Von der Wohnungssuche bis zur Prüfungsangst

felixkraffelTanjaRamonKaWeihnachtsferien! Heimfahren! Pause vom Alltag! In dieser Woche geht für die Studienanfänger dieses Wintersemesters die erste Phase ihres Studiums zu Ende. Zeit für eine kleine Bilanz: Sechs Studenten aus der Metropolregion berichten von ihrem neuen Studentenleben, und wie sie sich an ihrer jeweiligen Hochschule eingelebt haben.

Tanja Klaus (21) aus Nürnberg, Hochschule Ansbach:

ImageIch studiere Industrielle Biotechnologie, und später möchte ich im Bereich Pharmazie arbeiten und Medikamente herstellen. Nach dem Abitur 2010 habe ich eine Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin absolviert, denn damals wusste ich nicht, was ich wollte und hatte keine Motivation für ein Studium.

Jetzt bringt mir meine Ausbildung sehr viel. Ich muss im 1. Semester für Bio und Chemie fast nichts lernen. Industrielle Biotechnologie kann man in Ansbach erst seit ein paar Jahren studieren. Deshalb sind die Labors sehr neu, und unsere Bibliothek ist sehr gut ausgestattet. Aber den Stundenplan zu erstellen, war schrecklich. Am Anfang war es schwierig, zu verstehen, welche Fächer wir wann belegen müssen.

Ich bin für das Studium von Nürnberg nach Ansbach gezogen. Meine Einzimmerwohnung in der Altstadt hatte ich schnell gefunden. Aber im Gegensatz zu Nürnberg ist Ansbach ein Dorf. Hier machen die Läden schon um 18 Uhr zu! Jetzt bin ich etwas nervös wegen der Prüfungen. Daher habe ich mir vorgenommen, lieber früher mit dem Lernen anzufangen, anstatt mich am Schluss reinzustressen.

Anna Kreger (19) aus Altdorf, Fachhochschule Regensburg:

ImageIch habe im Sommer dieses Jahres Abitur gemacht und stand vor einer sehr schwierigen Studienwahl. Auf keinen Fall wollte ich irgendwas mit Naturwissenschaften machen. So fiel alles weg, was mit Mathe, Physik, Chemie, oder Bio zu tun hat.

Dazu kommt, dass ich im Rollstuhl sitze. Aus diesem Grund entfiel auch jedes Studienfach, in dem man sich körperlich betätigen muss. Zum Beispiel kann ich alles, was mit Theater und Film zu tun hat, vergessen — obwohl es mich sehr interessiert hätte. Andererseits ist ein langweiliger Bürojob, in dem man hinter seinem Computer still und leise vor sich hin vegetiert, definitiv nicht meine Welt. Ich möchte mit Menschen zu tun haben und meine Kreativität ausleben.
Jetzt studiere ich an der Fachhochschule Regensburg das Fach „International Relations and Management“. Das ist eine Mischung aus Sprachen, Politik, Wirtschaft und interkultureller Zusammenarbeit — also genau das, was ich studieren möchte.

Wegen des verpflichtenden Auslandssemesters ist Reisen inklusive, das gefällt mir gut. Und wegen des obligatorischen Praxissemesters bekomme ich Kontakt zur Arbeitswelt.

Ein Vorteil an meinem Studienort ist auch, dass Regensburg grundsätzlich sehr behindertenfreundlich ist. Dennoch war es schwierig, ein möglichst barrierefreies Zimmer zu finden. Denn ich begann mit der Suche erst, als sämtliche Anmeldefristen für Studentenwohnheime schon abgelaufen waren. Wie soll ich mich um ein Zimmer bewerben, wenn ich noch gar nicht weiß, wohin ich zum Studium gehe?

Doch ich hatte Glück und bekam eines der letzten barrierefreien Zimmer in einem frisch renovierten Wohnheim. Auch die Assistenz, die ich wegen meiner Behinderung benötige, konnte ich organisieren.

Katrin Lößlein (20) aus Retzelfembach bei Fürth, Evangelische Hochschule Nürnberg:

ImageNach dem Abi 2011 habe ich ein freiwilliges soziales Jahr in einem Jugendhaus gemacht, weil ich wusste, dass ich in die soziale Richtung will. Aber ich hatte nach dem Abi genug vom Lernen. Jetzt studiere ich Soziale Arbeit. Die Evangelische Hochschule ist recht klein. Daher habe ich engen Kontakt mit den Dozenten, und die Atmosphäre ist ziemlich vertraut.

Vor dem Studium hatte ich Angst, allein dazustehen. Und ich wollte nicht nur eine Matrikelnummer sein. Aber das ist nicht der Fall. Die meisten Dozenten sind hilfsbereit.

Aber eine kleine Hochschule hat auch Nachteile. Wir haben keinen Hörsaal, sondern nur einen großen Raum mit circa 130 Stühlen. Auf den ausklappbaren Tischen schreibt es sich schlecht. Und die Sicht nach vorne ist furchtbar, weil alle auf der gleichen Ebene sitzen.

An den ersten Uni-Tagen war großes Chaos. Ich wurde von Infos überflutet. Aber meinen Kommilitonen ging es ja genauso. Wir helfen uns gegenseitig. Auch jetzt verlaufen wir uns noch in den Gebäuden. Aber zumindest sind wir nicht alleine!
Ich pendle von zu Hause nach Nürnberg. Eine Studentenwohnung kann ich mir gerade nicht leisten. Aber das Pendeln geht mit Zug und U-Bahn gut. Ich habe auch jeden Freitag frei und donnerstags nur zwei Vorlesungen. Aber jetzt muss ich bald meine erste Hausarbeit schreiben und dann stehen die Klausuren an. Ich weiß noch gar nicht, was da auf mich zukommt!

Felix Kraffel (18) aus Wendelstein, Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg:

ImageIch mache ein duales Studium. Ich studiere Maschinenbau und absolviere bei Siemens eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Viele hatten mir vor dem Studium erzählt, dass das zu stressig sei.

Ist es nicht! Meine Ausbildung mache ich nur in den Semesterferien. Während des Semesters bin ich ein ganz normaler Student. Was allerdings stressig war: Meine Ausbildung hat direkt nach dem Abi dieses Jahr angefangen. Ich habe am Freitag mein Zeugnis gekriegt und saß am Montag bei Siemens.

Ein großer Vorteil an der Ausbildung: Ich habe schon vor Studienbeginn Kommilitonen kennengelernt, die das gleiche duale Studium machen und ab Oktober mit mir in der Vorlesung saßen. Das war hilfreich, weil ich immer jemanden fragen konnte. Ich habe auch eine Fahrgemeinschaft mit zwei Kommilitonen, die auch dual studieren.

Die Ohm-Hochschule gefällt mir vor allem, weil vieles so neu ist. Wir haben in den Hörälen an jedem Sitz eine Steckdose für den Laptop und viele Beamer. Allerdings habe ich mir das Studium nicht so aufwendig vorgestellt. Ich sitze fast jeden Tag von acht Uhr früh bis zum Nachmittag in der Hochschule.

Außerdem merke ich, dass einem hier nichts geschenkt wird. Wenn man was nicht mitkriegt, ist das dem Prof egal. Vor den Prüfungen habe ich aber keine große Angst. Ich denke, solange ich beim Lernen am Ball bleibe, klappt das schon.

Ramon Glienke (21) aus Kempten, Uni Erlangen-Nürnberg:

ImageIch bin nach Erlangen gezogen und studiere dort Soziologie und Politikwissenschaft. Vorher hatte ich mich an sechs Unis beworben, aber mich für Erlangen entschieden, weil ich hier beide Fächer zusammen studieren kann.
Es war schwierig, in Erlangen eine Wohnung zu finden. Ich habe 13 besichtigt. Jetzt wohne ich mit zwei Mädels in einer WG. Eine Umstellung war der Auszug von daheim kaum, denn ich bin nach dem Abi ein Jahr lang allein gereist. Ich wohne zwar gegenüber der Mensa. Aber ich koche lieber selbst. Für Vegetarier ist die Auswahl in der Mensa zu begrenzt.

Ich mag die Erlanger Uni, weil sie so groß ist und so viele Studenten hier sind. Ich genieße es, in einer Studentenstadt zu leben, in der immer etwas los ist! Allerdings könnten sie in der Uni öfter mal die Heizung anmachen.

Vor dem Studium war ich zwei Wochen im Grundlagen- und Orientierungsstudium. Dabei haben wir zum Beispiel gelernt, mit wissenschaftlichen Texten zu arbeiten. Das war nach einem Jahr Auszeit von der Schule eine gute Auffrischung.

Außerdem habe ich dabei viele Freunde gefunden. Im Moment finde ich es schwierig, den Ausgleich zu schaffen zwischen Studentenleben genießen und fleißig für die Uni arbeiten. Aber die Prüfungen sind erst Ende Januar und ich gehe ja immer in die Vorlesung.

Janina Glas (18) aus Herzogenaurach, Universität Bamberg:

ImageIch studiere BWL. Eigentlich will ich ja „International Business Studies“ studieren. Da war es jedoch nicht leicht reinzukommen. Aber hier kann ich in einem Jahr von BWL auf IBS wechseln. Dann fange ich zwar wieder im ersten Semester an, kann mir jedoch Kurse anrechnen lassen.

Erst bin ich nach Bamberg gependelt. Dabei habe ich aber zu viel Zeit auf der Straße verloren. Und ich bin gar nicht richtig im Studentenleben angekommen. Nach der Uni heimzufahren und am Abend zum Weggehen wieder nach Bamberg zu fahren, war zu stressig. Jetzt wohne ich in einer Studentenwohnung, aber am Wochenende bin ich viel daheim.

Ich finde es schade, dass es in Bamberg keine Campus-Uni gibt. Manchmal muss ich nach einer Veranstaltung durch die halbe Stadt fahren, um die nächste Vorlesung zu besuchen. Dafür hat Bamberg ein großes Angebot für Auslandssemester. Wir haben Partner-Unis in über 50 Ländern — von Usbekistan bis zu den USA. Ich möchte unbedingt ins Ausland, am liebsten nach Brasilien.
Vor den Uni-Prüfungen habe ich schon Bammel. Immerhin sind das mehrere in einer Woche, und ich habe Angst, dass ich das vom Stoff her nicht schaffe. Aber zumindest wird genau erklärt, was drankommt.

Erschienen auf: Szene-Extra Seiten der Nürnberger Nachrichten

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