto. Das schont die Umwelt. All das sind nur alltägliche Sachen, die jeder berücksichtigen könnte, ohne dabei großen Aufwand zu betreiben.

Das wichtigste umweltpolitische Thema ist mit Sicherheit der Klimawandel. Wir meinen immer, das wäre so weit weg von uns. Aber gerade hat ja erst der große Sturm Sandy die Stadt New York heimgesucht. Das sind bestimmt Folgen der Klimaerwärmung. In Zukunft könnten auch wir mit solchen extremen Wetterphänomenen konfrontiert werden.

Leider engagiere ich mich nicht aktiv für die Umwelt. Ich habe schon mal überlegt, einem Verein beizutreten. Aber mir fehlt die Zeit. Trotzdem fände ich es vor allem wichtig, dass mehr Aufklärungsarbeit betrieben wird. Viele Menschen sind nicht genügend informiert. Vor allem habe ich den Eindruck, dass Kinder und Jugendliche heute besser über Umweltschutz Bescheid wissen, als die meisten Erwachsenen.

Lokale Prozesse, wie die lokale Agenda 21, finde ich sehr gut. Das hilft, weil man lokal näher an den Menschen dran ist. Wenn nur global gehandelt würde, dann interessiert das einen Einzelnen in Nürnberg doch nicht so, als wenn es um seine Stadt und sein tägliches Leben geht. Menschen interessieren sich nun mal eher dafür, was direkt vor ihrer Nase passiert.

Als Nürnbergerin empfinde ich die Umweltsituation hier als sehr gut. Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut. Wer in Nürnberg wohnt und arbeitet, braucht eigentlich kein Auto. Außerdem gibt es viele Grünflächen in der Stadt. Allerdings habe ich manchmal Angst, dass die in Zukunft weniger werden. Bei mir in der Nähe ist erst neulich ein Waldstück abgeholzt worden. Da kommen jetzt Reihenhäuser hin. Was vielleicht auch ein Problem sein könnte ist jedoch der Lärm. Ich wohne ein bisschen außerhalb, dort ist es leise. Aber in der Innenstadt ist die Lärmbelastung teils sehr hoch. Aber das ist wohl auch in jeder Großstadt so.“

Patrick, 24, Eckental

Patrick„Ich versuche selbst darauf zu achten, die Umwelt zu schützen. Ich schmeiße keine Batterien in den normalen Müll und mache das Licht aus, wenn es daheim grundlos an ist. Manche Umweltschutzmaßnahmen sind meiner Meinung nach aber auch Quatsch. So zum Beispiel das Glühbirnenverbot in der EU. Klar verbrauchen Energiesparlampen weniger. Aber bei der Entsorgung sind sie wesentlich schädlicher, als herkömmliche Glühbirnen.

Ich fahre jeden Tag mit dem Auto zur Uni. Das ist wohl nicht so gut für die Umwelt. Allerdings habe ich kein schlechtes Gewissen, denn die Busverbindung ist furchtbar. Ein Bus fährt nur zweimal am Tag und abgesehen davon kostet das Ticket genauso viel wie das Benzin. Selbst wenn die Stadt-Umland-Bahn zwischen Nürnberg und Erlangen endlich gebaut würde, würde mir das nichts nützen, weil sie uns nicht erreicht. Außerdem ist die wahrscheinlich eh erst fertig, wenn ich längst mein Studium beendet habe.

Dafür ist auf meinem Dorf die Umwelt natürlich noch in Ordnung und sehr idyllisch. Und ich nehme auch die ganze Metropolregion Nürnberg als eine Region mit sehr gut erhaltener Umwelt und Natur wahr. Nürnberg hat ja zum Beispiel auch kein Problem mit der Feinstaubbelastung, während andere Städte, wie München, da richtig schlecht dastehen.

Ich finde es gut, wenn sich die Städte durch kommunale Politik für die Umwelt engagieren. Das kann zwar wahrscheinlich keine globalen Probleme lösen. Aber es verbessert die lokalen Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort. Und man sollte viel öfter lokal denken! Zum Beispiel beim einkaufen. Jeder sollte lieber Tomaten aus der eigenen Umgebung kaufen, anstatt sie über Tausende von Kilometern einfliegen zu lassen. Meiner Meinung nach kann der Verbraucher mit seinem Konsumverhalten auch Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung nehmen. Meine Mutter hat zum Beispiel ein Hybridauto. Das verbraucht viel weniger Sprit, als herkömmliche PKWs. Darauf sollten mehr Menschen umsteigen.

Mit einer Freundin zusammen wollte ich auch lokal mich schon mal für die Umwelt einsetzen. Wir wollten Frösche vor der Froschwanderung retten. Allerdings haben wir dann gar nicht viele gefunden. Das Problem an solchen Projekten ist aber doch, dass die nur punktuell helfen und nicht das eigentliche Problem lösen, nämlich dass der Lebensraum dieser Tiere durch den Menschen zu stark eingeschränkt wird.

Umweltpolitisch ist zurzeit natürlich der Klimaschutz am wichtigsten. Das schwierige ist aber, dass wohl auch allein die EU nicht allzu viel ausrichten kann. Wir machen ja schon viel, um das Klima zu schützen. Aber andere Weltregionen, wie Amerika und Asien müssten auch endlich davon überzeugt werden, dass der Klimaschutz dringend notwendig ist. Die ganze Welt sollte langsam mal den Arsch hochkriegen, sonst geht der Meeresspiegel hoch!“

Sarah, 22, Erlangen

Sarah„In meinem Studium beschäftige mich mit Umweltpolitik, weil das Thema – gerade seit der Atomkatastrophe in Fukushima – sehr populär. Neben dem Studium arbeite ich als Werkstudentin bei Siemens. Dort geht es auch um Umwelt, also um Energieeffizienz. Man sieht, dass es viele Leute braucht, die sich im Umweltsektor auskennen, deswegen ist es gut, dass ich mich im Studium vertieft damit beschäftigen kann. Daher will ich auch meine Bachelor-Arbeit über erneuerbare Energien schreiben.

Ich finde es ist wichtig, dass jeder einzelne von uns darauf achtet, dass er die Umwelt nicht unnötig belastet. Schon immer achte ich darauf, dass ich meinen Müll trenne. Außerdem achte ich darauf, dass ich kein Papier verschwende. Ich schreibe immer auf Vorder- und Rückseite und verwende bereits benutztes Papier als Schmierpapier. Und ich finde es gut, dass viele Städte mittlerweile Umweltzonen in der Innenstadt eingeführt haben. Ich selbst fahre sowieso am liebsten Fahrrad, das schont die Umwelt.

Außerhalb der Uni engagiere ich mich in der Jungen Union. Dort gibt es auch einen Arbeitskreis zum Thema Umwelt. Darin wird über aktuelle Umweltthemen diskutiert und es finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Es ist wichtig, dass man sich in einem solchen Rahmen auch mal mit anderen austauscht, um neue Blickwinkel auf ein Problem zu bekommen. Zum Beispiel steigen im Moment doch die Strompreise stark. Im ersten Moment denkt man da immer, dass die doofen Firmen Schuld sind. Aber wenn man mit anderen mal darüber diskutiert, merkt man, dass das nicht unbedingt so ist.

Apropos Strompreise: Ich finde, das ist im Moment umweltpolitisch das wichtigste Thema. Große Teile der Bevölkerung in Deutschland gehören nun mal zum Mittelstand und die tun sich schwer, wenn die Strompreise jetzt weiter steigen. Wir müssen einen Weg finden, wie wir auf alternative Energien umsteigen können, ohne dass die Kosten für die Verbraucher steigen.

Umweltschutz kann manchmal aber auch anstrengend sein. Mich nervt es zum Beispiel, wenn ich Pfandflaschen zurückbringen muss. Ich habe kein Auto. Daher hänge ich immer riesige Tüten voller leerer Plastikflaschen an meinen Fahrradlenker und muss so zum Supermarkt fahren. Vielleicht könnte man sich da ein besseres System einfallen lassen.

Wobei Deutschland an sich keine Tipps mehr braucht, wie es mit Müll umgehen soll. Wir sind ein reiches Land und machen das gut. Vor kurzem war ich in Indien, einem Entwicklungsland. Dort ist die Müllsituation katastrophal. Es muss definitiv mehr getan werden! Die Weltbevölkerung wächst ja ständig und damit auch die Berge an Müll.“

Jennifer Hertlein (21) studiert an der Universität in Erlangen Politikwissenschaft und Öffentliches Recht. Auch sie belegt ein Seminar zum Thema Umweltpolitik und beschäftigt sich vertieft mit kommunaler Umweltpolitik und lokalen Agenda 21-Prozessen. Nebenbei schreibt sie als freie Journalistin für verschiedene Print- und Onlinemedien.

Erschienen in: „Ringfrei“ der Zeitschrift des Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Ausgabe Nr. 54 – Dezember 2012.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: