Lokale Umweltpolitik und lokaler Umweltschutz

Das Thema Umwelt und Ökologie ist heute in aller Munde. Wir können dem Thema kaum entkommen: In den Medien geht es um die Energiewende. Wir dürfen seit kurzem keine Glühbirnen mehr kaufen, sondern nur noch Stromsparlampen. Autos sollen Benzin sparen. Wir sind vom Klimawandel bedroht und trennen sorgfältig unseren Müll. Um die Umwelt geht es dauernd, und doch sind wir uns nur sehr wenig bewusst, wie wichtig sie für uns ist. Und wie sie vor unserer Haustür Einfluss auf uns hat. Die Umwelt vor Ort wird von vielen Faktoren bestimmt. Von der Europäischen Union, von der Kommunalpolitik, von Vereinen und Verbänden – und natürlich von jedem Einzelnen.

Jeder will doch in einer intakten Umwelt leben. Am liebsten in einem Haus mit Garten oder einer Wohnung mit Balkon, mit Blick ins Grüne. Aber die Stadt, in der man lebt, muss sauber sein. Es sollten nicht zu viele Autos vor unserer Haustür fahren, die Lärm verursachen und die Luft verpesten. Und am Wochenende will jeder schnell im Grünen sein und die Natur genießen. Doch all das ist nicht selbstverständlich.

Wer kümmert sich um den Erhalt unserer Umwelt? Klar ist: Vor allem die Europäische Union gibt Vorgaben, wie die Umweltpolitik aussehen soll. Was aber in Brüssel passiert, erscheint für uns, als wäre es sehr weit weg. Hat Umweltpolitik also nichts mit uns zu tun? Im Gegenteil! Wir sind diejenigen, die in und mit der Umwelt leben. Und entscheidende Akteure der Umweltpolitik sind daher auch die Städte und Gemeinden. Sie setzen viele Maßnahmen lokal um und achten darauf, dass die Umwelt vor Ort erhalten bleibt.

Kommunen als umweltpolitische Akteure

Viele Bereiche innerhalb der Kommunen haben Umweltbezug. Angefangen von Versorgung und Entsorgung, Abwasser, Flächen- und Bauplanung, über Verkehr und Energie bis hin zu Wirtschaftsförderung und Industrieansiedelungspolitik. Kommunen setzen sich für den Umwelt- und Naturschutz ein, für Ökologie und für den Klimaschutz.

„Wie soll das gehen?“, mag da manch einer fragen. Immerhin sind viele Umweltprobleme nicht auf eine Stadt begrenzt, sondern haben globales Ausmaß, wie zum Beispiel der Klimawandel. Kann da eine Kommune etwas ausrichten? Fakt ist: Weltweit ist es oft schwer, Fortschritte in Sachen Umweltschutz zu machen. Denn bis sich alle Staaten auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt haben, kann viel Zeit vergehen. In der Kommunalpolitik gibt es zwar nur lokal begrenzte Projekte, aber dafür können Erfolge schneller erreicht werden.

Die lokale Agenda 21

Natürlich wird auch international etwas getan. Ein entscheidender Moment war im Jahr 1992: Auf dem bisher größten Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro unterzeichneten knapp 180 Staaten, unter anderem Deutschland, die Agenda 21. Das ist ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert. Darin geht es vor allem um Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit meint, dass wir Ressourcen heute nur soweit verbrauchen, als diese sich selbst regenerieren können. Dadurch bliebe unsere Erde auch für zukünftige Generationen unversehrt. Ziel der Agenda 21 ist es also, die Umwelt zu schützen und gleichzeitig für wirtschaftlichen Wohlstand und soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

Seit Anfang an spielen die Kommunen im Agenda 21-Prozess eine entscheidende Rolle. Denn sie sind es nun mal, die nah dran sind, an Problemen und Bedürfnissen vor Ort. Deshalb wurden schon 1992 die Kommunen aufgerufen,  eine lokale Agenda 21 umzusetzen, mit der sie versuchen das Ziel der Nachhaltigkeit lokal in die Tat umzusetzen. Seit 1997 gibt es auch in Nürnberg eine lokale Agenda 21, die bisweilen Erfolge erzielt, wie die erfolgreiche Renaturierung des Goldbachs.

In der lokalen Agenda 21 engagieren sich Nürnbergerinnen und Nürnberger, also die Bürger einer Stadt selbst. Überhaupt sind die Bürger wichtig, wenn es um Umweltschutz geht. Denn letztendlich kann auch jeder Einzelne einen Beitrag dazu leisten, die Umweltsituation zu verbessern, sei es durch den Kauf von Lebensmittel aus lokalem Anbau oder weniger Auto und mehr Fahrrad fahren.

Umweltschutz und Ökologie in Jugendverbänden

Bürger – und vor allem Kinder und Jugendliche – auf das Thema Umwelt aufmerksam machen und sich dafür einsetzen, das will auch Sabine Lindner. Sie ist Verbandsreferentin der AWO Nürnberg e.V. und engagiert sich in der Kommission „Ökologie und Klimaschutz“ des Kreisjugendring Nürnberg-Stadt. Die Kommission wurde 2007 ins Leben gerufen. Seitdem organisiert sie Flashmobs, Infoveranstaltungen und Seminare rund um das Thema Umwelt.

Kommenden März findet zum Beispiel ein Seminar unter dem Titel „Lifestyle – geht’s auch fair?“ statt. Dabei soll es darum gehen, auf was man beim Kauf von Konsumprodukten, also zum Beispiel bei Kleidung oder Handys, achten muss, wenn man fair gehandelte Ware kaufen will. Zu den Seminaren kommen Jugendleiter, Gruppenleiter, hauptamtliche Mitarbeiter. „Eben alle, die mit Jugendlichen arbeiten“, erklärt Sabine Lindner. „Unser Ziel ist es, das Thema runter zu brechen. So dass die Mitarbeiter als Multiplikatoren dann Kindern und Jugendlichen besser vermitteln können, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit viel mit dem eigenen Verhalten zu tun hat.“

Die Verbände setzen Anregungen der Kommission Ökologie und Klimaschutz anschließend in die Tat um. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass vor einer Jugendfreizeit mit den Jugendlichen darüber geredet wird, wie alle möglichst klimaschonend anreisen können. Oder indem gemeinsam gekocht wird – aber nur mit Lebensmitteln aus der näheren Umgebung, die nicht erst über 1000 Kilometer mit dem Flugzeug hergebracht werden mussten. „Wir wollen zeigen, wie man Umweltschutz praxisnah umsetzen kann“, so Sabine Lindner. Sie findet es besonders bemerkenswert, dass Kinder und Jugendliche sehr offen auf das Thema reagieren: „Die meisten wollen mehr darüber wissen, was sie selbst tun können. Keiner sagt, dass er Ökologie langweilig findet. Im Gegenteil!“

Sabine Lindner meint es ist wichtig, dass Verbände das Thema Ökologie, Umwelt-, Natur- und Klimaschutz aufgreifen. „Immerhin ist es eine Zukunftsfrage. Wir wollen unseren Kindern doch keine kaputte Welt hinterlassen.“ Und je früher man anfängt, Kindern zu erklären, welches Verhalten für die Umwelt gut oder schlecht ist, desto besser. „Denn wenn sie das als Kinder lernen, sind sie eher bereit, auch später als Erwachsene verantwortungsvoll zu handeln“, so Sabine Lindner.

Die Kommission Ökologie und Klimaschutz wäre, sagt Lindner, auch offen dafür, dass Verbände mit Themenvorschlägen auf sie zukommen. „Wenn ein Verband zu uns sagt, wir wollen etwas über Wasserqualität in Nürnberg mit unseren Jugendlichen machen, könnten wir da weiterhelfen. Neue Ideen sind immer gut!“

Erschienen in: „Ringfrei“ der Zeitschrift des Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Ausgabe Nr. 54 – Dezember 2012.

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